Michael Eisler von Terramare

Wien –Theresienstadt – Wien
Michael Eisler von Terramare wurde am 20. Jänner 1877 in Wien geboren. Er besuchte das Schottengymnasium in Wien und nach seiner am 26. Juni 1901 erfolgten Promotion an der Universität Wien, ging er an das Pathologisch-anatomische Institut unter Anton Weichselbaum. In dieser Zeit entstanden fünf gemeinsame Arbeiten mit dem späteren Nobelpreisträger Karl Landsteiner. Die zwei Forscher befassten sich darin mit Hämaglutininsysteme. (H. EIBL, Die Entwicklung der Immunologie in der Donaumonarchie und der Ersten Weltkrieg. In: www. oegai.org. Siehe auch: Josef TEICHMANN, Bundestaatliches Serotherapeutisches Institut (Wien 1954). Paul SPEISER, Ferdinand G. SMEKAL, Karl Landesteiner, The discoverer of the blood-groups and a pioneer in the field of immunology. Biography of a Nobel Prize winner of the Vienna Medical School (Wien 1975), 129.) 1904 begann er seine Tätigkeit am Staatlichen-Serotherapeutischen Institut. Dort arbeitete Eisler von Terramare unter anderem zu den Formoltoxide. 1910 habilitierte er sich für allgemeine und experimentelle Pathologie, im Jänner 1917 wurde ihm der Titel a.o. Prof und 1922 der eines o.Prof. verliehen. (Vgl. Universitätsarchiv Wien (UAW), Medizinische Fakultät, Personalakt Michael Eisler von Terramare.)
Nach dem „Anschluß“ wurde das Staatlich-Serotherapeutische Institut arisiert und gehörte letztendlich den Farbwerke Hoechst/Behringwerke. Eisler von Terramare musste wie viele andere Mitarbeiter seine Tätigkeit für dieses Institut beenden. (EIBL, Entwicklung der Immunologie (Anm. 1).)
Die Ereignisse im März 1938 hatten aber auch Auswirkungen auf seine universitäre Laufbahn. Er wurde, basierend auf der Verordnung zur Neuordnung des Berufsbeamtentums mit Ende April 1939 in den Ruhestand versetzt. Er wurde somit, im Vergleich zu anderen Kolleginnen und Kollegen, erst relativ spät pensioniert.
Die nächsten Jahre seines Lebens sind vom geschichtswissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen noch „schwarze Löcher“, und es konnte bisher noch nicht nachvollzogen werden, was er in der Zeit zwischen April 1939 und August 1944 tat. Es ist nicht klar, ob er sich in Wien aufhielt und unter welchen Bedingungen er diese Jahre verbrachte. Ein Vermerk Eislers von Terramare im Personalstandesblatt 1946 kann vielleicht eine Ahnung vermitteln, wie es ihm in diesen Jahren ergangen ist. Er schreibt darin unter Anmerkung: “Die gewünschten näheren Daten kann ich leider nicht anführen, da die betreffenden Dokumente von den Nazis bei Plünderung meiner Wohnung vernichtet wurden.“ (Personalstandesblatt 14.6.1946. In: UAW, Medizinische Fakultät, Personalakt Michael Eisler von Terramare.) Es gilt außerdem als gesichert, dass am 16. August 1944 von der Großen Schiffgasse, im 2. Wiener Gemeindebezirk, aus in das KZ Theresienstadt deportiert wurde. (Information von Mag. Lothar Hölbling, IKG Wien.) Es scheint angesichts seines Alters- er war zum Zeitpunkt der Deportation bereits 67 Jahre alt- ein Wunder gewesen zu sein, dass er die Schrecken des Konzentrationslagers überlebte.
Im Juli 1945 konnte er nach Wien zurückkehren. Bereits im November 1945 nahm er seine Tätigkeit am Bundesstaatlichen Serotherapeutischen Institut wieder auf, zu dessen wissenschaftlichen Leiter er von März 1946 bis März 1954 bestellt wurde.
In der Sitzung des Professorenkollegiums vom 21. November 1945 wurde außerdem beantragt Eisler von Terramare „im Sinne der Wiedergutmachung“ wieder in seine alte Stelle einzusetzen. (Brief vom 27.11.1945. In: UAW, Medizinische Fakultät, Personalakt Michael Eisler von Terramare.) Ab Februar 1946 lehrte und forschte er daher wieder an der Universität Wien. Ab 1948/49 wurde er zum Honorarprofessor ernannt. Da er als „Geschädigter“ galt und zwischen 1939 und 1945 nicht lehren konnte, wurde ihm gestattet bis zum 73. Lebensjahr zu unterrichten. Ab dem Studienjahr 1950/51 verzichtete er von sich aus, weiter an der Universität zu lehren. Er starb am 10. Februar 1970 in Wien.

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