
Aus den Erkenntnissen, dass Krankheiten und Störungen nur Frauen, hauptsächlich Frauen oder Frauen anders als Männer betreffen können, wurden seit mehr als 10 Jahren Forderungen im Gesundheitswesen erhoben, den Fokus verstärkt auf eine geschlechtsspezifische Betrachtungsweise der Gesundheit von Frauen und Männern zu lenken. Diese Forderungen beinhalten sowohl verstärkte Anstrengungen im Bereich der Wissenschaft und Forschung als auch Forderungen nach einer frauen/männergerechten Versorgung, sowie Rahmenbedingungen in denen die Gesundheit von Frauen und Männern erhalten, verbessert bzw. wiederhergestellt wird, da ein unzureichendes Verständnis über die Entstehung von Krankheitsprozessen, wie und warum diese von jenen bei Frauen/Männern differieren, zu unzureichenden oder falschen Interventionen sowohl in der Prävention als auch in der Diagnostik und Therapie führen kann.
Demzufolge ist ein verstärkter Bedarf an entsprechenden Kompetenzen in Gender-Medicine sowohl im Bereich der Grundlagenforschung, den verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen, als auch im Bereich Public Health und Gesundheitspolitik festzustellen.
Im europäischen Raum wurde bis dato keine umfassende medizinische postpromotionelle Ausbildung im Bereich „Geschlechtsspezifische Medizin“ angeboten, die ein umfassendes Wissen über Frauen- und Männergesundheit gemäß dem bio-psycho-sozialen Modell von Gesundheit und Krankheit, sowie geschlechtssensible Haltungen und klinische Fertigkeiten vermittelt. Diesen aktuellen Erfordernissen und Ausbildungsbedürfnissen im Gesundheitssystem soll durch die Errichtung des Universitätslehrganges "Gender-Medicine" an der Medizinischen Universität Wien nachgekommen werden.