Institut für Geschichte der Medizin

JOSEPHINUM , Währingerstrasse 25
A - 1090 Wien
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Instrumentensammlung
 


Der erste Direktor in diesem Haus - als es noch Medizinisch-chirurgische Militärakademie, war - Giovanni Alessandro Brambilla, zitiert in seinem Buch "Wienerische chirurgische Instrumenten-Sammlung" von 1780 den Leibarzt Maria-Theresias, Gerard van Swieten, der meinte, daß es drei Hauptklassen der Heilung gäbe: l. Speis und Trank, 2. die Arzneimittel und 3. die chirurgischen Instrumente. Er selber hielt sie für "... Waffen, welche eine lange, unermüdete philosophische Erfahrung nach und nach zur Vertilgung jener Übel entdeckt hat, die ohne Hilfe dieser Werkzeuge sehr oft würden äußerst gefährlich, ja wohl gar meistens tödlich sein."

Instrumente wurden im Institut für Geschichte der Medizin seit jeher gesammelt, Max Neuburger ist der Begründer des Institutes und auch Begründer der Instrumentensammlung. Es ist allerdings angezeigt, den Begriff "Instrument" nicht zu eng zu fassen und lieber von "Objektsammlung" zu sprechen, da etwa auch Gegenstände wie Totenmasken, Rollstühle oder medizinische Präparate in der Sammlung integriert sind. Ein wenig Statistik: Wir besitzen zirka 3000 Einzelstücke, die alle in einer Kartei erschlossen und nach numerus currens geordnet sind; die Karteikarten sind nach einem adäquaten Schema angelegt und umfassen die notwendigsten Daten zum Gegenstand einschließlich Literaturangaben. In unserer Bibliothek sind zahlreiche Kataloge von Instrumenten bzw. von Instrumentenherstellern vorhanden; wir besitzen einzelne in der Praxis verwendete Kataloge mit schriftlichen Eintragungen der Händler, was bei der Aufarbeitung eine reizvolle Ergänzung darstellt. Weiters gibt es selbstverständlich in unserer Bibliothek die allgemeine Literatur über Instrumente.       


Unsere Wiener Sammlung umfaßt hauptsächlich Instrumente aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert, ältere Objekte sind eher selten.

Eine sogenannte zweiröhrige Brustspritze (18. Jh.)
Sie wurde zum Ausziehen von Blut und Eiter aus Leibeshöhlungen verwendet.

Durch die Verlegung des Institutes in das Gebäude des Josephinums im Jahre 1920 gelangten wir in den Besitz der noch fast vollständigen Josephinischen Instrumentensammlung, jener berühmten Sammlung, der Brambilla den oben genannten Instrumentenkatalog gewidmet hat. Die Sammlung in roten Lederkassetten, ausgelegt mit grünem Samt sollte der Bildung guter Wundärzte dienen, hier im Haus natürlich auch den Militärärzten. Brambilla erwähnt auch, daß die 1:1 Abbildung der Instrumente auf 65 Tafeln in seinem Katalog dazu dienen könnte, daß die "nicht in Städten" lebenden Ärzte und Künstler diese Instrumente nachbauen könnten. Aus der oben genannten Verlegung des Institutes ergibt sich auch die große Zahl wundärztlicher bzw. chirurgischer Instrumente in unserem Haus. Neben diesem "Hausbestand" geht der übrige Teil der Sammlung auf "Nachlässe" - wenn man so sagen darf - von Instituten, Kliniken und Privaten zurück; mit Ausnahme des Nitze-Leiter-Sortiments, angekauft 1957 unter Professor Leopold Schönbauer, wurden praktisch keine Käufe getätigt. Im Zuge der Umsiedlung vom alten ins neue Allgemeine Krankenhaus wurde das Projekt "Sicherung von musealen Gegenständen aus dem alten AKH" gestartet, das von Frau Dr. Gabriela Schmidt betreut wird; damit soll gleichsam auch die Übernahme alter Instrumente in unser Institut institutionalisiert werden.

Zwei frühe Geräte zur Pulsmessung.
 
Links: Sphygmograph zur Aufzeichnung von Pulswellen
Rechts: Pulskontrollor nach Gustav Gärtner

Besonders wertvolle Sammlungsteile stammen aus dem Bereich der Augenklinik und aus der Sammlertätigkeit von Professor Wolfgang Funder; unter diesen Instrumenten fanden sich auch ein frühes Exemplar des Helmholtz'schen Augenspiegels von 1851 und Wachsnachbildungen von Augenkrankheiten aus der Biedermeierzeit. An weiteren Instituten bzw. Kliniken seien genannt: Physiologie, Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Dermatologie. Aus der letztgenannten Klinik stammt eine große Anzahl von Haut-Moulagen aus der Hand von Carl Henning (und seinem Sohn). Zuletzt sei erwähnt, daß in unserer Sammlung praktisch alle Teilgebiete der Medizin vertreten sind, herausgehoben seien: Anatomie, Chirurgie, Geburtshilfe (besonders geburtshilfliche Zangen), Urologie, Interne Medizin, Röntgenologie, Zahnheilkunde usw.

Bevor ich auf besondere Einzelstücke eingehe, sei auch ein Negativum erwähnt: Gerüchteweise soll 1945 das Originalstethoskop von R. Th. H. Laennec verschollen sein und in den siebziger Jahren wurde bei einem Einbruch neben anderen Instrumenten auch eine aus Elfenbein gefertigte chinesische Diagnose-Figur entwendet; ich glaube, daß diese Problematik durch die neuen Sicherheitsvorkehrungen der Vergangenheit angehören sollte.

Rechts: Theodor Billroth in jüngeren Jahren
Links: Ein Mikroskop der Firma Ross in London; aus dem Besitz von Theodor Billroth

Nunmehr darf ich in freier Aufzählung einige wertvolle Stücke nennen: Wir besitzen die größte Sammlung von Mikroskopen von Simon Plössl, des neben Carl Zeiss um die Mitte des 19. Jahrhunderts bedeutendsten Herstellers dieses für die Medizin wohl wichtigsten Instrumentes, das Waschbecken aus jener Klinik, an der Ignaz Philipp Semmelweis arbeitete, den Tuberkulinbohrer von Clemens von Pirquet, das Rheonom von Fleischel von Marxow zur Untersuchung der Gesetze der Nervenerregung, eine kuriose und seltene Bettafel aus dem 18. Jahrhundert und das erste Dialyse-Gerät, das von Professor Bruno Watschinger entwickelt wurde.

Rheonom von Fleischl-Marxow: Mit dem von ihm konstruierten Gerät konnte Ernst von Fleischl-Marxow (1846-1891) grundlegende Erkenntnisse zur Erregung der peripheren Nerven gewinnen

Es ist einsichtig, daß fast jedes Instrument mit einem berühmten Namen in der Medizingeschichte verbunden ist, aber von besonderer Intimität ist es, wenn man etwa die persönlichen Stethoskope der Professoren Hermann Nothnagel, Karel Frederik Wenckebach und Edmund von Neusser vor sich sieht.

Von gleichsam welthistorischer Bedeutung auf dem Gebiet der Geschichte der Medizin sind der von Franz Joseph Gall eigenhändig beschriftete Schädel und der von Theodor Billroth unter dem Datum 29. Jänner 1881 operierte Magen zu nennen. In diese Reihe gehört auch der Blasensteinzertrümmerer von Jean Civiale und die Sammlung endoskopischer Geräte. Die im Institut vorhandenen ersten Zystoskope von Max Nitze und Joseph Leiter und späterhin von Leopold Dittel führen uns zur Übergabe der einschlägigen Kollektion von Professor Hans J. Reuter (Stuttgart) an unser Institut. Mit dieser großzügigen Tat entstand die wohl bedeutendste endoskopische Sammlung der Welt.

Karl Sablik

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