Institut für Geschichte der Medizin

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Josef Leiter 1830 - 1892

Biographie aus: Wiener Medizinische Wochenschrift 42, Spalte 641-642 (Wien: Moritz Perles 1892)

Josef Leiter. Am 21. März d. J. ist der Wiener Fabrikant chirurgischer Instrumente und Apparate, Josef Leiter, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, der goldenen Medaille der Kaiserin Augusta, vieler Medaillen und Ehrendiplome, nach längerem Leiden im 63. Lebensjahre verschieden. Er war ein selfmade man in des Wortes wahrster Bedeutung. Mit nur geringer Schulbildung kam er in die Lehre, absolvirte diese und trat dann seine Wanderschaft an. Er bereiste Deutschland, Frankreich, England und kam mit geläuterten Ansichten und einem Schatz an Wissen zurück. Er etablirte sich ursprünglich für Mechanik und erst später für das Fach eines Instrumentenfabrikanten und Bandagisten, auf welchem Gebiete er sich durch Fleiss, Geschicklichkeit und Erfindungstalent einen Weltruf erwarb. In Oesterreich und Deutschland, in Italien, Frankreich und England, in Schweden, Norwegen und Russland, in Griechenland und der Türkei, in den Donauländern, kurz in allen Welttheilen waren Leiter und seine Fabrikate rühmlichst bekannt. Jedes ärztliche Streben unterstützend, jedes neue Problem fördernd, war er stets bestrebt, im Sinne der Wissenschaft und im Interesse der leidenden Menschheit Neues zu schaffen. Jahrelang besuchte er Kliniken, lernte so die Bedürfnisse des Arztes aus eigener Anschauung kennen, um so aus der Fülle des Gesehenen das Richtige wählen zu können. Er hatte sich hiedurch ein gereiftes Urtheil angeeignet, die Termini technici des Arztes wurden ihm geläufig. So lernte er praktisch alle die Dinge, die ihm die Schule nicht geboten hatte. Wenn ein Arzt oder Mechaniker zu ihm kam und sagte, er habe dieses oder jenes Neue zu machen oder auszuführen, so pflegte Leiter erst zu fragen, wozu es gehöre. Es war nicht seine Sache, erhaltene Aufträge gedankenlos auszuführen, sondern er bestrebte sich, zunächst das Bedürfniss, den Zweck des zu verfertigenden Instrumentes oder Apparates festzustellen, dann hörte er zu, wie sich der Besteller die Sache vorstellte und dann erst begann er das Instrument nach seiner Manier auszuführen, so gut er es als vorzüglicher Mechaniker und Techniker thun konnte. Manchmal fiel es ganz anders aus, als der Besteller es wollte; nicht zu sagen, dass es unpraktisch gewesen wäre, im Gegentheil richtig, zweckmässig, tauglich und praktisch .... nur dass es nicht des Bestellers, sondern Leiter's geistiges Eigenthum war. Typische Instrumente, welche lange Zeit nach einem Modelle gearbeitet wurden, hat er gänzlich umgestaltet. Sie kamen auf den Kliniken in Gebrauch und heute weiss Niemand mehr, was L e i t e r's Verdienst daran bildet, um so mehr als L e i t e r's Ideen und Fabrikate bald Nachahmung fanden. Er selbst war ängstlich besorgt, ja nichts Fremdes zu kopiren. Gab es keinen Ausweg, so benannte er den ganzen Apparat nach dem ursprünglichen Erfinder, wenn er selbst auch viel Neues daran gemacht hatte. Leiter verschloss sich nicht einer zutreffenden Kritik und wohlwollenden Belehrung. So konstruirte er beispielsweise vor längerer Zeit einen galvanokaustischen Apparat, welcher den Zweck haben sollte, gerade nur Ein Haar oder Einen Punkt einzustellen und zu kauterisiren ; die Abbildung dieses Apparates erschien im Leite r'schen Kataloge; der Apparat fand nicht den Beifall der Fachmänner und wurde von seinem Verfertiger schon in der folgenden Autlage des Kataloges eliminirt. Wollte man L e i t e r's Arbeiten erschöpfend würdigen, so müsste man alle seine Kataloge durchgehen, denn Leiter hat in jedem derselben den wechselnden Strömungen und Bedürfnissen der Zeit und dem jeweiligen Stande der Wissenschaft vollauf Rechnung getragen. Viele Mühe, Auslagen, Verlust an Zeit und Geld erwuchsen ihm aus seinen im Vereine mit N i t z e unternommenen Versuchen, ohne dass es ihm gelungen wäre, ein Resultat zu erreichen und ohne auch nur eine Anerkennung für seine durch 8 Monate fortgesetzte Arbeit zu finden. Die einschlägige Monographie hat er der Wiener Universität, an der er seine praktischen Kenntnisse sich geholt und für die er gearbeitet, gewidmet. Neuerlich hat er im Auftrage Dittel´s die endoskopischen Instrumente in einfachster Form hergestellt und sie für jede Höhle und für jeden Gebrauch gefertigt. Von besonderer Geschicklichkeit war er in der Anfertigung von Bandagen aller und jeder Art, in Filzmiedern, kurz in Allem und Jedem, was mit seinem Berufe zusammenhing. Ein wahrhaftes Geschenk hat er der leidenden Menschheit, sowie den Aerzten mit seinen Wärmeregulatoren gemacht. Man müsste ein Buch schreiben, wollte man würdigen, was Leiter auf dem Gebiete der Instrumentenfabrikation und des Bandagenwesens geleistet hat, und darum verdient er eine bleibende warme Erinnerung in den Kreisen der Aerzte.


 
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