Die Idee der Anamnesegruppen ist nicht neu. Die erste Anamnesegruppe gab es 1969 in Ulm. Der dortige Psychosomatiker Thure von Uexküll setzte sich für eine Heilkunde ein, die nicht nur die Krankheit, sondern den kranken Menschen sieht und versteht.
Einer seiner Assistenzärzte, Wolfram Schüffel (später Professor für Psychosomatik in Marburg), führte regelmäßige Patientenbesprechungen mit Studenten ein, in denen Patienten gesehen und nach einem ganzheitlichen Ansatz besprochen wurden. Aus diesen Besprechungen entstanden die Anamnesegruppen, deren Idee sich über die Jahre ausbreitete.
1987 wurden in Wien die ersten österreichischen Anamnesegruppen ins Leben gerufen. Heute gibt es Anamnesegruppen an allen drei österreichischen medizinischen Fakultäten und an über 15 Fakultäten in Deutschland.
| Zeitpunkt | Ereignis in der Chronik |
|---|---|
| 1969 | Gründung der Anamnesegruppen in Deutschland durch Prof. em. Dr. med. Wolfram Schueffel und Beginn der Verbreitung der Anamnesegruppen im gesamten deutschsprachigen Raum |
| 1986 | Gründung der Wiener Anamnesegruppen als studentische Selbstinitiative |
| 1987 |
Auf Initiative von Univ. Prof. Dr. G. Geyer, Univ. Prof. Dr. Martin Lischka und der Studienkommission werden die Anamnesegruppen in Wien zum Wahlfach. Zum Lehrveranstaltungsleiter wird Klaus Spiess ernannt. Die Betrauung der Tutoren erfolgt über die II. Med. Universitätsklinik. |
| 1991 | Die TutorInnen werden nun vom Institut für med. Psychologie betraut. |
| 1991-1998 | Mitglieder des Wiener TutorInnenteams nehmen an den internationalen Anamnesegruppen-Fortbildungs-Maitreffen in Marburg teil. |
| 1993 | Die Wiener Anamnesegruppen werden interdisziplinär. Erstmals werden StudentInnen der Psychologie als TutorInnen bestellt und als TeilnehmerInnen aufgenommen. |
| 1997/1998 | Im Facultas-Verlag erscheint das von den Wiener Anamnesegruppen erstellte und herausgegebene Skriptum "Studierende und Kranke im Gespräch". |
| 1999 | Die Wiener TutorInnen sind GastgeberInnen des 19. Internationalen Maitreffens der Anamnesegruppen, das nun nun jährlich in einer anderen Stadt gehalten und von den einladenden Anamnesegruppen gestaltet wird. Thema des Maitreffens in Wien ist "Tod". |
| 1999 | Erweiterung der Interdisziplinarität: die Wiener Anamnesegruppen öffnen sich für StudentInnen der Kultur- und Sozialanthropologie, der Sprachwissenschaften und der Sonder- und Heilpädagogik. |
| 2000-2010 |
TutorInnen und TeilnehmerInnen der Wiener Anamnesegruppen nehmen an den Internationalen Maitreffen teil, die jedes Jahr in einer anderen Stadt unter einem neuen Themenschwerpunkt stattfinden. Ulm ("Sucht"), Berlin ("Aggression"), Innsbruck ("Wahrnehmung"), Marburg ("Missbrauch"), Dresden ("Grenzen"), Ulm ("Sexualität"), Wien ("Wahn & Sinn"), Aachen ("Eifer & Sucht"), Freiburg ("Das Fremde in mir"), München ("Glaube & Spiritualität"), Homburg ("Grenzen & Tabus"). |
| 2003 | Vorstellung der Anamnesegruppen im Rahmen der Konferenz der Österreichischen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (ÖGHD), die sich mit Reformen der Medizinischen Studiengänge in Österreich und dem neuen "Medizincurriculum Wien" (MCW) befasst. |
| 2004 | Das Zentrum für Public Health übernimmt die Betrauung der TutorInnen. |
| 2004 | Unterstützung des Innsbrucker Redaktionsteams bei der Arbeit für das 21. Internationale Jahrbuch für PatientInnenorientierte MedizinerInnenausbildung (POM) |
| 2004 | Die Wiener TutorInnen veranstalten ein Internationales TutorInnentraining. Dieses dient der Ausbildung neuer TutorInnen und wird abwechselnd in verschiedenen Städten angeboten. |
| 2005/2006 | Teilnahme am Gesundheitspreis der Stadt Wien |
| 2006 | Wien ist Gastgeberstadt für das 26. Internationale Maitreffen der Anamnesegruppen. Thema in diesem Jahr ist "Wahn und Sinn". |
| 2007/2008 | Die Wiener TutorInnen gestalten und verlegen das 25. Internationale Jahrbuch für PatientInnenorientierte MedizinerInnenausbildung (POM). |
| Mai 2008 | Die Medizinische Universität Wien verleiht den Wiener Anamnesegruppen den Titel "Teacher of the Month". |
| 2009 | Mit der Integration von "Narrative Medicine" und "Arts and Humanities" bemühen sich die Wiener Anamnesegruppen um eine erneute Erweiterung der Interdisziplinarität und versuchen, vermehrt auch künstlerische Fachbereiche anzusprechen. |
| April 2009 | Der 1. Preis des Fonds der Förderung für Wissenschaftliche Forschung (FWF) im Schwerpunkt "Art and Science" wird an das multidisziplinäre Team rund um a.o. Univ. Prof. Dr. Klaus Spiess verliehen, für das "Bild der Wissenschaft 2009". |
| September 2009 | Eine Woche lang kommen angehende TutorInnen aus zahlreichen Städten Deutschlands und Österreichs in Wien zusammen und treffen sich zum Internationalen TutorInnentraining 2009. |
| 2010/2011 | Regelmäßige Blogbeiträge von TeilnehmerInnen aus Wien eröffnen einen neuen Einblick in die Arbeit der Anamnesegruppen. |
| Juni 2011 | Mit dem Theaterstück "Sie will mich um die Ecke bringen..." begeistern TeilnehmerInnen der Anamnesegruppen Wien ihr Publikum. Ein Jahr lang hatte sich die Gruppe zuvor unter dem Schwerpunkt "Theater und Bühne" mit der Anamnese auseinandergesetzt. |
18. Jan. / Gastvortrag: Mag. Dr. Verena Winkler: Übertragung als diagnostisches Mittel
30. Nov. / Gastvortrag und Diskussion mit Primar Dr. Peter Langer über Psychiatrie im OWS