- 2003-2005:
- Strukturen des frühneuzeitlichen Gesundheitswesens im heutigen
Burgenland
(Arbeitstitel)
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- Projektleitung:
- Univ. - Doz. Mag. Dr.phil. Dr.med. Sonia HORN, Institut für Geschichte der Medizin der medizinischen Universität Wien
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Mit dem sog. „Sanitätsnormativ“ von 1770 war eine Vereinheitlichung und Zentralisierung des Gesundheitswesens in den habsburgischen Ländern beabsichtigt. Vielfach wird dies mit dem Beginn eines
organisierten Gesundheitswesens gleichgesetzt. Im Lauf des 16. und 17. Jahrhunderts hatte sich im Einflussbereich der Wiener medizinischen Fakultät jedoch bereits ein weitgehend strukturiertes und
zentralisiertes Gesundheitswesen mit der medizinischen Fakultät als kontrollierender Instanz entwickelt. Ausgehend von den Aufzeichnungen der Wiener medizinischen Fakultät kann festgestellt
werden, dass sich die verschiedenen medizinischen Berufsgruppen zu diesem Zeitpunkt ausdifferenziert und auf dem „medizinischen Markt“ positioniert hatten. Die medizinische Grundversorgung wurde
durch Bader und Wundärzte, Hebammen und wandernde Heilkundige, wie Zahnärzte und Augenärzte gewährleistet. Akademische Ärzte ergänzten dieses Angebot,
allerdings nur marginal. Apotheken und Spitäler sind ebenfalls als grundlegende Einrichtungen des Gesundheitswesens zu betrachten. Letztere können gewissermassen als „Sozialmedizinische
Zentren“ betrachtet werden, in denen sowohl kranke als auch alte Menschen betreut wurden und, je nach der Art, in der das Sozialwesen am jeweiligen Ort organisiert war, auch Waisen und schwangere
Frauen Aufnahme fanden. Der Umgang mit Seuchen, Naturkatastrophen und Krieg kann als dauernde Herausforderung für das Gesundheitswesen betrachtet werden, dem entsprechend wurden
auch verschiedene Massnahmen ergriffen - besonders in Grenzregionen. Von der Verwaltung des Gesundheitswesens her können grundsätzlich zwei Bereiche getrennt werden, der „bürgerliche“
und der „grundherrschaftliche“ - wobei der Grundherrin besondere Kompetenzen zugekommen sein dürften, die von der Aufgabenteilung im grundherrschaftlichen Haushalt u.a. für die
Apotheke zuständig war. Ein gutes Beispiel für das Engagement der Grundherrin im Gesundheitswesen sind die Aktivitäten von Eva Poppel Bathyany (+1641 )
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Gerade die Region des heutigen Burgenlandes ist für eine Studie über Strukturen des frühneuzeitlichen Gesundheitswesens besonders interessant, da die Quellensituation gut zu
bezeichnen ist, wenn auch die Bestände verschiedener ungarischer Archive, vor allem des Ungarischen Staatsarchivs herangezogen werden. Immerhin sind die für diese Region relevanten
normativen Quellen sowie die sehr aussagekräftigen Akten der Sanitätskommission noch erhalten. Die Kontrolle des Gesundheitswesens durch die Wiener medizinische Fakultät war für
das heutige Nieder- und Oberösterreich seit 1638 vorgeschrieben, für Wien bereits seit 1517. Im Bereich des heutigen Burgenlandes war dies (mit Ausnahmen) nicht der Fall, vielfach erfolgte
dennoch eine Orientierung nach Wien, was den Prozess der „noch nicht vorgeschriebenen“ Zentralisierung deutlich macht.
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Im vorliegenden Projekt werden die Strukturen des Gesundheitswesens vor 1770 beschrieben, wodurch verschiedene Aspekte berücksichtigt werden können. Die Durchführung des Projektes
erfolgt in mehreren Arbeitsschritten:
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- 1. Aufnahme von verschiedenen „Einrichtungen“ des Gesundheitswesens, einerseits ausgehend von Hinweisen in landeskundlicher Literatur, andererseits jedoch vor
allem basierend auf Archivalien in verschiedenen österreichischen und ungarischen Archiven.
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- 2. Erstellung einer Übersicht auf der Projekthomepage. Diese dient zunächst der Unterstützung der Analyse der Ergebnisse der Archivrecherchen.
In weiteren Schritten wird diese als Information für eine breite interessierte Öffentlichkeit ausgebaut und soll Hintergrundinformation anbieten - etwa zu den Grundzügen der historischen
Landeskunde, der Verwaltungsgeschichte, den rechtlichen Grundlagen des Gesundheitswesens (z.B. Baderordnungen) in Edition uvm. Ziel dieser Form der Präsentation ist es, die Vorteile dieses
Mediums zu nützen, um Gleichzeitigkeiten darzustellen z.B. die Strukturen des Gesundheitswesens eines Ortes, eingebettet in die zu diesem Zeitpunkt aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen,
die politischen Ereignisse (z.B. Kriegshandlungen) und die aktuellen administrativen Zuständigkeiten (z.B. Grundherrschaft/ Landesfürst/ König/ Sanitätskommission…)
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- 3 Erarbeitung der verschiedenen rechtlichen Rahmenbedingungen, wie z.B. der jeweiligen Baderordnungen und deren Inhalte, wobei nicht grundsätzlich
davon ausgegangen werden kann, dass diese immer eingehalten wurden. Die Frage des Umganges mit diesen Normen enthält jedoch interessante Aspekte der sozialen Beziehungen der Heilkundigen
untereinander, aber auch zum unmittelbaren Umfeld oder zu verschiedenen kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten. In diesem Zusammenhang sind auch Fragen nach dem Umgang mit unterschiedlichen
religiösen Bekenntnissen interessant. Der gerade in diesen Berufsgruppen weiträumigen Mobilität und dem damit verbundenen Kultur- und Wissenstransfer soll besondere Aufmerksamkeit
gewidmet werden.
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- 4. Massnahmen im Umgang mit Krisensituationen, wie Seuchen, Krieg oder Naturkatastrophen, sowie deren Auswirkungen sollen ebenso berücksichtigt werden,
wie grundherrschaftliches Engagement oder Tendenzen der Zentralisierung bzw. die Auswirkungen von Staatstheorien.
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Vgl. dazu Sonia HORN, Geschichte(n) von Gesundheit und Krankheit zwischen Kameralismus und medizinischer Polizey. Forschungsdesiderata für Österreich und Ungarn in der Frühen
Neuzeit. In: Begegnungen. Schriftenreihe des Europa - Institutes Budapest Bd. 19 (2003) 227 - 246 )
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- 5. Gerade im Bereich des heutigen Burgenlandes sind auch die vorhandenen Heilquellen und deren Nutzung bzw. die Bewertung von deren Wirksamkeit in der
zeitgenössischen medizinischen Literatur zu berücksichtigen.
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Grundsätzlich ist festzustellen, dass vor allem mit Archivmaterial gearbeitet werden muss, da kaum auf Literatur zurückgegriffen werden kann. Die Recherchen werden in österreichischen
und ungarischen Archiven vorwiegend durch Studierende der ELTE Budapest und der medizinischen Universität Wien durchgeführt, die durch mehrere Seminare auf diese Tätigkeit vorbereitet
wurden. Für die Sommermonate ist eine Beschäftigung der Studierenden mit Werkverträgen vorgesehen, im kommenden Wintersemester werden die schriftlichen Arbeiten im Rahmen eines
weiteren Seminars abgeschlossen. Erste Ergebnisse werden bei den Kulturwissenschaftlichen Gesprächen auf Burg Schlaining im September 2004 vorgestellt. Die Präsentation der Ergebnisse
erfolgt sowohl im Internet, als auch als „traditionelle“ Publikation in der Schriftenreihe des Burgenländischen Landesarchivs.
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Das Semmelweis - Museum Budapest hat Interesse an den Ergebnissen gezeigt, die dort in einer Ausstellung präsentiert werden könnten, auch eine Ausstellung im Burgenland selbst, die z.B. als
Wanderausstellung konzipiert, nicht nur in Museen sondern auch in Eingangsbereichen von Krankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen gezeigt werden könnte, wäre für das
Team wünschenswert.
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ARBEITSPLAN:
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Wintersemester 2003/04: Im Rahmen des Seminars „Strukturen des frühneuzeitlichen Gesundheitswesens I“ wurden den Studierenden die Grundlagen der Schriftenkunde, der Akten -
und Archivkunde vermittelt.
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Sommersemester 2004: Übungen im Lesen von lateinischen und deutschen Quellen verschiedener Provenienz, Besuche von Archiven, in denen Recherchen durchgeführt werden,
Strukturierung eines Forschungsplanes für die Archivrecherchen in den Sommermonaten (LV Strukturen des frühneuzeitlichen Gesundheitswesens II).
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Juli - September 2004: Weitgehend eigenständige Archivrecherchen der Mitarbeiterinnen, Auswertung der Ergebnisse unter Anleitung. Präsentation von ersten Ergebnissen
bei den kulturhistorischen Gesprächen auf Burg Schlaining.
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Wintersemester 2004/2005: Verfassen der schriftlichen Arbeiten, Fertigstellung der Homepage, Publikation ev. auch auf CD - rom
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