Der „Anschluß“ der Wiener Medizinischen Fakultät
„Des größten Sohnes unserer Heimat…sei hier an erster Stelle gedacht! Die Gleichschaltung und Umformung der Wiener Universität nach nationalsozialistischen Gesichtspunkten erfolgte rasch und reibungslos innerhalb weniger Wochen. Die weltanschauliche Orientierung der Universitäten in Österreich war seit langem deutschnational, antidemokratisch, und antisemitisch gewesen und erklärt den widerstandslosen Umformungsprozess.<2> Rektor und Dekane wurden mit Vertrauensleuten der NSDAP besetzt, der Anatom Eduard Pernkopf wurde zum kommissarischen Dekan der medizinischen Fakultät ernannt. Bereits am 22.März 1938 leisteten alle Professoren nichtjüdischer Herkunft den Treueid auf Hitler. Mit der Verhaftung politischer Gegner und der Entlassung der aus „rassischen“ Gründen unliebsamen Mitglieder der Fakultät auf Grund pseudogesetzlicher Maßnahmen Ende Mai 1938 war der „Säuberungsprozess“ abgeschlossen. Widerstand regte sich keiner, boten doch die freiwerdenden Lehrkanzeln und Assistentenstellen für viele der jüngeren, regimekonformen Dozenten Aufstiegschancen, die sie unter normalen Bedingungen nie oder erst mit beträchtlicher zeitlicher Verzögerung erlebt hätten. Insgesamt waren 13 Lehrkanzeln und andere Abteilungen neu zu besetzen. Auf Grund der Einführung der Nürnberger Rassengesetze und der Verordnung zur „Neuordnung des österreichischen Berufsbeamtentums“ wurden 53% der aktiven Hochschullehrer der Medizinischen Fakultät entlassen und ein Großteil von ihnen in die Emigration gezwungen.<3>
>> POLITISCHE ENTLASSUNGEN DER ANHÄNGER DES AUSTROFASCHISMUS >> Studieren an der medizinischen Fakultät 1938 >> Michael Eisler von Terramare >> Erwin Risak – Der Profiteur
Für den Inhalt verantwortlich: Dr. Ingrid Arias 2 Brigitte Lichtenberger-Fenz, Österreichs Universitäten und Hochschulen – Opfer oder Wegbereiter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft? In: Gernot Heiss, Siegfried Mattl, Sebastian Meissl, Edith Saurer, Karl Stuhlpfarrer (Hg.), Willfährige Wissenschaft. Die Universität Wien 1938 bis 1945. (Wien 1989), 3. |