Von: daniela wasylewski [daniela.wasylewski@meduniwien.ac.at]
Gesendet: Mittwoch, 07. November 2007 09:15
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Med-Unis: „Nachwuchs geht ins Ausland und bleibt dort“

19.10.2007 | 18:32 |   (Die Presse)

Betriebsräte der Med-Unis warnen gemeinsam: Geringe Bezahlung und unsichere Arbeitsverhältnisse vertreiben Jungärzte.

WIEN (hes). „Schlechte Bezahlung und kein sicherer Job ist eine gefährliche Kombination.“ Thomas Szekeres, Betriebsratsvorsitzender des wissenschaftlichen Unipersonals der Medizinischen Uni Wien, warnt vor einem nahenden Ärztemangel in Österreich der hausgemacht sei. Wenn man 980 Euro netto im Monat verdiene, als Spitalsarzt 1375 Euro netto, dann könne man das nur mit freiwilliger Nachtarbeit kompensieren. Früher habe es für jeden Job als Arzt zehn bis 15 Bewerber gegeben, gibt Martin Tiefenthaler, Betriebsratsvorsitzender an der Med-Uni Innsbruck zu bedenken. Heute werden die Mediziner lieber Pharmavertreter.

In Österreich gebe es nur befristete Verträge. Die fertig ausgebildeten Mediziner wandern zunehmend nach Deutschland, England, Norwegen oder Schweden ab. Dort bekommen sie einen Schwedisch-Kurs und eine fixe Anstellung. Wenn sie jemals wieder zurück kommen, dann bestenfalls als Uni-Professoren. Speziell im Bereich der CT-Befunde und der Strahlentherapie finde man schwer jemanden. Da sei der Ärztemangel schon jetzt stark sichtbar, so die Betriebsräte aller drei Med-Unis in einer gemeinsamen Pressekonferenz.

 

Arbeitszeit nicht ausdehnbar

Sie fordern, dass höhere Einstiegsgehälter und dafür eine flachere Gehaltskurve ermöglicht werde. Alarmiert sind die Betriebsräte, die am Donnerstag und Freitag für eine Klausur im Wiener Josephinum weilten, auch von einer publik gewordenen Nebenabsprache im Rahmen des Finanzausgleichs. Darin wird eine Veränderung des Arbeitszeitgesetzes angedacht. Die Betriebsräte fürchten, dass die Krankenanstaltenerhalter (also Bund und Länder) die derzeitige Regelung, die 72 Stunden Arbeitszeit pro Woche ermöglicht, noch ausweiten könnten. Hier habe es zwar seitens der Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) die Zusage gegeben, dass es keine Absichten in diese Richtung gebe. Aber eine Klarstellung sei dennoch angebracht, weil die rechtliche Bedeutung der Nebenabsprache völlig unklar sei. Wenn man ernstlich Schichtdienste einführen wolle, sei das das Ende einer zweckmäßigen Ärzteausbildung. Dann bräuchte es doppelt so viel Personal, um überhaupt noch gewährleisten zu können, dass man neben der Patientenversorgung auch noch den Lehrbetrieb aufrecht erhalten könne. Dann könne man vielleicht noch nach dem Schichtdienst um zwei Uhr in der Früh eine Lehrveranstaltung abhalten, aber damit sei wohl niemandem gedient.

 

Zu wenig Mitbestimmung

Ein Dorn im Auge ist den Betriebsräten auch die aus ihrer Sicht völlig unzureichende Mitbestimmung der wissenschaftlichen Mitarbeiter im Universitätsbetrieb. Immerhin gebe es mehr als 5000 Mitarbeiter an den Medizinischen Unis. Nicht nur im Uni-Rat sehen die Betriebsräte ihre Klientel unterrepräsentiert. Dass im Aufsichtsrat etwa die Betriebsräte kein Stimmrecht haben und teils bei Beratungen vor die Tür gebeten würden, sei ein Unikum.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2007)