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Medizinische Universität Wien: Sichtbare Emotionen


Neue starke Magnetresonanz-Tomografen (MRT) geben mit großer Präzision Einblicke in den Köper. Damit lassen sich die Entstehung von Krankheiten, der Verlauf von Therapien oder die Wirkung von Medikamenten verfolgen.

Im Herbst geht an der MedUni Wien einer der wenigen 7 Tesla MRTs weltweit in Betrieb. Für die Medizin zählen die verbesserten Diagnosemöglichkeiten zu den Hoffnungsgebieten der Zukunft. Tomographen mit hoher Feldstärke liefern Bilder mit einer deutlich höheren Auflösung und besitzen eine höhere Empfindlichkeit. Als einziges bildgebendes Verfahren ist die MRT in der Lage, nicht nur Strukturen, sondern auch Funktionen im Körper abzubilden. Damit können beispielsweise neuronale Aktivitäten im Gehirn mit hoher räumlicher Auflösung dargestellt und so selbst Emotionen erforscht werden. Aber auch in ganz anderen Bereichen bietet die MRT neue Einblicke: Die genaue Untersuchung von Veränderungen des Gelenksknorpels ermöglicht einen besseren Umgang mit der Volkskrankheit Nr. 2 nach den Herz-Kreislaufproblemen - der Arthrose.

7 Tesla-Geräte sind erst an wenigen Standorten weltweit im Einsatz. Die Anlage am „Exzellenzzentrum für Hochfeld MR“ an der MedUni Wien zählt nun zu den bestausgerüsteten Forschungszentren und stösst damit ins europäische Spitzenfeld vor. Der 7 Tesla-MRT wird im Rahmen einer Forschungskooperation mit Siemens für medizinische Projekte und technisch-physikalische MR-Grundlagenforschung eingesetzt. Den ForscherInnen geht es um biomedizinische Fragestellungen und die Entwicklung von neuen Methoden für den zukünftigen klinischen Einsatz der so genannten “Hochfeld MR“.

Besserer Einblick ins Hirn

Mit dem 7 Tesla-Tomografen wird daran gearbeitet, Nervenerkrankungen im Gehirn frühzeitig zu erkennen und ihren Verlauf besser zu verstehen. Der Physiker Prof. Dr. Ewald Moser und der Radiologe Prof. Dr. Siegfried Trattnig leiten gemeinsam das „Exzellenzzentrum für Hochfeld-MR“ an der MedUni Wien. „Mit der funktionellen MRT lässt sich nicht nur feststellen, wo etwas im Gehirn passiert. Es wird auch möglich sein, die Stärke von Hirnaktivität zu erfassen,“ erklärt Moser. Welche Hirnregionen bei bestimmten Symptomen veränderte Aktivität aufweisen, weiss man schon schon ziemlich genau.

„Nun können wir auch die Wirkung von Medikamenten zur Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen erforschen. Der Verlauf einer Therapie kann in Zukunft mehrfach kontrolliert werden, nichtinvasiv neurologisch durch funktionelle MRT, sozialpsychologisch auf Grund der Verhaltens und durch Selbsteinschätzung der Patienten,“ so Moser weiter. Neurobiologie und Psychotherapie rücken damit zum Vorteil des Patienten immer enger zusammen. In einer kürzlich gemeinsam mit der Universitätsklinik für Psychiatrie, (Abteilung für Biologische Psychiatrie) durchgeführten Studie konnte erstmals der Einfluss von Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) auf die Aktivität von Hirnregionen nachgewiesen werden. Das sind Medikamente, die weltweit bei der Therapie von Angsterkrankungen und Depressionen eingesetzt werden.

Auf den Spuren des Tumors

Auch für die Krebsforschung bringt das Gerät neue Impulse: So kann unter anderem der Schweregrad einer Tumorerkrankung besser bewertet werden. Die Untersuchung kann klären, ob der Tumor scharf abgegrenzt ist oder in die Umgebung infiltriert. Auch die Präzision der Lokalisierung eines Tumors erhöht sich mit der Feldstärke. Eine Abklärung mit einem 3 Tesla MRT gehört mittlerweile zur präoperativen Routine. Siegfried Trattnig: „Der neue 7 Tesla Tomograph wird hier die Genauigkeit noch weiter steigern. Noch bessere Bilder können in Zukunft den Neurochirurgen direkt ins Operationsmikroskop übertragen werden.“

In Wien wurde vor vier Jahren ein Exzellenzzentrum für Hochfeld-MR aufgebaut, an dem Physiker und Radiologen zusammenarbeiten, ein Konzept, das in der weltweiten Forschungslandschaft einmalig ist. Das Kompetenzzentrum kann zusätzlich auf die große Klinik AKH Wien zurückgreifen. Die  ForscherInnen werden von der klinischen Routine, die meist den Alltag der Mediziner dominiert, großteils freigespielt.

Das Exzellenzzentrum verfügt neben dem 7 Tesla-MR, der ausschließlich für die Forschung zugelassen ist, auch über ein 3 Tesla-Gerät. Damit können neue Erkenntnisse auch im klinischen Betrieb genützt werden. Diese spezielle Konstellation erhöht die Chancen, dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung sehr rasch den PatientInnen zugute kommen. Moser und Trattnig rechnen damit, dass am 7 Tesla  in kurzer Zeit Studien erstellt werden  können. Dafür bildet die Kombination von 3 Tesla-MRT und 7 Tesla-MRT eine Voraussetzung, weil die Ergebnisse verglichen werden müssen. Diese Aufgabe wird durch die räumliche Nähe und die identischen Bedienoberflächen erleichtert. Der Einschulungsaufwand auf das neue Gerät ist minimal. Am 15. Oktober soll mit der Einbringung des Magneten das neue Zeitalter der Hochfeld-MR Forschung in Wien beginnen.

 

Ewald Moser und Siegfried Trattnig von der MedUni Wien leiten das Exzellenzzentrum für Hochfeld-MR. Mit dem Einsatz eines neuen 7 Tesla Geräts stösst die MedUni Wien im Herbst an Europas Spitze vor.
Ewald Moser und Siegfried Trattnig von der MedUni Wien leiten das Exzellenzzentrum für Hochfeld-MR. Mit dem Einsatz eines neuen 7 Tesla Geräts stösst die MedUni Wien im Herbst an Europas Spitze vor.
 
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