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Das JosephinumDie Geschichte des historischen Gebäudes |
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Das Institut für Geschichte der Medizin der Universität Wien hat seit 1920 seine Heimstatt im Gebäude der zwischen 1785 und 1874 bestandenen Ausbildungsstätte für Militärärzte, der medizinisch-chirurgischen Josephs-Akademie, dem "Josephinum". Sein kaiserlicher Stifter beabsichtigte dort nach dem Vorbild der Académie Royale de Chirurgie in Paris, die bis dahin nur zunftmäßige Ausbildung der Militärchirurgen auf ein ebenbürtiges akademisches Niveau zu heben wie dasjenige der an der Universität Wien ausgebildeten Mediziner. Überhaupt war sein Ziel die Überwindung der Trennung zwischen Medizinern und Chirurgen und die Schaffung eines einzigen und einheiltlichen ärztlichen Standes, welcher als Graduierung das Doktorat der gesamten Heilkunde erhalten sollte. Gleichzeitig sollte das Josephinum nach dem Muster einer Gelehrtenakademie auch wissenschaftliche Forschungstätigkeit auf dem Gebiete der Chirurgie entfalten. |
Kaiser Joseph II, Stifter der Medizinisch-chirurgischen Josephs-Akademie |
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In nur zweijähriger Bauzeit erfolgte die Errichtung des schloßartigen Lehrgebäudes durch den Architekten Isidore Canevale als eines der wenigen klassizistischen Baudenkmäler Wiens, dessen Kosten von rund einer Million Gulden aus der kaiserlichen Privatschatulle bezahlt wurden. |
| Von der einst großartigen künstlerischen Ausgestaltung des Josephinums ist heute freilich nahezu nichts mehr im Originalzustand erhalten. Dies gilt besonders für den Hörsaal mit Portraitfresken der bedeutendsten Chirurgen und bemalter Decke, welcher nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges völlig umgestaltet wurde. |
Der Hörsaal im Jahre 1785 |
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Gleiches betrifft auch den ursprünglich kunstvoll gestalteten Lesesaal, dessen rund 10.000 Bände alle bedeutenden medizinischen und naturwissenschaftlichen Werke seit dem Beginne der Buchdruckerkunst aufwiesen. Diese bilden allerdings noch immer den wertvollsten Kern der heutigen Bibliothek des Instituts. Der Verbleib der früher zum Anschauungsunterricht für die militärärztlichen Zöglinge im Josephinum vorhandenen Lehrsammlungen - einem naturhistorischen Kabinett mit Mineralien, Pflanzen und Tieren, einem physikalischen Kabinett, einer Kollektion von chirurgischen Instrumenten sowie Bandagen, Arzneimitteln und pathologisch-anatomischen Präparaten konnte bis heute nicht rekonstruiert werden. Gabriela Schmidt |
 
Die Lehrkanzel für Geschichte der Medizin von 1833 bis 1917 unter den Vorständen Seligmann, Puschmann und Neuburger |
Heinrich Ludwig Attenhofer |
Die kaiserliche Bewilligung, Vorlesungen aus Geschichte der Medizin abzuhalten, war erstmals im Oktober 1808 an den Schweizer Heinrich Ludwig Attenhofer ergangen, der die Stadt jedoch einige Tage vorher Richtung St. Petersburg verliess. Ab 1809 las dann Joseph Eyerel, ein Schüler Maximilian Stolls, erstmals tatsächlich über dieses Fach. Ihm folgte 1811 Andreas Wawruch (1782-1842) als Dozent für medizinische Literaturgeschichte. |
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Schon als Gymnasiast hatter er begonnen arabisch, persisch und türkisch zu lernen und sich schliesslich mit seiner Dissertation auch als Orientalist präsentiert,
mit der ersten Übersetzung des aus dem 10. Jhdt. (= 4.Jhdt. Anno Hegirae), stammenden, islamisch - medizinischen Traktates des
Abu Mansur Muwaffaq al-Harawi "kitab al-abniyyat an haq´iq al-adwiyyat" (arabischer Titel, persischer Text) ins Lateinische, Liber fundamentorum
pharmacologiae, Wien 1830,1833 und 1859. Auch Seligmanns
Vater Isaak und seine zwei Brüder, Franz und Leopold waren Ärzte gewesen. Er selbst war praktischer Arzt und ruht in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Döblinger
Friedhof (gestorben am 15. September 1892).
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| Der zweite Lehrstuhl-Inhaber war Theodor Puschmann (1844-1899), der 1879 die Nachfolge Seligmanns antrat. Er hatte eine psychiatrische Ausbildung, wirkte als praktischer Arzt und zeichnete sich ebenfalls durch Übersetzungen aus der mittelaterlichen (byzantinischen) Medizin aus (Übersetzungen des Philumenos aus dem 1., des Philagrios aus dem 4.Jhdt., durch eine bis dahin ungedruckte Abhandlung Alexanders von Tralles), sowie durch Arbeiten zur Geschichte der Medizin in Wien aus. Letztere erschien zur 100-Jahrfeier des Wiener Allgemeinen Krankenhauses im Jahre 1884 und brachte auf mehr als 300 Seiten eine sorgfältige Dokumentation der Leistungen der Wiener Medizin von van Swieten bis Billroth. Er versuchte sich auch in einer Reisebeschreibung sowie als Novellist; ein medizin-historisches Handbuch war in Planung. Krankheitshalber musste Puschmann bereits 1899 sein Amt verlassen und starb noch im nämlichen Jahre. Sein der Domus Iosephina zugedachtes Vermächtnis von 500.000 Mark war zur Errichtung eines Institutes für Geschichte der Medizin in Wien gedacht, ging letztlich allerdings nach Leipzig und erlaubte dort die Gründung des Sudhoff´schen Institutes. |
Theodor Puschmann |
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Max Neuburger (1868-1955) übernahm nach Puschmanns Tode den Lehrstuhl, provisorisch zuerst (zusammen mit Robert von Töply), ab 1904 als tit. a.o. Professor, später Extraordinarius, schliesslich 1917 als Ordinarius. Neuburger war Neurologe. Er wurde Gründer des Institutes für Geschichte der Medizin und besass erstmalig auch ein Domizil. Das Gebäude der josephinischen Akademie sollte 1920 schliesslich als permanente Heimstätte folgen. Vierzig Jahre lagen zwischen seiner Habilitation 1898 und seiner Emigration 1938. Keiner seiner Vorgänger oder Nachfolger hat die Wiener Medizingeschichte vergleichbar stark geprägt wie er. Neuburger darf geradezu als die Personifikation der österreichischen Medizingeschichte gesehen werden, eine Perspektive, die durch die für einen Arzt erstaunlich grosse Zahl prestigeöser ausländischer Orden und Ehren, die ihm verliehen wurden, deutlich gemacht wurde. Im deutschen Sprachraum war er Pendant und Gegenpol zu Karl Sudhoff, eine Konstellation, die Henry Sigerist, sozusagen Schüler beider, in der 1943 zu Neuburgers 75. Geburtstage in London erschienenen Festschrift herausstellt. |
Max Neuburger |
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Nach 1945 hat der Chirurg Leopold Schönbauer, der 1944 eine ausgezeichnete Monographie über "Das medizinische Wien" vorlegen konnte, die Leitung
des Instituts provisorisch übernommen. 1947 gab er eine erweiterte Auflage seines historischen Werkes heraus, doch hat er auch 1944 die bedeutenden
Ärzte jüdischer Herkunft schon ausführlich genannt. Da sich der vielbeschäftigte Chirurg, der zudem auch der Direktor des Allgemeinen Krankenhauses war, sich selbstverständlich keine häufige Anwesenheit im Josephinum gönnen konnte, verwaltete das Haus die 1956 für Medizingeschichte habilitierte Dozentin Dr. Marlene Jantsch. Trotz der schweren Zeit verstand sie, Mitarbeiter an das Haus zu binden, mit denen sie fleißig publizierte. Helmut Wyklicky |
Leopold Schönbauer |
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. Erna Lesky |
| Am 3. Oktober 1960 betrat, bereits zum Leiter des Instituts ernannt, die auch 1956 habilitierte, mit dem Altphilologen Albin Lesky verheiratete Dozentin Erna Lesky das Haus. Bezeichnender Weise ging sie, bevor sie ihre Arbeitsräume aufsuchte, in den Lesesaal und begrüßte den genius loci im Sinne Neuburgers. Ihrer unerbittlichen Energie ist eine totale Sanierung des ganzen Hauses und eine völlige Neustrukturierung des Instituts zu danken. Bereits 1965 konnte sie zu ihrer 600-Jahrfeier die Universität in ein neu eingerichtetes Institut einladen und ihr dazu das Handbuch über "Die Wiener Medizinische Schule im 19. Jahrhundert" widmen. Über Auenbrugger, J.P.Frank, Rokitansky und Semmelweis konnte sie durch ihre Archivarbeiten das vorhandene Klischee vielfach korrigieren und das Wissen um diese Ärzte vermehren. |
Erna Lesky © |
| Die Aera Lesky darf nach der Aera Neuburger als zweite Hoch-Zeit in der Geschichte des Hauses betrachtet werden. Dennoch schied Lesky nicht eigentlich in Frieden. Sie ertrug den Gedanken an einen Nachfolger nicht, unbeschadet der Tatsache, dass in Helmut Wyklicky nicht nur ihr eigener Schüler, sondern auch der letzte Polyhistor der grossen Zeit der Wiener Medizin zur Verfügung stand. Sein Rückhalt in der Fakultät war aber auf Grund seines umfassenden Wissens, das ja gutteils auf persönlichen Erfahrungen beruhte und der auch seiner sanften Persönlichkeit zu danken ist, so gross, dass mit Helmut Wyklicky 1979 erstmals ein Professor ordinarius ab ovo bestellt wurde. Keinem seiner Vorgänger, auch nicht Frau Lesky, war dies beschieden gewesen. Wyklicky setzte die Tradition Frau Leskys in der Bearbeitung der medizinhistorischen Viennensia mit grossen Elan fort. Er gestaltete glanzvoll das 200-Jahr-Jubiläum des Josephinums 1985, das in einem grossformatigen Bild-Text-Band gebührend verewigt wurde. Auch nach seiner Emeritierung steht Wyklicky dem Hause in jeder Hinsicht zur Verfügung und sein jüngst erschienener Band über unveröffentlichte Briefe Billroths beweist seine ungebrochene Schaffensfreude. |
Helmut Wyklicky |
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Karl Holubar |
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Innerhalb der letzten Jahre wurde das Institut in drei Abteilungen diversifiziert: eine Abteilung für Geschichte der Medizin (Holubar), eine Abteilung für Medizinhistorisches Museum (Skopec) und eine solche für Ethnomedizin (Prinz). Letztere Subdiziplin existierte bisher nur ausserhalb des Sprachraumes. Ferner konnten drei wunderbare Vermächtnisse dem Hause gesichert werden. Einerseits die sehr wertvollen Bücher von (Dr.) Max und Margareta Wolf, früher Wien, nach 1938 New York, heute als "Max und Margareta Wolf Bibliothek für Geschichte der Dermatologie" permanent etabliert (durch K. Holubar); anderseits die von Prof. Dr. J Reuter, und seinem Sohn Dr. Reuter jun. als Dauerleihgabe gespendete, ebenfalls sehr wertvolle Sammlung endoskopischer Instrumente (durch M. Skopec). Letztere ist als "Nitze-Leiter Museum für Endoskopie" dem Hause inkorporiert. Als Vermächtnis an das Institut, (über die medizinische Fakultät), gehört jetzt auch die Bibliothek des ersten bedeutenden österreichischen Haemostaseologen, Prof. Dr. Erwin Deutsch, zu unseren Beständen. Eine Sammlung ethnomedizinischer Objekte sowie eine ethnomedizinische Bibliothek wird von Herrn A. Prinz eben komplettiert und wird in naher Zukunft eine zusätzliche Bereicherung des Institutes ausmachen. Als Prospekt für die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts darf eine noch weitergehende museale Dokumentation von medizinischen Fachgebieten erwartet werden, die durch neu allottierte Räumlichkeiten im Hause, die nach dem Auszug der Pharmakognosie frei wurden, möglich scheint. Die Reichhaltigkeit unserer Sammlungen würde besonders die Dermatologie, Orthopaedie, Ophthalmologie als Zielgebiete solcher Dokumentation ins Auge fassen. All dies wird von der Verfügbarkeit finanzieller Mittel abhängen, die für eine solche Präsentation eine Vorbedingung sind. Karl Holubar H5> |
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