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Medizin wird vor allem mit der Behandlung von Kranken und der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Krankheiten gleichgesetzt. Unsere Gesellschaft stellt aber noch einen anderen Anspruch an die Medizin: Die gutachterliche Sachverständigen­tätigkeit – neben Diagnose und Therapie ist heute die Begutachtung sowohl im Interesse des Patienten, aber auch im Interesse der Allgemeinheit ein wichtiger Aufgabenkomplex der ärztlichen Tätigkeit geworden. Gutachterliche Tätigkeit wird dabei von vielen erfahrenen Ärzten verschiedenster Fachgebiete (Psychiatrie, Geburtshilfe, Kinderheilkunde etc.), häufig im universitären Kontext, ausgeübt.

 

In unserem Rechtssystem übernimmt die Gerichtsmedizin besonders in Fällen von Gewaltdelikten, insbesondere bei tödlichem Ausgang, die Rolle einer unabhängigen medizinisch-fachlichen Instanz. Sie stellt dabei die Zusammenhänge zwischen medizinischen Sachverhalten und rechtlichen Fragestellungen her und ist somit eine wesentliche Säule unseres Rechtsstaates.

 

An den medizinischen Universitäten hat die Gerichtsmedizin eine Sonder­stell­ung, weil sie, etwa im Gegensatz zur Pathologie, in keiner Phase von Dia­gnostik, dem eigentlichen Kernbereich der Pathologie, und Behandlung involviert ist. Diese Sonderstellung ist ein unverzichtbarer Bestand­teil z.B. in der objektiven und unabhängigen Beurteilung ärztlicher Behandlungs­fehler.

 

 

Die völlige Unabhängigkeit aller allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen, sowohl in dienstrechtlicher als auch finanzieller Hinsicht, ist eine wesentliche Säule eines demokratischen Rechtsstaates. Nur eine „Gerichtsmedizin“ mit völlig unabhängigen und weisungsfreien Sachverständigen garantiert – entkoppelt von finanziellen Abhängigkeiten – eine „objektive Wahrheitsfindung“ und somit die „Möglichkeit zur Gerechtigkeit“.

 

Gerichtsmedizin ist eine vielfältige wissenschaftliche Disziplin, deren Forschungen für viele gesellschaftliche aber auch andere medizinische Bereiche von maßgeblicher Bedeutung sind. So ist die Durchführung von Obduktionen eine wichtige Qualitätskontrolle für die Medizin an sich – Obduktionen sind fester Bestandteil der so genannten „good medical practice“. Obduktionen helfen Todesursachen festzustellen und Entscheidungsgrundlagen für die Entwicklung medizinischer Methoden zu liefern. Obduktionen sind unabdingbar für die Richtigkeit der statistischen Erfassung der Todesursachen und die Aufdeckung gewaltsamer Todesfälle.

 
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