Institut für Geschichte der Medizin

JOSEPHINUM , Währingerstrasse 25
A - 1090 Wien
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Schwerpunktsammlung für Endoskopie

1996 wurde das Endoskopie-Museum des Instituts für Geschichte der Medizin eröffnet. Zielsetzung dieses Museums ist es, die Geschichte der Endoskopie, "das in den Körper Schauen", zu dokumentieren. Anhand einer möglichst umfassenden Darstellung aller Bereiche der Endoskopie soll die technische Entwicklung mit Blick auf ihre Zukunft aufgezeigt werden.


Möglich wurde die Gründung dadurch, daß der Stuttgarter Urologe Professor Hans-Joachim Reuter den Großteil seiner seit 1984 in dem von ihm gemeinsam mit seinem Sohn Matthias, ebenfalls Urologe, gegründeten privaten Museum in Stuttgart ausgestellten Endoskopiesammlung 1995 dem Institut für Geschichte der Medizin als Dauerleihgabe überließ. Die Zusicherung, daß die Sammlung als geschlossener Bestand erhalten bleibt, ergänzt, wissenschaftlich weiter erschlossen und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, war für Prof. Reuter ein wesentliches Motiv seiner Entscheidung, diese nach Wien zu geben. Dazu kommt, daß das Wiener medizinhistorische Institut selbst über eine bedeutende Sammlung endoskopischer Instrumente verfügt.

Die beiden Sammlungen ergänzen einander in vielfacher Weise. So erwarb etwa der Pionier auf dem Gebiet der Endoskopie der Luftwege, Leopold Schrötter von Kristelli, im Jahr 1906 Patente für eine von ihm entwickelte "Vorrichtung zum Beleuchten von Körperhöhlen". Die Patenturkunden besitzt die Handschriftensammlung des Instituts, das Instrument befindet sich in der Sammlung Reuter.

Das im Josephinum neu geschaffene und in zwei dafür adaptierten Räumen untergebrachte Endoskopie-Museum stellt insgesamt eine Erweiterung des vorhandenen medizinhistorischen Museums dar, ist aber ein eigenständiges, dem Thema Endoskopie gewidmetes Spezialmuseum. Die Internationale Nitze-Leiter-Forschungsgesellschaft für Endoskopie mit Sitz am Institut für Geschichte der Medizin, ein gemeinnütziger Verein, hat sich neben der Erhaltung und dem Ausbau des Endoskopie-Museums als wissenschaftliche Sammlung, die Erforschung der Endoskopiegeschichte, die Abhaltung wissenschaftlicher Veranstaltungen, die Gestaltung von Ausstellungen, sowie die Publikation von Forschungsergebnissen zum Ziel gesetzt. Außerdem ist es Aufgabe des Vereins, die benötigten finanziellen Mittel teils durch Mitgliedsbeiträge, teils durch Spenden zu beschaffen.

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Dem Frankfurter Arzt Philipp Bozzini gelang es 1806, mit seinem "Lichtleiter" in verschiedene Körperhöhlen hineinzuschauen. An der 1785 eröffneten medizinisch-chirurgischen Josephs-Akademie in Wien, seit 1920 Heim des medizinhistorischen Instituts, wurde dieses, durch eine Kerze beleuchtete Gerät tatsächlich zur Rektoskopie und Kolposkopie, zuerst an Leichen, dann an Lebenden mit Erfolg geprüft. Eine besonders feine Kanüle sollte sogar zum Einlegen in die Harnröhre verwendet werden. Bozzinis früher Tod unterbrach jedoch die vielversprechenden Versuche.

Konstruktionszeichnungen des Bozzinischen Lichtleiters.

Versuche mit diesem Gerät wurden im Dezember 1806 und im Jänner 1807 im Josephinum unternommen


Sein Werk geriet zunächst in Vergessenheit. Der französische Arzt Antonin J. Desormeaux nahm ca. 50 Jahre später die Erfindung Bozzinis wieder auf und entwickelte den Lichtleiter weiter; die Kerze ersetzte er durch die deutlich heller brennende Gasogenflamme. Sein Instrument fand rasch Anklang und wurde seit 1853 in größerer Stückzahl gebaut. Auf Grund seines Erfolges ging Desormeaux als "Vater der Endoskopie" in die Medizingeschichte ein. 1868 versuchte Adolf Kussmaul in Freiburg zum ersten Mal, einem Schwertschlucker eine Metallröhre von 13mm Durchmesser durch die Speiseröhre bis in den Magen vorzuschieben. Dem Instrument war wegen mangelnder Beleuchtung kein Erfolg beschieden.
 

Maximilian Nitze

1879 war das Geburtsjahr der modernen Endoskopie:
Der Dresdner Arzt Maximilian Nitze stellte seinen mit dem Wiener Instrumentenerzeuger Josef Leiter konstruierten "Blasenspiegel" - das Zystoskop - in Wien vor.


Josef Leiter
 
Allerdings war der Weg bis zu den heute möglichen Untersuchungen sehr lang und die Ideen sowie die handwerkliche Geschicklichkeit, die diese Fortschritte ermöglichten, sind bewundernswert. Dies belegen die zahlreichen Exponate im Museum, wie etwa urologische Endoskope des ausgehenden 19. Jahrhunderts, also der Ursprungszeit der modernen Endoskopie. Die Speiseröhren- und Magenspiegelung sowie die ihnen verwandte Bronchoskopie sind ihrer Bedeutung gemäß vertreten. Auch die Rachen-, Kehlkopf-, Nasen- und Ohrenspiegelung und die Augenspiegelung sind dargestellt.

Die Eigenart der Endoskopie, Hohlräume dem Blick zu erschließen, ohne die Außenhaut gravierend zu verletzen, bewährt sich außer in der Human- und Veterinärmedizin auch in zahlreichen Bereichen der Technik sowie im Denkmal- und Umweltschutz. Auch dafür finden sich im Endoskopie-Museum Beispiele.

Manfred Skopec
 

 
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Wien   2. Oktober 2002, 17 Uhr  Institut für Geschichte der Medizin, Lesesaal
Festakt anlässlich der Rückgabe des Lichtleiters von Philipp Bozzini aus dem Jahr 1805 and das Institut für Geschichte der Medizin
Der Lichtleiter des Frankfurter Arztes Philipp Bozzini (1773-1809), das erste klinisch brauchbare Endoskop aus dem Jahr 1805, befand sich im Josephinum in Wien und war in den Wirren der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verschollen.
Der Lichtleiter tauchte in den USA wieder auf und wurde heuer vom American College of Surgeons in Chicago, wo er jahrzehntelang ausgestellt war, über die American Urological Association dem Institut für Geschichte der Medizin der Universität Wien zurückgegeben.
Der Lichtleiter von Bozzini, ein Unikat, wird nun im Museum der Internationalen Nitze-Leiter-Forschungsgesellschaft für Endoskopie im Josephinum aufgestellt.
In einem Festakt bedanken wir uns bei den Kollegen in den USA für die Rückgabe.

Michael Hubenstorf (Vorstand des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Wien) und Anton Schimatzek (Vorsitzender der Internationalen Nitze-Leiter-Forschungsgesellschaft für Endoskopie) : Begrüssung
P.P. Figdor ( Archivar der Österreichischen Gesellschaft für Urologie) : Vorstellung des Bozzini-Lichtleiters
R.M. Engel (Curator of the William P. Didusch Museum of the American Urological Association) : Peregrinations of the "Lichtleiter", der Weg zurück
P.P. Figdor ( Archivar der Österreichischen Gesellschaft für Urologie) : Die klinische Bedeutung des Lichtleiters von Bozzini
M. Skopec ( Leiter des Museums am Institut für Geschichte der Medizin) : Präsentation des neuen Bozzini-Buches
Verleihung der Ehrenmitgliedschaften an Prof.Dr.med. Hans J. Reuter und Rainer M. Engel, M.D.

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