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Am 11. September 1963 starb unerwartet der em. o. Prof. der Chirurgie Dr. Leopold Schönbauer.
Als Sproß einer Ärztefamilie am 13. November 1888 geboren, maturierte L. Schönbauer im südböhmischen Prachatitz und immatriculierte sich 1907 an der
Deutschen Karl-Ferdinand-Universität in Prag. Die Promotion erfolgte an derselben Universität am 10. Juli 1914 sub auspiciis imperatoris.
Noch während seines Studiunis war Schönbauer Demonstrator und von 1911 bis 1914 Assistent bei dem Anatomen Otto Grosser. Am l. Oktober 1914
sollte Schönbauer an die v. Eiselsberg'sche Klinik in Wien eintreten, mußte aber vorerst als Leutnant der Infanterie an die Galizische Front. 1915 verwundet,
kam Schönbauer 1916 zu einer der mobilen Chirurgengruppen der Eiselsberg'schen Klinik. In diesem Rahmen bestand Schönbauer seine erste
Bewährungsprobe, so daß ihn Eiselsberg schon ein Jahr nach seiner Rückkehr aus dem Kriege zum Assistenten ernannte. Schönbauer habilitierte sich 1924,
wurde 1930 Vorstand der chirurgischen Abteilung am Krankenhaus Lainz und bekam 1933 den Titel eines a. o. Professors.
Im September 1938 zum Vorstand der chirurgischen Klinik an der Prager Deutschen Universität ernannt, vereitelten die politischen Ereignisse die Übernahme
dieser Klinik und Schönbauer wurde am l. April 1939 Vorstand der I. chirurg. Klinik in Wien. Im April 1945 wählte ihn die Belegschaft des Wiener Allgemeinen
Krankenhauses zu dessen Direktor.
Die wissenschaftliche Tätigkeit Schönbauers begann bei Grosser in Prag. Sie betraf fast alle Gebiete der allgemeinen und speziellen Chirurgie, vorwiegend
aber Probleme der Bauchfellentzündung, ferner die Pathologie und Therapie des Krebses und schließlich die Neurochirurgie. Nur die wichtigsten seiner weit
über 500 Publikationen seien erwähnt:
Zum l. Thema, das Schönbauer auch in seiner Habilitationsschrift behandelte, lieferte er schon 1922 einen originellen Beitrag mit der Empfehlung, salzsaures
Pepsin als physiologisches Antisepticum zur Spülung der Bauchhöhle bei Peritonitis zu verwenden.
Das Karzinom begann Schönbauer zu beschäftigen, als ihm von Julius Tandler, dem damaligen Wiener Stadtrat für das Gesundheitswesen, der Aufbau und
die Leitung des bald weithin bekannten Strahlentherapeutischen Institutes im Lainzer Krankenhaus anvertraut worden war. Die angeschnittenen Probleme,
insbesondere die Krebsgenese fesselten Schönbauer bis an sein Lebensende.
Ein Studienaufenthalt 1926 in Boston bei Harvey Cushing, dem Begründer der Neurochirurgie, war bestimmend für die 3. Arbeitsrichtung Schönbauers, die
Neurochirurgie. Auf diesem Gebiete sind ihm viel zitierte Arbeiten über die Pathologie der Gehirnerschütterung und über die Pathologie des Hirnödems mit
wichtigen Vorschlägen zur Behandlung solcher Zustände zu verdanken. Eine gemeinsam mit H. Hoff herausgegebene Monographie: "Hirnchirurgische
Erfahrungen und Resultate" gehörte zu den ersten deutschsprachigen zusammenfassenden Werken dieser Art.
Von besonderer Originalität war ein 1921 erschienener Bericht Schönbauers über einen mit Curare behandelten und geheilten Fall von Tetanus: ein kühner
und erstmals verbürgt gelungener Versuch, eine auf Claude Bernard zurückgehende Anregung in die Tat umzusetzen.
Große Verbreitung fand das 1944 erschienene Werk: "Das Medizinische Wien", in dem Schönbauer auch jenen zahlreichen Männern gerecht geworden ist,
die damals verfemt gewesen sind.
Schönbauer war eine starke, durch Unerschrockenheit ausgezeichnete Persönlichkeit, die besonders in kritischen Situationen zur Geltung kam. So ist
Schönbauer 1945 die Rettung des Allgemeinen Krankenhauses zu verdanken. Er allein hatte damals die zurückweichenden deutschen Truppen davon
abgehalten, das Allgemeine Krankenhaus als Kampfstellung zu mißbrauchen und er allein war es, der wenige Stunden später mit aller Entschiedenheit den
Eroberern entgegengetreten war, um sie mit vollem Erfolg in ihre Schranken zu weisen.
Schönbauers Inaugurationsrede als Rektor im StudienJahr 1955/54 gipfelte in einer mit voller Offenheit und Unerschrockenheit vorgebrachten Mahnung,
die Universitäten und Hochschulen Österreichs endlich von den materiellen und personellen Fesseln zu befreien, die sie gegenüber anderen, nicht minder
vom Kriege betroffenen Ländern immer mehr ins Hintertreffen führen mußten.
Am nachhaltigsten aber hat Schönbauer als Arzt gewirkt. Als Arzt eroberte er sich die Herzen der Menschen und als Arzt war er in allen Phasen seines
Lebens zu jedem persönlichen Opfer für seine Kranken bereit. Als vorbildlicher Arzt wird er auch seinen zahlreichen Schülern in dankbarer Erinnerung bleiben.
Univ.-Prof. Dr. P. F u c h s i g
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