Institut für Geschichte der Medizin

JOSEPHINUM , Währingerstrasse 25
A - 1090 Wien
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Max Neuburger  1868 - 1955  

 
Nachruf aus "Die Feierliche Inauguration des Rektors der Wiener Universität für das Studienjahr 1955/56" , Wien 1956, S.44-45

Am 15. März 1955 starb in Wien der Nestor der österreichischen Medizingeschichte, der emeritierte ordentliche öffentliche Professor Dr. med. et phil. Max Neuburger. Max Neuburger wurde am 8. Dezember 1868 in Wien als Sohn eines weltaufgeschlossenen Kaufmannes geboren. Nach Absolvierung des Piaristengymnasiums begann er 1887 das Studium der Medizin, das er 1895 beendete. Nach der allgemeinen medizinischen Ausbildung gewann der Neurologe Moriz Benedikt als sein Lehrer in der Poliklinik nachhaltigen Einfluß auf seine Entwicklung. Frühzeitig wandte sich Neuburger der Medizingeschichte zu: als er später die praktische Medizin völlig beiseite stellte, um sich ganz der Medizingeschichte, in die ihn Theodor Puschmann eingeführt hatte, widmen zu können, bevorzugte er neurologische Themen, so bei seiner glänzenden Habilitationsschrift: ..Die historische Entwicklung der experimentellen Gehirn- und Rückenmarksphysiologie vor Flourens (1898). 1904 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt, 1912 erhielt er den Titel eines ordentlichen Professors, 1917 wurde er Ordinarius. 1934 in den Ruhestand versetzt, arbeitete er weiter im Institut, bis er - kurz vor Kriegsbeginn - im August 1939 Wien verlassen mußte: er fand im Wellcome Historical Medical Museum einen neuen Wirkungskreis, den er 1948 aufgab, um in Buffalo mit seiner Familie zusammen sein zu können. 1952 trieb ihn das Heimweh nach Wien zurück. Ein Schenkelhalsbruch, den er sich im Herbst desselben Jahres zuzog, verhinderte, daß er noch einmal, wie er es sich so sehr gewünscht hatte, in dem von ihm geschaffenen Institut im Josephinum seine Arbeit aufnehmen konnte. Von seinem Schreibtisch aus verfolgte er jedoch das geistige Leben der Stadt mit großer Anteilnahme. Nachdem eine Pneumonie schon überwunden schien, setzte ein Hirnödem meinem Leben ein Ende.
 
In seiner programmatischen Antrittsvorlesung bei Übernahme der Lehrkanzel als Nachfolger Puschmanns (1904), "Die Geschichte der Medizin als akademischer Lehrgegenstand", zeigte er die Richtlinien dessen, was sein Lebenswerk werden sollte. Seinem unermüdlichen Arbeitseifer, seiner immensen Schaffenskraft gelang es die Geschichte der Medizin für seine Hörer zu einer lebendigen Wissenschaft zu machen, sie aus einer toten Buchstabengelehrsamkeit herauszuheben. Ihm und seinen hervorragenden Schilderungen des "..alten medizinischen Wien", der "Wiener medizinischen Schule im Vormärz", der "Entwicklung der Medizin in Österreich" und schließlich der "British Medicine and the Vienna School" ist es zu einem nicht geringen Teil zu danken, wenn die Leistungen der Großen der Wiener medizinischen Schulen unvergessen sind. Durch den Aufbau eines Instituts, das heute in Europa nicht seinesgleichen hat, war eine weitere wesentliche Voraussetzung für einen fruchtbringenden Unterricht gegeben. Gemeinsam mit Pagel führte er das von Puschmann begründete dreibändige "Handbuch der Geschichte der Medizin" fort, seine unvollendet geblichene "Geschichte der Medizin" (l. Band 1906, 2. Band 1911) dokumentiert die souveräne Art Neuburgers, medikohistorische Fragen zu bearbeiten, mit sicherem Blick für das Wesentliche, für die großen Zusammenhänge. Das medizinische Wien hat mit Max Neuburger einen seiner Großen verloren.

 
Professor Dr. Leopold Schönbauer

 
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