
Molekulare Epidemiologie, ein relativ neues Gebiet der Krebsforschung, kombiniert klassische Methoden der Epidemiologie, wie Fallstudien und Fragebögen, mit sensitiven Labortechniken der Molekularbiologie. Die klassische Epidemiologie hat bereits entscheidend zum Verständnis von Krebsrisiken beigetragen, z.B. dass Rauchen die Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu erkranken, drastisch erhöht. Über die genaue Abfolge der Ereignisse, von der Exposition bis zum Ausbruch einer Krebserkrankung, gibt die klassische Epidemiologie allerdings keine Auskunft.
Warum erkrankt nur einer von 10 starken Rauchern an Lungenkrebs?
Warum erkranken gewisse Personen schon in jüngeren Jahren?
Manche Personen haben offenbar eine besondere Empfindlichkeit gegenüber kanzerogenen Stoffen im Zigarettenrauch und der Umwelt. Hier setzt die molekulare Epidemiologie an, mit dem Ziel dem eigentlichen Krebsgeschehen vorausgehende entscheidende Ereignisse aufzuspüren, und messbare biologische Signale dafür zu identifizieren. Diese Forschungsrichtung versucht also frühzeitige biologische Warnschilder, sogenannte Biomarker, für ein erhöhtes Krebsrisiko zu finden. Solche Biomarker können z.B. DNA-Addukte oder genetische Polymorphismen sein. Ziel ist es, eine vererbte Disposition auf molekularer Ebene zu erkennen und dieses Wissen zur besseren Krebsprävention zu nutzen. Personen mit erhöhtem Risiko könnten Krebserkrankungen vorbeugen, indem sie die für sie gefährlichen Faktoren möglichst meiden beziehungsweise indem sie sich engmaschiger Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen unterziehen.
Andrea Gsur