Institut für Geschichte der Medizin

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Julius Wagner-Jauregg 1857 - 1940

Biographie aus "Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre" von I. Fischer (Hrsg.). München 1962
Wagner-Jauregg, Julius, in Wels, Oberösterreich, am 7. März 1857 geboren, absolvierte seine medizinischen Studien in Wien, wo er 1880 promovierte. Seine Assistentenzeit verbrachte er von 1876-82 an der Lehrkanzel für allgemeine und experimentelle Pathologie (Stricker), von 1883-89 an der Klinik für Psychiatrie (leidesüorf). 1885 in Wien für Nervenkrankheiten und Psychiatrie habilitiert, wirkte er von 1889-93 als a. o. Professor in Graz, von 1893 bis zu seiner 1928 erfolgten Emeritierung in Wien. Seine ersten Arbeiten beschäftigten sich mit dem Ursprung und der Funktion der Nn. accelerantes und mit der respiratorischen Leistung des N. vagus. Von seinen grundlegenden Studien über Kretinismus ausgehend, befaßte er sich eingehend mit dem Kropfproblem, dem Studium und der Therapie des Kretinismus durch Schilddrüsenextrakt und der Bekämpfung des Kropfes durch minimale Jodgaben. 1887 erschien seine erste Arbeit über die Einwirkung fieberhafter Erkrankungen auf Psychosen, in der er bes. die Verwendung der Malaria empfahl (Jb. Psychiatr. 1887, Bd.7, S.94). Da jedoch die Infektionstherapie anfangs undurchführbar war, wählte er zunächst die sog. Fiebertherapie mit Tuberkulin und Vakzinen. 1917 setzte er seinen Gedanken in die Tat um und begann mit den Malariaimpfungen zur Behandlung der progressiven Paralyse und anderer Psychosen (erste Ergebnisse mitgeteilt in Psychiatr.-neur. Wschr. 1918-19, Bd. 20, S. 132 u, 251). Neben dieser Großtat erwarb er sich hervorragende Verdienste um die Erblichkeitslehre, die forensische Psychiatrie, den Ausbau der somatischen Symptomatologie und der somatischen Pathogenese vieler anderer Psychosen. Dadurch, daß seine Methoden praktisch, klar und einfach sind, konnten sie zu einem Allgemeingut werden. Nach ihm ist das WAGNER-JAUREGGsche Symptom benannt (Wien.klin.Wschr. 1916, Bd. 29, S. 1578). Aus seiner Feder stammen u. a.: "Myxödem und Kretinismus" (im Handb.d. Psych., Spez. T, 2, l), Leipzig und Wien 1912, (mit G. Bayer) "Lehrbuch der Organotherapie", Leipzig 1914, "Verhütung und Behandlung der progressiven Paralyse durch Impfmalaria" (im Erg. Bd. d. Handb. d. experim. Therap.), München 1931. 1927 wurde W.-J. der Nobelpreis verliehen.
Schriftenverzeichnis in: Wien. med. Wschr. 1928, Bd. 78. S. 892.


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