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Als ein philosophischer Wegbereiter der topischen Diagnostik der Hirnkrankheiten erscheint uns heute Joseph Gall. Ein Schädel eines Patienten des Irrenturmes mit der kalligraphisch beschriebenen Lokalisationsanatomie und -pathophysiologie erinnert in der vierten Vitrine an die dann vielfach verkleinerten Exemplare, die zu seiner Zeit bestaunt wurden. |
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Dem Anatom und Lehrer Josef Hyrtls, Josef Berres, ist die fünfte Vitrine gewidmet mit einem gedruckten Exemplar seines Werkes, das als Vorläufer unserer Histologie berühmt wurde: Zellen sind abgebildet, ohne daß jemand ahnte, welche Bedeutung diese ein paar Jahrzehnte später durch Theodor Schwann und Rudolf Virchow bekommen würden. Die Constitutio Criminalis Maria Theresias ist aufgeschlagen, daneben ein Bild des Philosophen Sonnenfels, der die Tortur dann abzuschaffen vorschlug. Dem Josephinum selbst ist die sechste Vitrine gewidmet, worüber ein Bild eines Nachfolgers von Brambilla hängt, Anton von Beinl-Bienenburg. Das Bild von der Stiftung des Hauses (aus dem Laxenburger Schloß) zeigt Kaiser Joseph II., seinen Protochirurgen Brambilla und den Baumeister Isidor Canevale. Eine originale Unterschrift des Kaisers schließt die Vitrine ab. Die siebente und letzte Wandvitrine ist bereits einem "Spezialfach" der Medizin gewidmet, der 1812 gegründeten Klinik für Ophthalmologie. |
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Rechts: Joseph Skoda (1805-1881) |
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Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, daß in Wien die pathologische Anatomie durch Carl von Rokitansky, die physikalische Diagnostik durch Joseph Skoda, die Dermatologie durch Ferdinand Hebra neu begründet wurden, daß Ignaz Philipp Semmelweis in Wien 1847 die Ursache des Wochenbettfiebers aufdeckte, hier 1881 Theodor Billroth die erste Magenresektion erfolgreich durchführte, Max Nitze sein Zystoskop und Johann Mikulicz-Radecki sein Ösophagoskop demonstrierten, Sigmund Freud die Methode der Psychoanalyse entwickelte und sein Freund Carl Koller die Kokainanästhesie einführte, epochale Großtaten, denen sich am Beginn des 20.Jahrhunderts die Entdeckung der Blutgruppen durch Karl Landsteiner, die Einführung der Malaria-Therapie der progressiven Paralyse durch Wagner-Jauregg und die Entwicklung der Logopädie durch Emil Fröschels würdig anreihen. |
![]() Obduktionspräparat einer von Billroth 1881 ausgeführten Pylorusresektion |
All dieses kann man in den Vitrinen des Wenckebach-Saales mit Dokumenten, Bildern, Instrumenten und Präparaten reich illustriert finden, darunter auch das Operations- und Obduktionspräparat der Magenresektion, die Billroth am 29.Jänner 1881 durchführte. |
![]() in jüngeren Jahren |
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Hier kann man auch das Sphygmomanometer sehen, mit dem Gustav Gärtner den Blutdruck maß, das Opthalmoskop,das Eduard Jaeger benützte, und den Tuberkulin-Bohrer, den Clemens von Pirquet gebrauchte, neben einer Reihe von Stethoskopen der großen Wiener Internisten von Skoda bis Wenckebach. Helmut Wyklicky (nach Erna Lesky †) |
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