Institut für Geschichte der Medizin

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Die Handschriftensammlung

Auch die Handschriftensammlung ist in ihrem Grundbestand dem Sammlerfleiß Max Neuburgers zu verdanken, der Diplome, Zertifikate, Rezepte, Briefe, ärztliche Gutachten, Curricula vitae, Manuskripte, Vorlesungsnachschriften, ärztliche Notizkalender wie zum Beispiel jenen, in den Johann Nepomuk Czermak seine laryngologischen Befunde eintrug, in dieser Kollektion vereinte. Hier findet sich auch Rokitanskys Manuskript seines Lehrbuches der pathologischen Anatomie und die mit handschriftlichen Notizen versehenen Korrekturbogen von Economos Werk "Die Cytoarchitektonik der Hirnrinde des erwachsenen Menschen" (Wien 1925). Hier findet sich weiters ein Dankbrief Sigmund Freuds an Wagner von Jauregg anläßlich seines 60. Geburtstages, Briefe von Billroth, von Albrecht von Graefe, Frans Cornelis Donders an den Wiener Okulisten Ferdinand von Arlt, ja sogar ein Brief Alexander von Humboldts ist in dieser Kollektion.

Eine umfangreiche Erweiterung erfuhr die Sammlung jedoch vor allem durch ärztliche Nachlässe, die zum Großteil bereits bearbeitet wurden. Nun verfügt die Handschriftensammlung unter vielen anderen über die Nachlässe von Heinrich Obersteiner, Julius Tandler, Wagner von Jauregg, Lorenz Böhler, Guido Holzknecht, Leopold Schrötter von Kristelli, Josef Sorgo und Anton Sattler. Die letzteren drei sind besonders dadurch interessant, daß Sorgo ein Schüler Schrötters und Sattler ein Schüler Sorgos war, woraus sich z.B. die Entwicklung der Tuberkulosebekämpfung über fast ein ganzes Jahrhundert ablesen läßt. Auch viele kleinere Konvolute aus Nachlässen oder Geschenken von Medizinern erweitern ständig die Sammlung.So ersteigerte etwa die Firma Merck Sharp & Dohme im Jahr 1989 aus Privatbesitz drei in französischer Sprache abgefaßte Briefe Gerard van Swietens aus den Jahren 1759 bis 1761 für die Medizinische Fakultät, die sie der Handschriftensammlung zur Aufbewahrung übergab. Die Briefe betreffen einerseits den experimental-physikalischen Unterricht für die Medizinstudenten und andererseits Standesfragen und finanziele Probleme der damaligen Ärzteschaft, somit zwei der Hauptanliegen von van Swietens Reformtätigkeit.

Eine Bereicherung in bezug auf die medizinische Zeitgeschichte erfuhr die Sammlung durch ein von Prof. Wyklicky initiiertes Projekt: Er schrieb nämlich in den 80er Jahren an die Fakultätsmitglieder aller österreichischen medizinischen Fakultäten und forderte sie auf, dem Institut selbst verfaßte Curricula vitae, Werksverzeichnisse und Photos (diese befinden sich im Bildarchiv) zur Verfügung zu stellen. Viele Professoren folgten diesem Ruf - sogar in den 90er Jahren kamen noch Zuschriften - und so steht dem Institut genügend Material für eine eventuelle Dokumentation über die österreichische Medizingeschichte im ausgehenden 20. Jahrhundert zur Verfügung. Besondere Erwähnung verdient wohl die der Handschriftensammlung von der Gesellschaft der Ärzte in Wien zur Verfügung gestellte Autographensammlung Theodor Billroths. Diese von Billroth selbst zusammengestellte und von ihm mit Anmerkungen versehene Sammlung besteht aus über 300 Briefen von 170 verschiedenen Briefschreibern, hauptsächlich berühmte Kollegen aus dem deutschsprachigen, aber auch angelsächsischen Raum, ja sogar Briefe von Kronprinz Rudolf und Herzog-Dr. Carl Theodor in Bayern finden sich darunter.

Manfred Skopec


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