Freie Radikale und deren reaktive Verbindungen (ROS) sind sowohl Freunde als auch Feind e des menschlichen Organismus. Dabei bestimmt die Menge die Art der Wirkung. Biologische Konsequenzen sind im “guten Sinn“ die Steuerung zellulärer Vorgänge und im „schlechten Sinn“ die Schädigung sämtlicher Zellbestandteilen als Auswirkung eines Vorgangs der als oxidativer Stress bezeichnet wird. ROS sind durch eine hohe chemische Reaktivität gekennzeichnet. Sie werden im Organismus (endogen) entweder im Rahmen diverser Stoffwechsel- oder Entzündungsvorgänge gebildet oder durch von außen herangebrachte (exogene) und als Hauptauslöser wirksame Einflüsse - wie Chemikalien, Infektionserreger bzw. jede Form von Strahlung (Röntgen, Ultraviolette Strahlung der Sonne ) - ausgelöst.
Im Organismus und in jeder Zelle befinden sich eine Reihe von Schutzsystemen die ROS direkt abfangen oder inaktivieren (Radikalfänger), die Entstehung oxidativer Prozesse unterbinden oder auch bereits eingetreten Schäden reparieren können. Ist das Schutzsystem des Organismus nicht ausreichend oder defekt, kommt es zu einer Wechselwirkung mit zellulären Strukturen und Molekülen. In der weiteren Folge entstehen Reaktionen die entweder zur Schädigung der Zelle - bis zum Zelltod - oder aber auch neben chronischen- entzündlichen Erkrankungen zu Krebs führen können.
Es ist mehr oder weniger erwiesen, dass Lebensgewohnheiten, Ernährung und Nahrungsmittelbestandteile das antioxidative Schutzsystem des Organismus beeinflussen. In diesem Zusammenhang ist der Einsatz von Inhaltsstoffen herkömmlicher Nahrungsmittel - entweder in Form von angereicherten Extrakten oder als gereinigte Substanzen- aktueller den je. Allerdings wird aufgrund der Tatsache, dass es sich hierbei um Naturstoffe handelt, nicht nur in der Laienpresse Unbedenklichkeit propagiert, sondern auch vom Konsumenten selbst auf Harmlosigkeit, gute Verträglichkeit und das Fehlen jeglicher Nebenwirkungen geschlossen. Bisher konnten jedoch weder die vielversprechenden Ergebnisse von Untersuchungen an isolierten Zellen noch jene von Tierexperimenten beim Menschen eindeutig bestätigt werden. Vielmehr gibt es wesentliche Hinweise, dass übermäßiger bzw. erhöhter Konsum von Nahrung mit diesen Ergänzungsmitteln nicht unbedenklich ist.'
Schwerpunkt dieses Forschungsprojekts ist die Untersuchung von sogenannten Phytochemikalien (sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die keinen besonderen Ernährungswert haben) auf potentiell antioxidative Aktivität und einer damit verbundenen Schutzwirkung gegen chemisch- und UV-induzierten Stress–Schäden. Besondere Berücksichtigung finden dabei Grüner Tee - der aufgrund seiner langen Geschichte fast Kultcharakter bezüglich seiner gesundheitsfördernden Wirkung hat - und dessen Hauptinhaltsstoff Epigallocatechin-3-gallat (EGCG) sowie der Rotweininhaltstoff Resveratrol, der für das French Paradoxon – trotz üppiger Lebensweise ein relativ niedriges Herzinfarktrisiko in Frankreich - verantwortlich gemacht wird. Diese Inhaltstoffe werden heute als Nahrungsmittelzusätze/Ergänzungen („Functional Foods“) oder in gereinigter Form in der sie den normalen „Nähr“wert übersteigen („Nutraceuticals“) zur generellen Gesundheitsvorsorge aber auch zur Krebsprävention und Behandlung empfohlen. Widersprechende Daten auf diesem Forschungsgebiet fordern grundlegende Untersuchungen zur Wirkung dieser Substanzen damit Empfehlungen zur richtigen Anwendung sowohl beim Gesunden als auch Patienten abgegeben werden können.
Leonilla Elbling