Institut für Geschichte der Medizin

JOSEPHINUM , Währingerstrasse 25
A - 1090 Wien
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Erna Lesky   1911 - 1986  

 
Foto: Fayer & Co, Photoatelier, 1010 Wien, Opernring 6
Biographie aus: Wiener klinische Wochenschrift 99,1 (Wien Springer-Verlag 1987)

Am 17. November 1986 starb in Innsbruck Frau Prof. Dr. med. et phil. Dr. med. h.c. Erna Lesky, die das medizinhistorische Institut der Universität Wien neu gestaltete, das altehrwürdige Gebäude der Medizinisch-chirurgischen Josephsakademie renovieren ließ und durch ihr wissenschaftliches Werk ihrem Fache an der Wiener Schule wieder Weltgeltung verliehen hat. Vor einem halben Jahr brachte diese Zeitschrift anläßlich Erna Leskys 75. Geburtstages eine ausführliche Würdigung ihres Werkes, sodaß es gestattet sei, jetzt vorwiegend auf ihr persönliches Wirken in ihrem Institut hinzuweisen. Nach ihrer im Dezember 1936 in Wien erfolgten Promotion blieb sie, ursprünglich der Kinderheilkunde zugewandt, zeitlebens der ärztlichen Praxis innerlich verbunden. Sie freute sich, als sie sich längst ausschließlich der Geschichte der Medizin gewidmet hatte, über jeden Brief eines ehemaligen Patienten, der einst ihrer Hilfe viel verdankte. Nach ihrer Verheiratung mit dem damaligen Innsbrucker Ordinarius für klassische Philologie Albin Lesky wandte sie sich bald ausschließlich der Geschichte der Medizin zu. Seit 1949 lebte sie in Wien, 1956 erwarb sie hier den Grad eines Dr. phil. und wurde 1957 an der medizinischen Fakultät der Universität Wien für Geschichte der Medizin habilitiert.
 
Mit der ihr eigenen Energie ging sie nach der Betrauung mit dem Lehrauftrag für ihr Fach im Oktober 1960 an die Neugestaltung des Instituts heran. Während sie es ermöglichte - kraft erst von ihr geschaffener Arbeitsplätze -, durch die Katalogisierung und Inventarisierung der Bibliothek, des Bildarchivs und der Handschriftensammlung das Material allen Interessenten aufzuschließen, richtete sie auch das Museum völlig neu ein. Zur gleichen Zeit, als sie die Räume des Josephinums nach ihrem Konzept umgestalten ließ, schrieb sie ihr Hauptwerk über "Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert" 1965 widmete sie es der Alma Mater Rudolphina anläßlich ihres 600jährigen Bestandes.
 
Wenn sie auch immer große Ansprüche an ihre Mitarbeiter stellte, so stellte sie stets härtere an sich selbst. Von dem Bewußtsein der Verantwortung getragen, die ihr die Verwaltung eines der kostbarsten Güter österreichischer Kultur auferlegte, kannte sie keine Schonung ihrer Person, und wenn sie sich eine kurze Erholung gönnte, dann nur, um in der Folge wieder mehr leisten zu können. Sie war glücklich in ihrem Beruf. Einmal bemerkte sie scherzhaft, wie merkwürdig es sei, daß sie vom Staat entlohnt würde, obwohl sie doch nur das tue, was ihr am meisten Freude bereite. Kein Gast, kein Schüler ging damals aus dem Josephinum hinaus, der nicht etwas von dem Feuer ihrer Begeisterung mitgenommen hätte.
 
Sie erarbeitete ihr Fach wissenschaftlich und gestaltete es künstlerisch. Untersuchungen über Auenbrugger, Frank, Gall, Rokitansky, Semmelweis, den sie ganz besonders verehrte, über Billroth, Pirquet und eine Reihe anderer Ahnen der Wiener Medizin gingen aus ihrer Feder hervor. Wiederholt konnte sie durch ihre Archivforschungen ein altes Klischee berichtigen oder für neue Arbeiten grundlegende Anregungen geben.
 
Die schweren Erkrankungen Albin Leskys und eine eigene Gesundheitsstörung veranlaßten sie, um eine vorzeitige Emeritierung anzusuchen; danach übersiedelte sie nach Innsbruck. Am 3. März 1979 verließ sie die Stätte ihres Wirkens für immer. Ihre Trennung vom Josephinum wird allen ihren Mitarbeitern unvergeßlich bleiben. In der Folgezeit arbeitete sie weiter, gab noch ihr instruktives Bildwerk über die "Meilensteine der Wiener Medizin" heraus und konnte bei einem kurzen Besuch in Wien anläßlich der Feier des 200jährigen Bestandes des Gebäudes der Josephsakademie dem Herrn Bundespräsidenten ihr Aufbauwerk persönlich zeigen. Den vielen internationalen Ehrungen (sie war unter anderem Senator der ältesten deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina) sollten sich noch zwei an der Universität Wien anschließen, die sie freilich nicht mehr erlebte. Wissenschaftliche Anerkennung zollten ihr alle, aufrichtige Verehrung diejenigen, die sie kannten.

Helmut Wyklicky

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