Vaskuläre Malformationen

Anders als bei Hämangiomen und anderen endothelialen Tumoren handelt es sich bei vaskulären Malformationen um das Ergebnis von meist embryonalen Fehldifferenzierungen in der Entwicklung von Blut- und/oder Lymphgefäßen.

In der klinischen Herangehensweise werden vaskuläre Malformationen zunächst nach rheologischem Verhalten in langsam und rasch durchströmte Typen unterteilt. Auf der nächsten Ebene findet dann eine Klassifizierung nach dem fehlgebildeten Gefäßtyp, in venöse, kapilläre oder lymphatische Malformationen (slow-flow) - wobei Mischformen durchaus häufig sind - beziehungsweise in unterschiedliche Formen rein arterieller oder arterio-venöser Fehlbildungen (fast-flow) statt.
Weitere morphologische Differenzierungen richten sich nach Lokalisation und Ausbreitungsform (umschrieben, diffus, multilokulär etc.) und sind in weiterer Folge für therapeutische Entscheidungen von Bedeutung.
Vaskuläre Malformationen liegen mitunter in komplexen Kombinationsformen vor und sind in Syndromen, meist unter dem Namen der Erstbeschreibers zusammengefasst. So haben Klippel und Trenaunay im Jahr 1900 eine langsam durchströmte, kapillär-lymphatico-venöse Malformation mit Riesenwuchs der unteren Extremität beschrieben welche als Klippel-Trenaunay Syndrom in den Sprachgebrauch eingewandert ist und nicht selten fälschlich für völlig unterschiedliche Veränderungen herangezogen wird. Ähnlich werden unter Sturge-Weber Syndrom, Parkes-Weber Syndrom und anderen Eponymen (s.o.) Entitiäten zusammengefasst, welche in prognostischer und therapeutischer Hinsicht zu unterscheiden sind.

Moderne Schnittbildverfahren erlauben neben einer hochauflösenden Ausbreitungsdiagnostik auch eine Beurteilung der Strömungsverhältnisse und sind für die weiteren therapeutischen Schritte unerlässlich geworden. Die Wahl der geeigneten Behandlung schöpft aus dem interdisziplinären Angebot an konservativer Therapie, welche neben Methoden der physikalischen Medizin auch medikamentös-hämostaseologische Ansätze umfasst, an chirurgischen und plastisch-chirurgischen Konzepten, dermatologischen-lasermedizinischen und interventionell-radiologischen Verfahren - in vielen Fällen kommen jedoch Kombinationsbehandlungen zum Einsatz.