Richtlinien über "Good Scientific Practice" zu erstellen war schon lange ein vorrangiges Anliegen der Medizinischen Universität Wien. Denn die Beratung und Begutachtung von klinischen und experimentellen Forschungsprojekten durch die an der Medizinischen Universität Wien seit über 20 Jahre eingerichtete Ethikkommission und durch eine ebenso lange bestehende Tierversuchskommission sind bei weitem nicht mehr ausreichend. Die Ethikkommission hat zwischenzeitlich über 300 Projekte pro Jahr zu bearbeiten. Beratung zu ethischen Grundsatzfragen und deren Einhaltung übersteigen daher zwangsläufig deren Kapazität. Hinzu kommt die international steigende Zahl wissenschaftlicher Fehlleistungen bis Vergehen ("frauds"), über die in Wissenschaftsmedien, aber auch bisweilen schon in Massenmedien berichtet wird. Mit Streitfällen, wie Doppelpublikationen, ungerechtfertigten Autorenschaften und Plagiarismus haben Leitungsorgane an Universitäten bedauerlicherweise in zunehmendem Maße zu tun.
Die vorliegende Broschüre, an der eine Reihe namhafter Vertreter der Medizinische Universität Wien mitgearbeitet hat und die sich an internationalen Beispielen orientiert, soll Hilfestellung geben, wie wissenschaftliche Daten ethisch sauber erhoben werden, wie sie zu einer Publikation zusammenzufassen und nach welchen Kriterien zu publizieren sind. Die neue Medizinische Universität Wien will sich damit einen Ehrenkodex auferlegen, bei dessen Einhaltung letztlich auch das Renomée ihrer Wissenschaftler und Lehrer steigt, wenn sie ihre Daten publizieren. Aber erst wenn es gelingt, Verstöße gegen die in dieser Broschüre genannten Richtlinien mit wirksamen Konsequenzen zu begegnen, wird ihr wesentliches Ziel erreicht sein.
Mögen die Richtlinien für Ethik in Wissenschaft und Forschung sowohl Informationsquelle als auch permanenter Mahner für wissenschaftlich korrektes Verhalten sein!
Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schütz
Rektor der Medizinischen Universität Wien
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