Eine wichtige Voraussetzung für Tumorwachstum, Absiedelung von Krebszellen und Entstehung von Tochtergeschwülsten ist die Neubildung von Blutgefäßen, die auch als Neo-Angiogenese bezeichnet wird. Ein Stecknadelkopf ist die kritische Größe, bei der ein Tumor aus dem umliegenden Gewebe nicht mehr genug Sauerstoff und Nährstoffe aufnehmen kann – er benötigt Blutgefäße, um seinen Weiterbestand zu gewährleisten. Diese Gefäße werden über Signale (Wachstumsfaktoren), die von diesen Tumorzellen ausgesandt werden im Tumorgewebe gebildet. Sie entstehen aus umliegenden Blutgefäßen durch Sprossung, bzw. aus Vorläuferzellen, die dem Knochenmark entstammen, im Tumorgewebe neu gebildet.
In der experimentellen Krebsforschung werden derzeit Mechanismen und Regelkreise, die zu dieser Gefäßbildung in Tumoren beitragen, intensivst untersucht. Auf Basis dieser Erkenntnisse ist es bereits gelungen Medikamente zu entwickeln, die eine Gefäßneubildung im Tumor verhindern bzw. unterbrechen, wodurch dieser – mangels an Nährstoffen - „ausgehungert“ wird und abstirbt. In klinischen Untersuchungen wurde nun gezeigt, dass diese neu entwickelten Medikamente auch beim Menschen wirksam sind, bzw vielversprechende Therapieansätze darstellen.
Am Institut für Krebsforschung arbeiten wir seit einigen Jahren an Projekten zum Studium des Wachstum und der Charakteristika von Gefäß-Endothelzellen (=Zellen, die Gefäße bilden) aus malignen Tumoren (sogenannte „tumorassoziierte Endothelzellen“).
Ziel unserer Forschungsarbeit war zunächst die Schaffung eines in vitro ( Labor -) Modells, um Regulationsphänomene und Mechanismen der Neoangiogenese, die in vivo dh . am Patienten - nicht zugänglich sind, zu untersuchen. Weiters wollen wir durch die molekulare Charakterisierung tumorassoziierter Endothelzellen Strukturen entdecken, die sich zur Entwicklung von zielgerichteten - punktgenauen Therapien - zur Hemmung/ Unterdrückung/Unterbrechung der Neo-Angiogenese eignen.
Thomas Mohr und Michael Micksche