
Aus Münster (Professur für Psychosomatik in der Zahnheilkunde) ausgerechnet nach Wien mit seinem komplizierten Psychoanalyse-Hintergrund? Für Doering im APA-Gespräch offenbar kein Problem: „Ich bin ja nicht ganz ohne Österreichbezug. Ich habe zehn Jahre in Innsbruck verbracht, meine Frau ist Österreicherin. Mit der Klinik hier habe ich im Rahmen einer internationalen Studie zusammen gearbeitet, die im vergangenen Jahr im ‚British Journal of Psychiatry‘ veröffentlicht wurde.“
Doering ist mit den Möglichkeiten an der Meduni Wien als Nachfolger von Marianne Springer-Kremser offenbar sehr zufrieden: „Lehrstuhl bzw. Klinik gehören international zu den großen Einheiten. Wir haben hier zehn Beschäftigte, das gibt es in vergleichbaren Institutionen selten. Und Wien hat sehr viele und sehr gut ausgebildete Psychotherapeuten.“
Das könnte die Basis für eine erfolgreiche wissenschaftliche Tätigkeit sein. Der Wissenschafter: „Mein Arbeitsschwerpunkt ist die Psychotherapieforschung, speziell die Erforschung psychoanalytisch basierter Therapien. Es ist viel mehr objektiv bewiesen, als man glauben könnte. Psychoanalyse bzw. Psychotherapie sind in der Behandlung einiger psychischer Erkrankungen so wirksam wie Medikamente. Das gilt zum Beispiel für Angststörungen, Depressionen, Traumafolgestörungen und Persönlichkeitsstörungen. Bezüglich der Behandlung von leichten und mittelschweren Depressionen wissen wir, dass die Psychotherapie genauso gut wie Medikamente wirkt, allerdings nachhaltiger.“
Die Modellierung von Regelkreisen im Gehirn durch die Psychotherapie hält offenbar länger an als bei einem Arzneimittel nach dem Beenden der Einnahme. Doering: „Man kann den Effekt von Psychotherapie auch mit technischen Mitteln, zum Beispiel mit Bild gebenden Verfahren wie Magnetresonanz- oder PET-Untersuchungen (Positronen-Emissions-Tomographie) sichtbar machen.“
(Quelle: APA)