Institut für Geschichte der Medizin

JOSEPHINUM , Währingerstrasse 25
A - 1090 Wien
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Bibliothek

Abteilungsbibliothek für Geschichte der Medizin inklusive Ethnomedizin, ZBMed-900

Die Bibliothek wurde aus der Lehrbibliothek weiterentwickelt, welche unter Kaiser Joseph II. für die Ausbildung der Militärärzte gegründet worden ist. Noch heute erhält die Bibliothek weitere Zuwächse durch Bestände, welche von den Kliniken und Instituten der medizinischen Fakultät der Universität Wien bzw. von den Krankenanstalten der Stadt Wien ausgeschieden werden. Zusätzlich sind im Laufe der Jahrzehnte auch zahlreiche private Ärztebibliotheken in den Besitz des Institutes eingegangen. Besonders erwähnenswert unter den Bestandserweiterungen sind die Bibliothek des Internisten Hermann Nothnagel, die Dauerleihgabe des Altbestandes der Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte in Wien (1976; ca. 30.000 Bände), der Nachlaß des indischen Arztes Om Parkasch (1988; ca. 8.000 Bände), die "Max & Margareta Wolf Memorial Library" (1996; ca. 2.000 Bände). Diese Bestände bilden den für das medizinhistorische Arbeiten unentbehrlichen Quellenapparat.

Die umfangreiche medizinhistorische Sekundärliteratur, welche alle Epochen, Länder und Fächer umfaßt, verdankt die Bibliothek Max Neuburger, dem Medizinhistoriker von internationalem Rang, der über ausgezeichnete internationale Kontakte verfügte. Seit Beginn des Jahrhunderts hat er alle notwendigen biographischen und bibliographischen Hilfsmittel und auch alle Standardwerke des Faches für die Bibliothek des Institutes angeschafft. Als er 1939 nach England emigrieren mußte, blieb seine große Spezialbibliothek und Separata-Sammlung in Wien zurück.

In den fünfziger Jahren kamen zu dieser noch ca. 40.000 Sonderdrucke aus der Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte hinzu, so daß das Institut derzeit über eine Sammlung von ca. 66.500 Separata verfügt.

In den sechziger Jahren erfolgte unter Erna Lesky eine umfassende Reorganisierung und Katalogisierung z.T. mit Mitteln aus einer Spende des Wellcome Trusts-London.

Die Bestände sind durch einen Autorenkatalog (ca. 140.000 Autorennachweise) und einen Schlagwortkatalog (ca. 145.000 inhaltliche Einträge) erschlossen, in denen auch wichtige medizinhistorische Zeitschriftenaufsätze nachweisbar sind. Weiters gibt es eine Reihe von Sonderkatalogen (u.a.: Josephina-Katalog; Katalog der Separata; Hauptkatalog der Gesellschaft der Ärzte, Verzeichnis der Ethnomedizinischen Literatur).

Die Neuzugänge der Bibliothek seit 1990 werden in einem EDV-Katalog (Bibliothekssigel: ZBMed-900) erfaßt und sind online recherchierbar. Eine Retrokatalogisierung der wertvollen historischen Bestände über EDV ist geplant.

Mit der Errichtung der neuen Abteilung für Ethnomedizin im Jahr 1993 begann auch der Erwerb der entsprechenden Literatur für dieses interdisziplinäre Fach, die in Österreich weitgehend singulär ist. Diese Literatur ist in der Bibliothek des ehemaligen Institutes für Pharmakognosie systematisch aufgestellt; die Bestände sind zur Gänze im Online-Katalog (Bibliothekssigel: ZBMed-910) nachweisbar.

In den siebziger Jahren wurde im Erdgeschoß ein Bücherspeicher (1.000 lfm Bücherregale) eingerichtet, 1997 wurde die ehemalige Hausmeisterwohnung ebenfalls als Magazin (400 lfm Bücherregale) adaptiert. Im selben Jahr wurde auch der Lesesaal der Bibliothek mit neuen Möbeln ausgestattet.

Durch das Universitäts-Organisationsgesetz (1975) fiel die Bibliothek in den Verwaltungsbereich der Universitätsbibliothek Wien. 1994 wurden die Agenden der Abteilungsbibliothek am Institut für Geschichte der Medizin der neu errichteten Zentralbibliothek für Medizin in Wien überantwortet, deren Bezeichnung im Jahr 2000 mit Inkrafttreten des neuen Universitätsorganisationsgesetzes (1993) und der damit verbundenen Überführung in eine neue Organistationsform in Österreichische Zentralbibliothek für Medizin geändert wurde.

Diese Abteilungsbibliothek, die einzige medizinhistorische Fachbibliothek Österreichs, stellt mit einem Gesamtbestand von ca. 95.000 Bänden ein medizinhistorisches Dokumentationszentrum von internationaler Reichweite dar. Die Bibliothek soll künftig als zentrale Archivbibliothek für ältere medizinische Literatur für ganz Österreich fungieren.

Seit 1998 ist die Abteilungsbibliothek auch im Internet präsent (http://ub.meduniwien.ac.at/content/303_startseite.php?ID_ort=9&ID_seite=349), wobei die entsprechenden Web Seiten in der Homepage der Österreichischen Zentralbibliothek für Medizin in Wien integriert sind.

Die komfortable Recherchemöglichkeit im Online-Katalog und in der Datenbank MEDLINE, in der auch medizinhistorisch bedeutende Zeitschriftenliteratur seit 1966 erfaßt ist, und das steigende Interesse an der Medizinhistorie und der Ethnomedizin führten zu einer erfreulichen Steigerung der Benutzerzahlen in der Bibliothek.

Literatur:
Klebel, Burkhard; Dunkl, Erika; Oswald, Gertrud: Bibliothek des Instituts für Geschichte der Medizin an der Universität Wien. In: Handbuch der Historischen Buchbestände in Österreich. Band 1: Wien, Teil 1. Hrsg. von der Österreichischen Nationalbibliothek. Hildesheim 1994. S. 209-218
Lesky, Erna: Bibliothek und Bildarchiv des Institutes für Geschichte der Medizin der Universität Wien. In: Daten, Dienste, Dokumente. Wissenschaftliches Dokumentations- und Informationswesen in Österreich. Zielsetzungen, Beispiele. Hrsg. vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Wien 1978. S. 229-231
Lesky, Erna: Das Wiener Institut für Geschichte der Medizin im Josephinum. Wien, 2. Aufl. 1979 [Zur Bibliothek S. 5-10, Abb. 1, 4]
Münster, Hilda: Die Bibliothek des Institutes für Geschichte der Medizin. In: Biblos 13 (1964) Heft 4, S. 226-229


 
Helmut Leitner und Bruno Bauer

Anmerkung: Die im Text verwendete Bezeichnung "Zentralbibliothek"
ist nicht mehr aktuell, seit 2004 heisst es
"Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien´"
Link zur Universitätsbibliothek
der Medizinischen Universität Wien


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