Institut für Geschichte der Medizin

JOSEPHINUM , Währingerstrasse 25
A - 1090 Wien
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Medizinhistorisches Museum
Die Wiener Medizinische Schule

Öffnungszeiten: Montag-Freitag (werktags) 9 bis 15 Uhr und jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 14 Uhr
Eintritt 2 €     Lehrer, Schüler, Zivil- und Präsenzdiener 1 €     Kinder bis 6 Jahre freier Eintritt

Der erste Wiener Saal, gewidmet dem großzügigen Spender Wellcome Trust, betrifft nur das 18. Jahrhundert. Van Swieten und seinen Mitschüler bei Boerhaave, Anton de Haën, führt uns die erste Vitrine vor, die zweite bereits den großen Revolutionär der klinischen Medizin Leopold Auenbrugger, mit den Schicksalen seiner "Neuen Erfindung", der Perkussion. Dem Amtsnachfolger Van Swietens, Anton von Störck, ist die dritte Vitrine gewidmet, der neben dem Protomedikat aus eigenem Antrieb Tierversuche über die Wirkung von Pflanzenextrakten anstellte, also als Vorläufer der experimentellen Pharmakologie angesehen werden könnte. Das Portrait Valentin von Hildenbrands erinnert an den treuen Nachfolger von Maximilian Stoll und Anton de Haën.

Leopold Auenbrugger
(1722-1809)

Als ein philosophischer Wegbereiter der topischen Diagnostik der Hirnkrankheiten erscheint uns heute Joseph Gall. Ein Schädel eines Patienten des Irrenturmes mit der kalligraphisch beschriebenen Lokalisationsanatomie und -pathophysiologie erinnert in der vierten Vitrine an die dann vielfach verkleinerten Exemplare, die zu seiner Zeit bestaunt wurden.


Dem Anatom und Lehrer Josef Hyrtls, Josef Berres, ist die fünfte Vitrine gewidmet mit einem gedruckten Exemplar seines Werkes, das als Vorläufer unserer Histologie berühmt wurde: Zellen sind abgebildet, ohne daß jemand ahnte, welche Bedeutung diese ein paar Jahrzehnte später durch Theodor Schwann und Rudolf Virchow bekommen würden. Die Constitutio Criminalis Maria Theresias ist aufgeschlagen, daneben ein Bild des Philosophen Sonnenfels, der die Tortur dann abzuschaffen vorschlug. Dem Josephinum selbst ist die sechste Vitrine gewidmet, worüber ein Bild eines Nachfolgers von Brambilla hängt, Anton von Beinl-Bienenburg. Das Bild von der Stiftung des Hauses (aus dem Laxenburger Schloß) zeigt Kaiser Joseph II., seinen Protochirurgen Brambilla und den Baumeister Isidor Canevale. Eine originale Unterschrift des Kaisers schließt die Vitrine ab. Die siebente und letzte Wandvitrine ist bereits einem "Spezialfach" der Medizin gewidmet, der 1812 gegründeten Klinik für Ophthalmologie.

Das erste Spezialfach aber war die Geburtshilfe; Joseph II. hat es inauguriert und 1789 mit Lucas Boër besetzt. Ihr ist die erste Tischvitrine gewidmet. Die Schilderung des Gebärhauses aus der "Nachricht an das Publicum" ist hier aufgeschlagen. Die Nachbarvitrine zeigt das Instrumentarium einer chirurgischen Offizin. In der dritten Vitrine sind Erinnerungen an die Einführung der Impfung vorgestellt und schließlich in der vierten Tischvitrine ein Exemplar der Rauchtabak-Klistier, der man reanimierende Kräfte bei Scheintoten zuschrieb, die aber auch bei Darmkrankheiten (Würmer) als Therapeuticum Verwendung gefunden hat.

Helmut Wyklicky

Der zweite Wiener Saal, der Wenckebach-Raum, ist zentral der Darstellung der Wiener medizinischen Schule des 19. und beginnenden 20.Jahrhunderts gewidmet. Dabei hat man versucht, allen Fächern der Medizin einigermaßen gerecht zu werden.

 
Links: Carl von Rokitansky (1804-1878)
Rechts: Joseph Skoda (1805-1881)

Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, daß in Wien die pathologische Anatomie durch Carl von Rokitansky, die physikalische Diagnostik durch Joseph Skoda, die Dermatologie durch Ferdinand Hebra neu begründet wurden, daß Ignaz Philipp Semmelweis in Wien 1847 die Ursache des Wochenbettfiebers aufdeckte, hier 1881 Theodor Billroth die erste Magenresektion erfolgreich durchführte, Max Nitze sein Zystoskop und Johann Mikulicz-Radecki sein Ösophagoskop demonstrierten, Sigmund Freud die Methode der Psychoanalyse entwickelte und sein Freund Carl Koller die Kokainanästhesie einführte, epochale Großtaten, denen sich am Beginn des 20.Jahrhunderts die Entdeckung der Blutgruppen durch Karl Landsteiner, die Einführung der Malaria-Therapie der progressiven Paralyse durch Wagner-Jauregg und die Entwicklung der Logopädie durch Emil Fröschels würdig anreihen.


 
Obduktionspräparat einer von
Billroth 1881 ausgeführten
Pylorusresektion

All dieses kann man in den Vitrinen des Wenckebach-Saales mit Dokumenten, Bildern, Instrumenten und Präparaten reich illustriert finden, darunter auch das Operations- und Obduktionspräparat der Magenresektion, die Billroth am 29.Jänner 1881 durchführte.

Theodor Billroth
in jüngeren Jahren

Hier kann man auch das Sphygmomanometer sehen, mit dem Gustav Gärtner den Blutdruck maß, das Opthalmoskop,das Eduard Jaeger benützte, und den Tuberkulin-Bohrer, den Clemens von Pirquet gebrauchte, neben einer Reihe von Stethoskopen der großen Wiener Internisten von Skoda bis Wenckebach.

Helmut Wyklicky (nach Erna Lesky †)


 

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