19.10.2007 | 18:32 |
(Die Presse)
Betriebsräte der Med-Unis warnen
gemeinsam: Geringe Bezahlung und unsichere Arbeitsverhältnisse vertreiben
Jungärzte.
WIEN
(hes). „Schlechte Bezahlung und kein
sicherer Job ist eine gefährliche Kombination.“ Thomas Szekeres,
Betriebsratsvorsitzender des wissenschaftlichen Unipersonals der Medizinischen
Uni Wien, warnt vor einem nahenden Ärztemangel in Österreich der hausgemacht
sei. Wenn man 980 Euro netto im Monat verdiene, als Spitalsarzt 1375 Euro netto,
dann könne man das nur mit freiwilliger Nachtarbeit kompensieren. Früher habe es
für jeden Job als Arzt zehn bis 15 Bewerber gegeben, gibt Martin Tiefenthaler,
Betriebsratsvorsitzender an der Med-Uni Innsbruck zu bedenken. Heute werden die
Mediziner lieber Pharmavertreter.
In
Österreich gebe es nur befristete Verträge. Die fertig ausgebildeten Mediziner
wandern zunehmend nach Deutschland, England, Norwegen oder Schweden ab. Dort
bekommen sie einen Schwedisch-Kurs und eine fixe Anstellung. Wenn sie jemals
wieder zurück kommen, dann bestenfalls als Uni-Professoren. Speziell im Bereich
der CT-Befunde und der Strahlentherapie finde man schwer jemanden. Da sei der
Ärztemangel schon jetzt stark sichtbar, so die Betriebsräte aller drei Med-Unis
in einer gemeinsamen Pressekonferenz.
Sie
fordern, dass höhere Einstiegsgehälter und dafür eine flachere Gehaltskurve
ermöglicht werde. Alarmiert sind die Betriebsräte, die am Donnerstag und Freitag
für eine Klausur im Wiener Josephinum weilten, auch von einer publik gewordenen
Nebenabsprache im Rahmen des Finanzausgleichs. Darin wird eine Veränderung des
Arbeitszeitgesetzes angedacht. Die Betriebsräte fürchten, dass die
Krankenanstaltenerhalter (also Bund und Länder) die derzeitige Regelung, die 72
Stunden Arbeitszeit pro Woche ermöglicht, noch ausweiten könnten. Hier habe es
zwar seitens der Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) die Zusage gegeben,
dass es keine Absichten in diese Richtung gebe. Aber eine Klarstellung sei
dennoch angebracht, weil die rechtliche Bedeutung der Nebenabsprache völlig
unklar sei. Wenn man ernstlich Schichtdienste einführen wolle, sei das das Ende
einer zweckmäßigen Ärzteausbildung. Dann bräuchte es doppelt so viel Personal,
um überhaupt noch gewährleisten zu können, dass man neben der
Patientenversorgung auch noch den Lehrbetrieb aufrecht erhalten könne. Dann
könne man vielleicht noch nach dem Schichtdienst um zwei Uhr in der Früh eine
Lehrveranstaltung abhalten, aber damit sei wohl niemandem
gedient.
Ein
Dorn im Auge ist den Betriebsräten auch die aus ihrer Sicht völlig unzureichende
Mitbestimmung der wissenschaftlichen Mitarbeiter im Universitätsbetrieb.
Immerhin gebe es mehr als 5000 Mitarbeiter an den Medizinischen Unis. Nicht nur
im Uni-Rat sehen die Betriebsräte ihre Klientel unterrepräsentiert. Dass im
Aufsichtsrat etwa die Betriebsräte kein Stimmrecht haben und teils bei
Beratungen vor die Tür gebeten würden, sei ein Unikum.
("Die Presse", Print-Ausgabe,
20.10.2007)