Wenn aus einer normalen Zelle im Laufe der Zeit eine Krebszelle entsteht, beruht dies auf genetischen Veränderungen, die manche Gene, vor allem solche die an der Zellteilung maßgeblich beteiligt sind, besonders aktiv und unkontrolliert machen. Für diese Gene wurde der Ausdruck "Onkogene" geprägt. Menschliche Zellen werden von der Aktivität von geschätzten 20.000 Genen geregelt. Die Zahl der potentiellen Onkogene liegt derzeit bei ca. 1.000.
Um im Labor aus normalen Zellen Krebszellen herzustellen, benötigt man mindestens 4 verschiedene Onkogene und die dann das normale Wachstum der Zellen zum Entgleisen bringen. Im Menschen wird die Mindestzahl an erforderlichen Mutationen eine ähnliche sein, auch wenn für manche Tumore bis zu 20 verschiedene aktivierte Onkogene angenommen werden. Letzendlich ist es das Zusammenspiel einer Reihe von veränderten Eigenschaften, die eine Zelle entarten lassen. Für die experimentelle Entartung von Nagetierzellen im Labor benötigt man nur zwei verschiedene Onkogene. Hier hat es die Natur - angesichts der Kurzlebigkeit und Vermehrungsfreudigkeit der Tiere - mit der streng regulierten Zellteilung offenbar nicht so genau genommen.
Als Beispiel sein hier die Zusammenarbeit von c-myc und c-H-ras angeführt. Das Onkogen c-myc verleiht den Zellen ein unbegrenztes Wachstum, während c-H-ras eine Vielzahl an Signalwegen innerhalb der Zelle aktiviert, und somit die Zellteilung weiter vorantreibt. Aber: wenn normale Zellen nur eines dieser Onkogene im Übermaß produzieren, altern sie schneller oder/und sterben ab.
Wir haben nun herausgefunden, dass gleichzeitig mit den morphologischen Veränderungen der Zellen das Absterben durch zuviel Myc von Ras verhindert wird. Umgekehrt haben wir gefunden, dass die Zellalterung durch zu viel Ras durch die "Unsterblichkeitsfunktion" von Myc aufgehoben wird.
Christa Cerni & Chantal Rodgarkia-Dara
in Memoriam
Christa Cerni
31.01.1945 - 26.12.2003