Institut für Geschichte der Medizin

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Anton Freiherr von Stoerck 1731-1803

 
Biographie aus "Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker" von August Hirsch (Hrsg.). Berlin 1932

Stoerck, Anton Freiherr von S., zu Wien, berühmter Arzt, geb. 21. Febr. 1731 zu Saulgau (Württemberg, damals vorderösterr. Schwaben), kam frühzeitig nach Wien, wurde als Waise im Armenhause erzogen, erlangte 1757 unter van swieten die Doctorwürde mit der Diss.: "De conceptu, partu natnrali, difficili et praeternaturali"(4.), erwarb sich als Arzt bald grosses Vertrauen, wurde 1758 erster Physicus im Bäckenhäusel (ursprüngl. Versorgungs-Anstalt für alte gebrechl. Mitglieder der Bäckerzunft, seit 1656 Ünterkunftsstätte für verarmte Wiener Bürger) und bereits 1760 k.k. Leibmedicus. Zur Erleichterung des mit Geschäften überbürdeten Van Swieten wurde er 1771 Assessor bei der k.k. Studien- und Bücherrevisions - Hofcommission, bald darauf 2. Präses und Director der med. Facultät und des med. Studiums an der Wiener Hochschule, in demselben Jahre noch 'Protomedicus und im folgenden Jahre I. Leibarzt mit dem Hofrathstitel, unter Belassung in seinen anderen Anstellungen, in welchen er zum Decan der med. Facultät und später zum Rector der Universität erwählt wurde. Die Kaiserin Maria Theresia hatte zu seiner ärztl. Kunst besonderes Zutrauen, liess sich, als sie 1767 von den Pocken befallen wurde, durch ihn behandeln und erwählte ihn auch zu ihrem Leibarzte. Er begleitete ferner wiederholt Personen der kais. Familie auf Reisen, so den Kaiser Franz I. (Stephan) 1767 zur Krönung nach Frankfurt a. M.

Von seinen Schriften führen wir an: "Annus medicus I. et- II., quo sistuntur observationes circa morbos acutos et chronicos .... et quaedam anatomicae cadaverum sectiones" (Wien 1759, 60, 62; deutsch 1774) — "Libellus quo demonstratur, Cicutam (s. dazu quarin 4. Bd. S. 696) non solum usu interno iutissime exhiberi, etc" (Ib. 1760, 1761; ilal. Turin 1762; deutsch Wien 1774; engl. London 1760; holl. Rotterdam 1760; franz. Wien u. Paris 1761.) — "Libellus secundus, -quo confirmatur: Cicutam non solum usu interno etc." (Wien 1761; engl. London 1761, 1762) — "Libellus quo demonstratur: Stramonium, Hyoscyamum, Aconitum non solum tuto posse exhiberi, etc." (Wien 1762, 1776; deutsch v. G. neuhofek, Augsburg 1763; 2. Uebers. Zürich 1763; französ. Paris 1763; engl. London 1763) — "Libellus quo demonstratur: Colchici autumnalis radicem non solum tuto posse exhiberi hominibus etc" (Wien 1763; engl. London 1763) — "Libellus, quo demonstratur: Herbam veteribus dictam flammulam Jovis posse tuto et magna cum utilitate exhiberi aegrotantibus" (1769: deutsch von S. Schintz, Zürich 1764) — "Med.-prakt. Unterricht für die Feld- und Landwundärzte der österr. Staaten" (2 Thle. Wien 1776, 1786, 1789; latein. von J. M. Schosulan, 1777, 1784, 1791; holl. Rotterdam 1787) — "Allgem. Abhandlung zur Vorbeugung sowohl, als zur Heilung der Hundswuth" — " Abhandlung von der Einpfropfung der Kinderblatiern" (1771; französisch 1778) — "Libellus, quo continuantur experimenta et observationes circa nova sua medicamenta" (1765, 1769) — "Libellus de usu medico Pulsatillae nigricantis" (Wien 1771; deutsch Frankfurt und Leipzig 177l) u. s. w.; zusammen mit schosulan und jacquin gab er heraus: "Pharmacopoea Austriaco - provincialis emendata" (1794).

Wie aus den mehrfachen Übersetzungen seiner Schriften ersichtlich, erregten dieselben in der med. Welt grosse Aufmerksamkeit, indem die von ihm empfohlenen Medicamente (Aconitum, Cicuta, Clematis, Colchicum, Hyoscyamus, Pulsatilla, Stramonium) an Gesunden und Kranken sorgfältig geprüft waren, so dass diese mustergiltigen Untersuchungen werthvolle monograph. Beiträge zur Pharmakodynamik darstellen. Diese hervorragenden Beiträge wurden zu Paris 1887 von Piedvache unter dem Titel: "Études de thérapeutique expérimentale" erneut herausgegeben. Ausser seiner prakt. ärztlichen Thätigkeit, und als Mann der Wissenschaft in hoher Achtung stehend, wirkte S. auch noch als energischer Reformator des österr. Medicinal- und Unterrichtswesens, wozu ihm durch seine hervorragende Stellung als kais. Leibarzt, Präsident des gesammten med. Studiums und Oberdirector des Allgem. Krankenhauses reichliche Gelegenheit geboten war. So bestimmte er in seinem 1775 publicirten: "Facultatis medicae Vindobonensis statuta", ausser genügender Vorbildung, die Reihenfolge der med. Studien, berief nach dem Tode von De Haen (1776), dessen offener und entschiedener Gegner er gewesen war, Maximil. Stoll zur Oberleitung der med. Klinik der Universität und bekundete schon durch diese Wahl seinen Scharfblick. Der einstige Waisenknabe, der durch sich selbst sich emporgerungen, wurde 1775 in den österr. Freiherrenstand erhoben und 1777 in den niederösterr. Herrenstand aufgenommen, er starb 11. Febr. 1803.


Biogr. méd. VII, pag. 223. — Dict. hist. IV, pag. 269. — v. Wurzbach . XXXIX, pag.117. – Allg. D. Biogr. 36 S 446. – Gradmann, Gelehrtes Schwaben S. 656 – Ind. Cat. 1. Ser. 13 S. 706.

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