Institut fόr Geschichte der Medizin

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  Gerard van Swieten 1700-1772

 
Biographie aus "Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker" von August Hirsch (Hrsg.). Berlin 1932
 

Swieten, Gerard van S., geb. 7. Mai 1700 in Leyden, studirte in Löwen und in Leyden unter Boerhaave, wo er 1725 mit einer "Diss. de arteriae fabrica et efficacia in corpore humano" zum Dr. med. promovirte. Er blieb, sich med. Studien widmend, in Leyden, erhielt 1736 die Erlaubniss als Privat-docent Vorlesungen über die Institutiones medicae zu halten, welche ihm später seines Glaubens wegen (er war röm.-kath.) wieder entzogen wurde. 1745 wurde er durch die Kaiserin Maria Theresia als Leibarzt nach Wien berufen und bald darauf zum Inspector des med. Unterrichts in Oesterreich befördert. Hier wurde er der Stifter der med. Schule, welche später und noch heute eine wichtige Rolle in der Wissenschaft spielt und richtete diese auf solch΄ eine zweckmässige Weise ein, dass Hecker sagt: "Man kann hiernach die klin. Schule in Leyden als die Musteranstalt betrachten, nach der v. S. die seinige in Wien einrichtete und man sieht, wie zweckmässig es war, zuvörderst einen ausgezeichneten Schüler von Boerhaave zur klin. Lehrstelle nach der Kaiserstadt zu rufen". Unterstützt vom Grafen Kaunitz berief er bedeutende Lehrer der Heilkunde, unter ihnen de Haen, Stoerk und Stoll an die Wiener Hochschule, eröffnete 1755 die neue Universität mit einem chemischen und physikalischen Laboratorium, gründete die erste Wiener Schule für Tierärzte, Hebammenschulen, Findelhäuser und reorganisierte die verwahrlosten Heilanstalten in ganz Oesterreich mit Hülfe des Sanitätsreferenten Freiherrn Joseph von Quarin, dem die Gründung des Allgemeinen Krankenhauses und vieler anderer Hospitäler zu verdanken ist. Er war ein energischer Vertreter des Aerztestandes, richtete einen Witwen- und Waisenfonds ein und schuf in der Hofbibliothek erst durch Einrichtung eines Lesesaals Möglichkeiten zu ihrer Benutzung. Vor allem reorganisierte er den gesamten Universitätsunterricht. Seine Bemühungen hierum wurden durch das 1754 von Maria Theresia unterzeichnete Statut über die Universität verwirklicht. Bekannt ist seine Einführung des Sublimats (liquor Swieteni) zur Behandlung der Syphilis. (S. Proksch, Behandlg. d. venerischen Krankheiten 2. T. [l895] S. 442—443; vergl. a. Sanchez, Bd. 5 S. 5.)
Er starb 18. Juni 1772. Auf kaiserl. Befehl wurde ihm im Universitäts-Gebäude ein Standbild errichtet.

Er schrieb: "Commentaria in H. Boerhaavii aphorismos de cognosc. et curandis morbis" (Leyden 1742—72, 5. Thle.; 1766—76, 6. Thle.; Venedig 1745—1772, 1775—1778; Hildburghausen u. Meiningen 1745—1772; Paris 1755—1773; 3. ed. 1769—1773; Frankfurt 1762; Lyon 1776; Turin 1744—1773; Neapel 1745—1772; Würzburg 1787—1792; Loewen 1773; Bassano 1788; Tübingen 1791; deutsch Wien 1755—1775; Frankfurt 1767—1775; französisch Paris 1747—1753; Avignon 1766; engl. London 1744—1754, 1754—1765, 1771—1773; Edinburg 1776; abgekürzt 2 Bde. London 1768; holl. Leiden 1760 bis 1776; Amsterdam 1776—1791) — "Kurxe Beschreibung und Heilungsart der Krankheiten, welche am öftesten in den Feldlagern beobachtet werden" (Wien, Prag u. Triest 1758; Zürich 1760; Wien 1771; franz. Paris 1760, 1777; Amsterdam 1761; Lüttich 1765; engl. London 1762, 1767; Philad. 1776; holl. Amsterdam 1760, 1764, 1772, 1780, 1790; Brügge 1765; ital. Neapel 1761, 1768; span. Valencia 1764) — "Constitutiones epidemicae et morbi potissimum Lugd. Bat. observati" (ed. M. stoll, Wien 1782; Leyden 1782, 1783; deutsch Leipzig 178o) — "Erläuterungen der Boerhaave'schen Lehrsätze der Chirurgie (Danzig 1749 bis 1753; Frankfurt und Leipzig 1778; franz. Paris 1765—1763; Span. Madrid 1774-1779).

J. Fr. K. Hecker, Gesch. d. neueren Heikunde 1839 S. 353—397. — Biogr. mιd. VII, pag. 287. — Dict. hist. IV, pag. 241. — Willibald Müller. Wien 1883. — Janus 26 (1922) S. 177—189 (V. Kreuzinger). — E. van Leersum, Janus 11 (1906) S. 381—98, 446-49, 501—522, 588—606. — Paris med. 44 (1922) Annex. S. 3-9 (A. Gilbert u. G. Cornet). — J. v. Mundy, G. v. S. und seine Zeit. Vortr. Naturf. Ges. 1894. — Allg. D. Biogr. 37 ?. 265. — A. G. Gerster, The Life and the Times of G. v. S. Bull. Johns Hopkins Hosp. 20 (1909) S. 161-168. — Sigerist, Große Aerzte S. 156—161. — Aug. Fournier, G. v. S. als Censor. Wien 1877. — Kesteloot, Hulde an Gerardus van Swieten. Leyden 1826. — Ind. cat. l. ser. 14 S. 15; 2. ser. 17 S. 317; 3. ser. 9 S. 1177.
C. E. Daniels.


  Ein Vortrag anlässlich des 300. Geburtstags von Van Swieten
 
 
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