Der Tivoli Storage Manager (nachfolgend TSM genannt) ist eine auf dem Client/Server-Prinzip basierende Enterpriselösung der Firma IBM zur Datensicherung und Archivierung.
Das Backupsystem TSM besteht aus einer (oder mehreren) Serverinstanzen und einer Vielzahl von Clients, deren Daten entsprechend getroffener Vereinbarungen (Policies) gesichert und aufbewahrt werden.
Der Server verwaltet die an ihn gesendeten Daten in einer Datenbank, in der alle notwendigen Informationen zu den gespeicherten Objekten, den damit verbundenen Vereinbarungen, Ablaufkriterien und Speicherorten sowie alle serverinternen Informationen verwaltet werden. Der Server legt die gesicherten Daten in der Speicherhierarchie ab und sorgt für deren Verwaltung in den Speicherpools auf Platte bzw. Magnetband in den angeschlossenen Bandverwaltungssystemen (Roboter) und stellt sie auf Abruf zur Rücksicherung bereit.
Der Client besteht aus einem Softwarepaket, welches auf jenem Rechner installiert und konfiguriert wird, dessen Daten gesichert werden sollen. Dieser Client kann sich mittels der ihm gewährten Zugangsdaten mit der ihm zugeordneten Serverinstanz verbinden und seine Daten über das Datennetz sichern und wiederherstellen. Die konfigurierte Clientsoftware stellt die Schnittstelle zwischen den lokalen und den am Server gesicherten Daten dar. Abhängig vom Betriebssystem des Clientrechners verfügt die Clientsoftware über mehrere Benutzerschnittstellen:
Als Basis der Kommunikation zwischen TSM Client und TSM Server dienen Optionen, welche vom Benutzer - ebenfalls betriebssystemabhängig - in einer oder mehreren Konfigurations- bzw. Optionsdatei(en) festgelegt werden. Aus organisatorischen Gründen sowie aus Gründen der Vereinfachung für den Benutzer können bestimmte Optionen für einen oder eine Gruppe von Clients bereits vom Server vorgegeben werden (Client Option Sets).
Wenn ein Client Daten in einer Session Dateien zu Sicherung an den TSM-Server sendet, werden diese standardmäßig auf einem Plattenbereich (Disk Storage Pool) im MUW Speichernetz abgelegt. Von dort werden die Daten in regelmäßigen Abständen in einen Bandspeicherbereich (Tape Storage Pool) übergeleitet (migriert). Bei diesem Vorgang werden die Daten in Gruppen zusammengefasst (COLLOCATION), um die Daten eines oder einer Gruppe von TSM Nodes auf möglichst wenigen Bandkassetten zu halten, um eine raschere Verarbeitung beim Rücksichern zu ermöglichen. Ein weiterer administrativer Prozess auf dem TSM Server sichert die Daten täglich nochmals in sogenannte COPY Pools. Aus diesen COPY Pools lassen sich eventuell defekt gewordene Bandmedien wiederherstellen, also ein Backup vom Backup.
Die Funktion BACKUP dient zur Sicherung und Wiederherstellung von vitalen, also sich verändernden Datenbeständen. Die Sicherung kann einzelne Dateien, gesamte Verzeichnisse sowie gesamte Dateisysteme oder deren Teilbäume auf Dateiebene umfassen.
In der Serverdatenbank wird bei der Sicherung eine Liste der Dateien sowie der von Dateisystem unterstützen Attribute (Zeit, Erstellungs- Änderungsdatum, Zugriffsberechtigung, erweiterte Attribute, etc.) gespeichert, die beim Vergleich mit dem aktuellen Stand des Dateisystems herangezogen werden, um neue, gelöschte und veränderte Dateien festzustellen. Beim Backup werden auch alle zugehörigen Verzeichnis- und Zugriffsberechtigungsinformationen gesichert.
Im Wesentlichen werden zwei Arten des Backups unterschieden:
Wird eine Datei beim Backup vom Client auf den Server kopiert und existiert bereits eine Kopie dieser Datei auf dem Server, so wird diese in den inaktiven Bereich verschoben (inaktive Version), die Kopie der neuen Datei gilt als aktive Version.
Die Zahl der möglichen inaktiven Versionen wird in den Vereinbarungen (Policy Domains und deren Managementklassen) festgelegt.
Kriterien für die in den Vereinbarungen festgelegte Verweilzeit von Backup-Dateien:
Beim inkrementellen Backup nach dem ‚incremental forever’ Prinzip sendet der Server dem Client eine Liste der auf dem Server abgelegten Dateien. Die Clientsoftware vergleicht nun diese Liste mit den in den Dateisystemen vorhandenen Dateien. Die Differenz (daher „incremental Backup“) kommt zustande
Stellt der Client eine Veränderung einer Datei fest, so wird sie entsprechend den INCLUDE/EXCLUDE-Optionen abgehandelt.
Welche Dateisysteme bzw. deren Untermengen (einzelne oder bestimmte Verzeichnisse oder Dateien, usw.) dabei zu berücksichtigen sind, kann in den Optionsdateien mittels DOMAIN sowie mit INCLUDE und EXCLUDE Anweisungen festgelegt werden.
Scheduled Backup ist die automatisierte Form des (inkrementellen) Backups, bei dem der Sicherungsvorgang in einem vereinbarten Zeitfenster über einen mit dem Server zeitlich abgestimmten Hintergrundprozess (Scheduler) gestartet wird.
Beim selektiven Backup werden Dateien auf den Server kopiert, ohne Rücksicht, ob sie sich gegenüber dem letzten Backup geändert haben. Gleichwohl unterliegt das selektive Backup dem Generationenkonzept: wird die Anzahl vorgegebener Versionen überschritten, so fällt die älteste Version aus dem Backup. Selektives Backup sollte nur in begründeten Fällen angewandt werden.
Ist die Funktion zum Wiederherstellen von mit der Funktion Backup gesicherten Daten. Standardmäßig werden nur AKTIVE Versionen der gesicherten Dateien angeboten. Um INAKTIVE Dateien zurückzuspielen muss die entsprechende Option angewählt werden.
Das Rücksichern der Daten kann sowohl auf den ursprünglichen Platz im Dateisystem erfolgen sowie auch auf eine von ihnen vorgegebene andere Position. Es ist ebenfalls wählbar ob am Rechner vorhandene Versionen überschrieben werden oder nicht.
Die Funktion Point-in-time Restore ermöglicht es, Daten eines aus Sicht des Backups bestimmten Zeitpunkt (bei täglicher Sicherung einem bestimmten Tag) zurückzusichern. Voraussetzung dafür ist eine ausreichend vorhandene Anzahl von bereits gesicherten (inaktiven) Versionen.
Weiters ist es möglich, Sicherungsdaten von anderen Backupknoten zurückzusichern, wozu der Eigentümer der Daten berechtigen kann.
Restore ist auch plattformübergreifend möglich, sofern der zurückspielende Client das Dateisystem der gesicherten Daten ‚versteht’.
Archive ist jene Funktion des TSM, die es ermöglicht, abgeschlossene Datenbestände für einen definierten Zeitraum unter einer gemeinsamen Bezeichnung zu sichern. Ein Archiv ist unabhängig von der weiteren Existenz der Daten auf dem Clientrechner und unterliegt keinem Generationen-Konzept.
Die Erstellung eines Archivs bietet sich an, wenn Daten am Clientrechner gelöscht, aber nicht vernichtet werden sollen. Die Funktion ermöglicht das Erstellen von „Snapshots“ sowie die ‚Lagerung’ von Daten aus z.B. gesetzlichen Gründen.
Bestehende Archive können durch Archivieren von Daten unter derselben Archivbezeichnung ‚erweitert’ werden. Die mit der verwendeten Managementklasse definierte Ablauffrist gilt jedoch bei jeder Datei vom Zeitpunkt der Archivierung. Die gewählte Managementklasse und damit die Ablauffrist ist nicht veränderbar.
Archive können vor Erreichen der Ablauffrist vom Benutzer gelöscht werden. Eine zusätzliche Option ermöglicht ein Löschen der Dateien vom Clientrechner nach deren Archivierung in einem Ablauf.
Dient dem Zurücksichern von archivierten Daten. Sie können einzelne Dateien und Verzeichnisse sowie das ganze Archiv unter seiner Bezeichnung abrufen. Der Ort, an den Sie zurücksichern, ist ebenfalls einstellbar.
Die empfohlene Methode zur Sicherung ihrer Daten ist das Scheduled Backup, bei dem der Backupvorgang zeitgesteuert (scheduled) durch einen am Clientrechner ausgeführtem Hintergrundprozess gesteuert wird.
Die Vorteile des scheduled Backup:
Um unterbrechungsfreie, konsistente Sicherungen von Datenbanken (z.B. Oracle, MSSQL) sowie MS Exchange Servern zu ermöglichen, bietet TSM zusätzlich spezielle Clientlösungen über die Programmschnittstelle (API) an.
Diese Lösungen unterliegen gesonderten Lizenzen und sind getrennt von den Standard Clientlösungen zu beantragen bzw. zu konfigurieren.
Der TSM Client bietet drei Benutzerschnittstellen zur Erstellung und Verwaltung ihrer Backupdaten:
Ermöglicht es dem Benutzer die wesentlichen Arbeitsabläufe des Backupclients über eine grafische Oberfläche (JAVA) durchzuführen. Zusätzlich werden im GUI einige Werkzeuge (Utilities) zur Konfiguration der TSM Optionen sowie dem Setup zusätzlicher Dienstprogramme zur Verfügung gestellt.
Stellt alle Funktionen des Backupklienten auf der Kommandozeile des Betriebsystems zur Verfügung und ermöglicht es diese Abläufe über Kommandoprozeduren abzuarbeiten.
Nützliche CLI-Befehle:
query filespace
Erstellt eine Liste der am Server vorhandenen Filespaces sowie das Datum der letzten erfolgreichen Sicherung.
query mgmtclass
Erstellt eine Liste der für den Knoten auswählbaren Managementklassen. Detailiertere Informationen zu den verfügbaren Managementklassen finden sie im GUI unter ‚Policy Information'
q inclexcl
Dient der Überprüfung welche Ausschluß- bzw. Einschlußkriterien gültig sind, sowie deren Reihenfolge. Außerdem wird die Quelle der INCLUDE bzw. EXCLUDE Optionen angegeben, wodurch sich feststellen lässt ob die Kriterien von Betriebssystem, Server oder ihren Optionen festgelegt wurden:
query schedule
Dient der Überprüfung an welchem Schedule der Knoten teilnimmt, wann das nächste Backupfenster startet und wie lange das Fenster dauert.
preview
Die Preview Funktion ermöglicht es festzustellen ob und warum eine bestimmte Datei(en) beim Backup oder Archive ein- bzw. ausgeschlossen werden sowie mit welcher Managementklasse sie gesichert werden. Die Ausgabe der Vorschaufunktion kann sehr umfangreich werden und wird wenn nicht anders angegeben in eine Datei mit dem Name dsmprev.txt geschrieben.
help
Die Hilfefunktion zur den Befehlen der Kommandozeilenschnittstelle. Die Funktion wurde im neuen TSM Client Version 6 überarbeitet und ist nun wesentlich komfortabler als jene in der Version 5.
Mit dieser Benutzerschnittstelle ist derzeit in Ausnahmefällen ein Zugriff per Webinterface möglich. Vorraussetzungen sind ein administrativer Benutzer im TSM und ein installierter, konfigurierter und aktiver Client Acceptor Daemon (CAD) auf dem Clientsystem sowie die notwendigen Einstellungen in der Firewall dieses Systems. Der Zugang per Webcliente wird auf Wunsch für TSM-Verantwortliche ermöglicht die eine Vielzahl von TSM Nodes betreuen.
Das automatische (scheduled) Backup ist die bevorzugte Form der täglichen Sicherung. Dabei wird am Clientsystem ein Dienst aktiviert der in regelmäßigen Abständen den TSM-Server kontaktiert und in dem vom Benutzer ausgewählten Startfenster ein inkrementelles Backup startet. Die Aktivitäten des Schedulers werden im Schedulerprotokoll (dsmsched.log) protokolliert. Das scheduled Backup bietet den Vorteil, dass sich der Aufwand des Benutzers auf die regelmäßige Kontrolle dieses Protokolls beschränkt und unterbrochene Backupsitzungen innerhalb des Startfensters serverseitig erneut aufgenommen und abgeschlossen werden. Wichtig ist, dass der Clientrechner im Zeitraum des Startfensters eingeschaltet und auch aktiv ist. Beachten sie bitte, dass manche dies unter Umständen durch Energiesparfunktionen gestört bzw. unterbunden wird.
Es zeigt sich, dass es bei TSM-Problemen hilfreich ist, wenn der TSM-Administrator eine einfache Möglichkeit hat, die TSM-Logs, die dsm.opt-Datei(en) und den Status des TSM Schedulers anzusehen, ohne dass mit VNC oder Remote Desktop inklusive Administratorberechtigung gearbeitet werden muss. Das leistet der TSMManager Agent für Windows. Dieser ermöglicht es dem TSM-Administrator, über den TSM Scheduler-Dienst
Voraussetzung ist, dass der TSM Scheduler Dienst korrekt installiert ist. Download Agent (http://www.tsmmanager.com/download/tsmm_age.exe)
Eventuell Update der Firewall: Das Programm tsmmgr_agent.exe ist bei den Ausnahmen einzutragen. Es liegt im Ermessen des/der TSM-Node-Verantwortlichen, diesen Agent zu installieren.
Auch wenn der Agent installiert und produktiv ist, bleibt die Verantwortung über die Installation und die gewünschte Funktionalität des TSM-Nodes beim Node-Administrator!
Downtimes
Derzeit sind keine Wartungsarbeiten geplant die eine Unterbrechung des Services benötigen.
Neue Versionen
Die neueste Client Version 6.2.2 ist seit Mitte Dezember 2010 verfügbar:
Download Maintenance Level (http://ftp.software.ibm.com/storage/tivoli-storage-management/maintenance/client/v6r2/)
und wenn vorhanden deren Patches (http://ftp.software.ibm.com/storage/tivoli-storage-management/patches/client/v6r2/)
IBM Tivoli Storage Manager Client Documentation V5
IBM Tivoli Storage Manager Client Documentation V6.1
IBM Tivoli Storage Manager Client Documentation V6.2
TSM Quick Facts von Richard Sims
in Arbeit