Else Pappenheim

Else Pappenheim wurde am 22. Mai 1911 in Salzburg geboren und entstammt einer Ärztefamilie. Ihr Vater Martin Pappenheim war Psychiater und wurde 1924 a.o. Prof. an der medizinischen Fakultät der Universität Wien. Ihre Tante Marie Frischauf-Pappenheim war Dermatologin und in der Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung engagiert.
Ihre Gymnasialzeit verbrachte Else Pappenheim am Realgymnasium der Schwarzwald’schen Schulanstalten, bevor sie 1929 ihr Medizinstudium in Wien begann. Bedingt durch ihre Familiengeschichte interessierte sie sich bereits früh für Psychiatrie und pflegte Kontakt mit der Wiener Psychoanalytischen Gesellschaft. Sie begann 1934 mit ihr Lehranalyse bei Dr. Otto Isakower und setzte ihre theoretische Ausbildung 1937 am Wiener Psychoanalytischen Institut fort. Von 1935 bis 1938 war sie als Sekundarärztin an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Neurologie unter Prof. Dr. Otto Pötzl tätig. (Zu den biographischen Daten siehe: Else PAPPENHEIM, Bernhard HANDLBAUER (Hg.), Hölderlin, Feuchtersleben, Freud. Beiträge zur Geschichte der Psychoanalyse, der Psychiatrie und Neurologie [Graz/Wien 2004])
Der „Anschluß“ setzte ihrer noch kurzen beruflichen Karriere ein Ende. Obwohl Else Pappenheim evangelisch getauft war, galt sie nach den Nürnberger Rassegesetzen als „jüdisch“. In ihrem Buch beschreibt sie sehr eindringlich, wie sie den „Anschluß“ erlebte: „Am 11.März 1938 telefonierte meine Mutter an die Klinik, ich solle sofort nach Hause kommen, Hitlers Truppen marschierten ein. Von der Psychiatrie bis zur Lazarettgasse ging man etwa zehn Minuten durch das Spitalsgelände. Als ich die Straße erreichte, war sie bereits voll mit marschierenden Gruppen, die im Takt „Heil Hitler“ schrien. Flugzeuge flogen über die Stadt. Ich brauchte weitere zehn Minuten nach Hause. Alle Haustore waren versperrt. Am Tag vorher hatten noch Kerzen für Schuschnigg in allen Fenstern gebrannt. Jetzt hingen überall Hakenkreuzfahnen heraus.“ (PAPPENHEIM, Hölderlin, Feuchtersleben, Freud, 65.)
Am 12. März 1938 wurde sie nun auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit an die neurologische Abteilung des AKH versetzt und arbeitete dort noch kurze Zeit. Am 25 April 1938 wurde sie endgültig fristlos entlassen. Sie konnte noch bis Ende September 1938 eine Privatpraxis als Fachärztin aufrechterhalten, bevor ihr auch diese Möglichkeit eines Einkommens genommen wurde. Dank eines Visas und eines „affidavit of support“, das ihr durch eine frühere Kollegin an der Universitätsklinik vermittelt wurde, konnte sie am 8. November 1938 Wien verlassen.
Sie war jedoch nicht die einzige in ihrer Familie die emigrieren musste. Sowohl ihr Vater, als auch ihre Tante waren, vor allem aus politischen Gründen heraus gezwungen, Wien bereits 1934 zu verlassen.
Ihr Vater Martin Pappenheim, der Mitglied der sozialdemokratischen Partei war, unternahm 1933 eine Vortragsreise nach Palästina. Als er 1934 nach Wien zurückkehren wollte, waren bereits führende Sozialdemokraten im Zuge der Ereignisse im Februar 1934 verhaftet worden. Ihr Vater suchte daraufhin um seine Pension an und blieb in Palästina. (PAPPENHEIM, Hölderlin, Feuchtersleben, Freud, 47.) Else Pappenheim traf ihren Vater in Palästina nachdem sie 1938 Wien verlassen hatte. Nach einigen Wochen brach sie in Richtung USA auf.
Ihre Tante Marie Frischauf-Pappenheim, die seit 1919 Mitglied der KPÖ war und sich in der Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung engagierte, wurde 1934 kurzzeitig verhaftet. Sie emigrierte daraufhin nach Paris und ging anschließend nach Mexiko. 1947 kehrte sie nach Wien zurück. (Martina GAMPER, „Die Aerztin gehört für die Frau.“ Niedergelassene Ärztinnen und Ärztinnen im Sozialwesen in Wien 1900-1938 (Wien 2001), 113.)
Die Mutter Else Pappenheims, Edith Goldschmidt, die seit 1919 von Martin Pappenheim geschieden war, konnte leider nicht emigrieren. Sie reiste daher 1938 zu ihrer Schwester nach Bonn. Else Pappenheim bemühte sich in der Zwischenzeit die Emigration ihrer Mutter in die USA zu organisieren, was jedoch nicht gelang. 1942 beging Edith Goldschmidt zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Schwager angesichts der Ausweglosigkeit ihrer Lage Selbstmord.
Von 1938 bis 1940 arbeitete Else Pappenheim als Forschungsassistentin für Psychiatrie an der Phipps-Klinik der John Hopkins Universität in Baltimore. 1941 zog sie nach New York und beendete hier zwei Jahre später ihre Lehranalyse. 1946 heiratete sie den Elektroingenieur Stephen Frishauf, bekam zwei Kinder und eröffnete eine psychoanalytische Privatpraxis in New York. Sie lehrte und arbeitete bis 1986 als Neurologin und Psychiaterin an verschiedenen Universitäten und Krankenhäusern und lebt heute noch in New York.
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