Institut für Geschichte der Medizin

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Romeo Seligmann 1808 - 1892  

 
Biographie aus "Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker" von August Hirsch (Hrsg.). Berlin 1932
 

Seligmann, Franz Romeo S., zu Wien, geb. 30. Juni 1808 zu Nikolsburg in Mähren, als Sohn eines Arztes, bezog mit 17 Jahren die Wiener Hochschule, beschäftigte sich ausser der Med. mit modernen Sprachen, erlernte auch Persisch, um eine auf der Wiener Hofbibliothek befindl. persische Handschrift über Med. lesen zu können. Er gab in seiner Inaug.-Diss. „De re medica Persarum" (1830) einen latein. Auszug der ersten Hälfte derselben und veröffentlichte später auch einen Auszug des 2. Theiles u. d. T.: "Liber fundamentorum pharmacologiae auctore Abu Mansur . . , Epitome etc." (Pars I, II, Wien 1830, 33), nebst einer deutschen Broschüre: ;, üeber drei höchst seltene persische Handschriften" (Ib. 1833), welche den Inhalt der obigen Handschrift und noch zweier anderer in seinen Besitz gelangter persischer Manuscripte wiedergiebt. Nachdem er durch Reisen und bibliothekarische Forschungen in Paris, Italien (1845), Berlin und London (1857) sich überzeugt hatte, dass das Manuscript des ABU MANSUR wirklich das älteste Document der neupersischen Sprache und auch der einzig existirende Rest derselben ist, entschloss er sich zur Herausgabe desselben, und nach Ueberwindung der Schwierigkeiten in Stich, Facsimilirung und Druck, erschien im J. 1860 in der Wiener k. k. Staatsdruckerei, als erster Theil des Werkes: „Codex Vindobonensis sive medici Abu Mansur... liber fundamentorum pharmacologiae", mit ausführlichen, auch als Sonderausgabe publicirten: „Prolegomena ad codicem Vindobonensem etc." Nachdem S. zur Zeit des ersten Erscheinens der Cholera in Oesterreich sowohl in der Provinz als in einer Vorstadt als Choleraarzt gewirkt hatte, begann er im J. 1833 (zum ersten Male wieder seit EYEREL) Vorlesungen über Geschichte der Med. an der Wiener Universität zu halten, machte später auch kunstgeschichtliche Studien und diese wie seine anderweitigen Studien führten ihn zu dem in der Abhandlung „Götter, Satyrn, Faune" (veröffentlicht 1838 in F. Witthauer's „Album" zum Besten der Verunglückten in Ofen und Pest) gemachten Versuch, die Entwickelung der Menschenracen im Verhältniss zu den Darstellungen der menschl. Gestalt in den Kunstwerken der Alten nachzuweisen. Während dieser Zeit war S. 5 Jahre lang Secundararzt im Allgem. Krankenhause, hielt 1848, als die Cholera wieder drohte, öffentliche Vorlesungen über dieselbe, nach seinen früheren Erfahrungen, bekam den Titel eines Prof. e. o., übernahm, neben seinen geschichtl.-med. Vorträgen, auch die über med. Hodegetik, hielt 1850 die Gedächtnissrede auf den 1845 verstorbenen Prof. FRANZ WILH. LIPPICH (im „Wanderer" 1850), gab in demselben Jahre: „Die Heilsysteme und die Volkskrankheiten" heraus, wurde auch zum besoldeten Extraordin. seines Faches, 1869 zum Prof. ord. ernannt und hielt seitdem die Vorlesungen über Geschichte der Med. in Verbindung mit der Geschichte der Volkskrankheiten. Es erschienen ferner von ihm, auf Grund von gehaltenen Vorträgen: „Adam Chenot und seine Zeit" (1861, 4.)- ;,Ueber Begräbnisse in culturhistor. Beziehung" (1864); auch beschäftigte er sich mit ethnograph. Untersuchungen (namentlich an Peruaner Schädeln), übernahm 1866 die Bearbeitung des anthropolog. Theiles (Racenlehre) für BEHM's geograph. Jahrb. und erstattete für VIRCHOV-HIRSCH's Jahresbericht die Referate über Geschichte der Med. für die Jahre 1870-81. Auf Regierungskosten gedruckt, erschien von ihm die Schrift: „Die Kochanstalt des Wiener allgemeinen Hilfvereines" (Wien 1852, 4., m. 5 Taff.), als ein Versuch, die Lehre von den Nahrungsmitteln wissenschaftlich und populär darzustellen, nebst einer Darstellung der Zubereitung der Rumfordsuppe im Grossen, mittelst eines von ihm erfundenen Apparates. 1879 trat er in den Ruhestand und starb 15. Sept. 1892.

v. Wurzbach, XXXIV, pag. 50.


 
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