

Lebensstilfaktoren können nicht nur Krebs erzeugen, sondern tragen auch zu dessen Vorbeugung bei. Ungeachtet der eher ungesunden Reputation des Kaffeekonsums zeigten zahlreiche Krebsstudien an verschiedenen Organen des Menschen keinen eindeutigen Zusammenhang mit einer Erhöhung des Krebsrisikos. Dagegen ergaben mehrere Untersuchungen eine Schutzwirkung gegenüber Darmkrebs und andeutungsweise anderen Krebsarten. Bei der Aufklärung der Mechanismen dieses Schutzeffektes, muss berücksichtigt werden, dass Kaffee keine Einzelsubstanz sondern ein Gemisch aus > 1.000 verschiedenen Stoffen ist und dass die Zusammensetzung auch massiv von der Zubereitung (z.B. Filterung) beeinflusst wird.
Dabei wird die Schutzwirkung weniger mit Koffein als mit anderen Bestandteilen in Verbindung gebracht, v. a. mit Kahweol und Cafestol (K/C), zwei Komponenten des ungefilterten Kaffees. In Tierversuchen, mit denen anders als in Humanstudien Einzelstoffe systematisch untersucht weden können, schützten K/C vor mehreren humanrelevanten Krebserregern, wie z.B. dem beim Braten entstehenden und vom Menschen in großen Mengen aufgenommenen PhIP oder dem Pilzgift Aflatoxin B1. Die Schutzwirkung von K/C beruht auf der Tatsache, dass die meisten krebserregenden Stoffe erst durch den Körperstoffwechsel zu ihrer schädlichen Form aktiviert werden, wohingegen andere Stoffwechselschritte zur Entgiftung führen. Wir haben nun gefunden, dass K/C mehrere Aktivierungschritte der Krebsserreger hemmt und mehrere Entgiftungsschritte verstärkt. Außerdem stimuliert K/C die Reparatur bestimmter Erbgutschäden, sodass der Schutz eventuell auch noch nach bereits eingetretenem DNA-Schaden wirksam sein und weitere Substanzklassen wie z.B. die für den Menschen wichtigen N-Nitrosoverbindungen betreffen könnte. Obwohl hinsichtlich einer möglichen Anhebung des Cholesterinspiegels durch höhere K/C Dosen eine gewisse Vorsicht geboten ist, erscheinen K/C vielversprechend für Strategien zur Krebsvorbeugung.
Wolfgang Huber