Carla Zawisch-Ossenitz´

Carla Zawisch-Ossenitz wurde am 15. April 1888 in Znaim geboren und promovierte  1923 an der medizinischen Fakultät der Universität Wien. Bevor sie 1930 als Assistentin von Josef Schaffer am histologischen Institut der Universität Wien tätig wurde, arbeitete sie an der Wiener Kinderklinik als Demonstratorin und im Krankenhaus Rudolfstiftung als Sekundarärztin. Sie begann außerdem eine Ausbildung als Missionsärztin in Würzburg und forschte am histologischen Institut der Universität Innsbruck. Am 24. Jänner 1934 wurde ihr die Lehrbefugnis für Histologie  erteilt. (Zu den biographischen Daten vgl. Alois KERNBAUER, Carla Zawisch-Ossenitz. Eine biographische Skizze der ersten Professorin an der Karl-Franzens-Universität in Graz. In: Alois KERNBAUER, Karin SCHMIDLECHNER-LIENHART, Frauenstudium und Frauenkarrieren an der Universität Graz (Graz 1996) 265-270.)
Ihre politische Haltung war katholisch-konservativ und so war sie eine Gründerin der St.Lukas-Gilde, einer 1932 gegründeten katholischen Ärztevereinigung. 1936 war sie für die Vorbereitung eines internationalen Kongress katholischer Ärzte zum Thema „Eugenik und Sterilisation“ zuständig. Die Haltung der Kongressteilnehmerinnen und –teilnehmer  zu dieser Thematik war, dass eine positive Eugenik durchaus möglich wäre, eine negative Eugenik im Sinne von Sterilisation und Geburtenbeschränkung, abzulehnen sei. Auf Grund ihrer religiösen und politischen Einstellung gelang sie nach dem „Anschluß“ ins Visier der Nationalsozialisten. Am 23. März 1938 wurde sie nach einer Hausdurchsuchung verhaften. Es wurde ihr, neben ihrer Mitgliedschaft zur St.Lukas -Gilde, auch zum Vorwurf gemacht, dass sie sich vor Studierenden missbilligend zur NSDAP geäußert hatte.  Am 3. Mai 1938 wurde sie aus der Haft entlassen. In der Zwischenzeit wurde ihre Venia aus "besonderen Gründen des öffentlichen Wohles" aberkannt und ihr Dienstvertrag der bis Juni1938 gültig war, sollte nicht mehr verlängert werden. Am 10. Mai 1938 versuchte sie gegen diese Entscheidung beim Unterrichtsministerium zu protestieren. Sie zeigte sich sogar bereit das neue System anzuerkennen und es ihm Rahmen ihrer Tätigkeit als Universitätslehrerin zu unterstützen. (Sonia HORN, Gabrielle DORFFNER, „…Männliches Geschlecht ist für die Zulassung zur Habilitation nicht vorgesehen.“  Die ersten an der medizinischen Fakultät der Universität Wien habilitierten Frauen. In: Birgit BOLOGNESE LEUCHTENMÜLLER, Sonia HORN (Hg.), Töchter des Hippokrates. 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich (Wien 2000)  117-139, 126.)  Ein Schreiben des NS-Dozentbundes vom 16.Mai 1938 setzte ihrer wissenschaftlichen Karriere in Österreich jedoch ein vorläufiges Ende "Frau Dr. Zawisch war nicht nur Mitglied, sondern auch Gründerin der 'österr. Lukas-Gilde', einer Vereinigung, deren Gegnerschaft zur nationalsozialistischen Weltanschauung besonders ausgeprägt war. Es ist mit den Zielen des NS-Dozentenbundes, eine nationalsozialistische Hochschule zu schaffen, unvereinbar, Dr. Zawisch mit der Heranbildung zukünftiger nationalsozialistischer Ärzte betrauen zu wollen." (Alois KERNBAUER,  Zawisch-Ossenitz Carla, Histologin. In: www.univie.ac.at/biographiA ) 
In der Folge floh sie nach Frankreich, konnte sich später  nach Spanien durchschlagen, um letztendlich 1943 in den USA zu landen. Sie war dort nicht nur wissenschaftlich tätig, sondern zusammen mit Ernst Peter Pick auch eine führende Protagonistin der Austrian University-League, in der sich um emigrierte österreichische Ärzte bemühte. 1946 kehrte sie nach Österreich zurück, übernahm 1947 die Leitung des Histologisch-Embryologischen Instituts der Universität Graz und wurde zur a.o.Professorin ernannt. 1956 erfolgte die Ernennung zur ordentlichen Professorin. Sie starb am 21.Juni 1961 in Graz.

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