Medizinische Universität Wien
Institut für Geschichte der Medizin

JOSEPHINUM , Währingerstrasse 25
A - 1090 Wien

Ernst von Fleischl-Marxow 1846-1891

 
Die folgende Biographie wurde von Dr. Helmut Gröger zusammengestellt:
 

Ernst Fleischl-Marxow hatte schon während seiner Studienzeit an der Universität Wien im Labor des Physiologen Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1892) mikroskopisch experimentelle Studien betrieben und darüber publiziert. Er wandte sich dann der pathologisch-anatomischen Forschung zu und war mit Abschluß seines Studiums (1870) bereits Assistent des Pathologen Karl von Rokitansky (1804-1878).
Bedingt durch Infektion an der Leiche mit nachhaltigen Folgen brach er die pathologisch-anatomische Forschung ab und wandte sich wieder der Physiologie zu. Nach einjährigem Studienaufenthalt in Leipzig bei dem Physiologen Carl Ludwig (1816-1895) wurde Fleischl-Marxow Assistent Brückes und konnte sich bereits 1874 habilitieren.
Fleischl-Marxow befaßte sich im besonderen mit der Nerven- und Muskelphysiologie. In seinen experimentellen Forschungen über die Erregbarkeit der Nerven entwickelte er eigene Apparate wie das Rheonom 1), um die Intensität des zur Reizung verwendeten Stromes variieren zu können und adaptierte das Kapillarelektrometer für physiologische Meßzwecke. Besonders hervorzuheben ist seine 1883 gemachte Entdeckung, daß sich nach Reizung verschiedener Sinnesorgane meßbare ströme von der Gehirnoberfläche ableiten lassen. Er hat damit unabhängig von Richard Caton (1842-1926) und Adolf Beck (1863-1942) eine wesentliche Voraussetzung des Elektroenzephalogramms erbracht.
Fleischl-Marxow betrieb ebenso Untersuchungen auf dem Gebiet der physiologischen Optik, z.B. über die Verteilung der Sehnervenfasern über die Zapfen der menschlichen Netzhaut oder die optische Eigenschaft der Cornea. Weiters konstruierte er optische Meßgeräte, wie das Spektro-Polarimeter und insbesondere das Hämatometer zur Bestimmung des Hämoglobingehaltes im Blut, das weite Verbreitung fand.
Seit 1880 a.o.Prof. und ab 1887 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften gehörte Fleischl-Marxow zu den hervorragenden Physiologen seiner Zeit. Am 22. Oktober 1891 erlag er den Spätfolgen seiner Infektion.

1): Sitzungsber. der k. Akad. d. Wiss., math. nat. Cl. LXXVI Bd, III Abth. 1877


 
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