Das Seminar entstand durch die Initiative von Frau Ao.Univ.Prof.in Dr.in Brigitte Eisenwort, Zentrum für Public Health, Institut für Medizinische Psychologie, MedUni Wien
Inhalt
Gehörlose PatientInnen stellen durch ihre spezifische sprachlich-kommunikative Situation eine besondere Patientengruppe dar. In Österreich leben etwa 450.000 Menschen, die aufgrund einer Hörbehinderung in der Kommunikation mit Anderen beeinträchtigt sind. Etwa 8.000 – 10.000 Menschen sind gehörlos und einige weitere tausend so hochgradig schwerhörig oder ertaubt, dass ihnen eine Verständigung allein über das Gehör auch mit Hörhilfen kaum möglich ist. Viele dieser Betroffenen verwenden die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS). Hörende Personen sind im Kontakt mit gehörlosen Personen oft von der meist als schwierig bis unmöglichen eingeschätzten Kommunikationssituation überrascht.
Das Seminar soll zu einem Verständnis für diese PatientInnengruppe führen und somit einen sichereren Umgang im Alltag ermöglichen.
Soziale Umstände und Bildungssituation von Gehörlosen
Die Gehörlosengemeinschaft unterscheidet sich von anderen Behindertengruppierungen darin, dass sie eine eigene Sprache (Gebärdensprache) und Kultur hat. So können Gehörlose u.a. als kulturell-sprachliche Minderheit gesehen werden. Sprache und Kultur sollen erläutert werden. Es wird auf die sozialen Umstände und die Bildungssituation von gehörlosen Menschen in Österreich eingegangen und aufgezeigt, wodurch und wie Gehörlose in Österreich Diskriminierung in vielen Bereichen erleben.
Umgang mit Gehörlosen
Die Gehörlosenkultur wird erläutert und das Leben in der Welt der Gehörlosen mit Einblicken in die Gehörlosengeschichte verständlich gemacht. SeminarteilnehmerInnen sollen erfahren, dass hörende Menschen, die keine Gebärdensprache beherrschen, trotzdem mit Gehörlosen (auch ohne DolmetscherIn) kommunizieren können. Für eine gelingende Kommunikation werden Regeln und Verhaltensweisen der Gehörlosengemeinschaft transparent gemacht.
Kommunikation mit gehörlosen PatientInnen
Voraussetzungen werden erarbeitet, die zu einer erfolgreichen Beziehung zwischen medizinischem Personal und gehörlosen PatientInnen führen.
Einführung in die Österreichische Gebärdensprache
• Grundregeln der Österreichischen Gebärdensprache und -Grammatik
• Visuelle Kommunikation: Sensibilisierung von Verständnis und Ausdruck
Workshop: Österreichische Gebärdensprache mit Schwerpunkt 'Ärztliche Gesprächsführung (ÄGF)'
• Praktische Anleitung in nonverbaler und visuell-gestischer Kommunikation
• Es werden Grundlagen der Anamneseerhebung (nach G. Engl) in ÖGS vermittelt. Die TeilnehmerInnen lernen, wichtige Fragen selbst in ÖGS formulieren lernen, um Antworten ihrer gehörlosen PatientInnen besser verstehen zu können.
Umgang mit DolmetscherInnen
• Was ist Dolmetschen, Gebärdensprachdolmetschen? Differenzierung: HelferIn, GebärdensprachdolmetscherIn, SozialarbeiterIn
• Wann sind DolmetscherInnen hilfreich?
• Dolmetschsetting Arztbesuch: spezifische Merkmale, optimale Bedingungen für das Gespräch, die Untersuchungssituation, etc.
• Einfluss der DolmetscherIn auf die Kommunikation
• Bestellung von GebärdensprachdolmetscherInnen
• Bezahlung von GebärdensprachdolmetscherInnen
Struktur
1. Methoden:
• Moderierter Austausch in der Gruppe
• Vortrag + Präsentation
• Praktische Übungen
• Anschauungsmaterialien
2. Eingesetze Sprachen:
• Österreichische Gebärdensprache
• Deutsch (Schriftsprache, Lautsprache).
• Übersetzung durch GebärdensprachdolmetscherInnen
Zielgruppe
MitarbeiterInnen der MedUni Wien
Seminarleitung
DSA Romeo Seifert: Sozialarbeiter im KH Barmherzige Brüder, Ambulanz für Gehörlose, allgemeine Sozialberatungsstelle, Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Gebärdensprache, Soziologie und Gehörlosenkultur
Mag.a Stephanie Häfele-Hausmann: Geprüfte Gebärdensprachdolmetscherin, Klinische und Gesundheitspsychologin, Arbeit mit gehörlosen KlientInnen in eigener Praxis, Erfahrung im Krankenhaus-Setting
Univ.-Prof. Dr. Brigitte Eisenwort, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, MedUni Wien
Stunden
12 Stunden
Anmeldung/ Termine
Die aktuellen Termine zu diesem Seminar finden Sie im Med.Campus unter "PE-Seminare".
Als MitarbeiterIn der MedUni Wien melden Sie sich mit Ihrer MedUni Wien-UserID im Med.Campus unter https://campus.meduniwien.ac.at an. Auf Ihrer Visitenkarte finden Sie den Punkt „PE-Seminare“. Öffnen Sie das Seminar im jeweiligen Semester und klicken Sie auf den Button „Anmelden“.
Externe InteressentInnen können sich per E-Mail unter personalentwicklung@meduniwien.ac.at über die Termine informieren und anmelden.
Die Teilnahme an allen Terminen des Seminars wird vorausgesetzt. Voraussetzung für den Erhalt einer Teilnahmebestätigung ist eine Anwesenheit von mindestens 75 Prozent der Veranstaltungszeit. Es wird um pünktliches Erscheinen ersucht. Im Falle einer Verhinderung ist eine Abmeldung erforderlich.
Weitere Informationen: Anmeldungs- und Teilnahmebedingungen
Ansprechpartnerin: Barbara Fürst unter personalentwicklung@meduniwien.ac.at
Teilnahmegebühr
MitarbeiterInnen der MedUni Wien: kostenlos
Externe TeilnehmerInnen: 156 Euro
MitarbeiterInnen anderer Universitäten: 108 Euro
Die für das Diplom-Fortbildungs-Programm (DFP) der Österreichischen Ärztekammer approbierte Veranstaltung ist für FachärztInnen/AllgemeinmedizinerInnen als 'Freie Fortbildung' anrechenbar. Bitte geben Sie uns bei der Anmeldung Ihre ÖÄK-Arztnummer bekannt. Informationen siehe: Diplom-Fortbildungs-Programm (DFP)
