Einige epidemiologische Untersuchungen deuten darauf hin, daß der Konsum von Kohlgemüse invers mit der Inzidenz des Dickdarmkarzinoms korreliert. Wir gingen in unseren Untersuchungen von der Annahme aus, das dieses Phänomen auf Schutzeffekten der Gemüse vor heterozylischen Aminen (HAs) zurückzuführen ist die bei der Fleischzubereitung entstehen und die möglicherweise an der Ätiologie von CRC kausal beteiligt sind. Tatsächlich fanden wie in in vitro Experimenten mit Humanzellen und in Tierexperimenten, daß Brassicaceen vor HA induzierten DNA Schäden schützen und weiters, daß auch die Auslösung von Tumorvorstufen (präneoplastischen Läsionen) durch HAs in Leber und Dickdarm verhindert wird. Wir konnten diesen Effekt auf eine Induktion von Glukuronosyltransferase zurückführen.
Dieses Enzym spielt bei der Entgiftung kanzerogener Stoffwechselprodukte der HAs eine zentrale Rolle. Nachfolgend zeigte eine amerikanische Arbeitgruppe, daß die Ausscheidung von HA-Glukuroniden auch beim Menschen durch Konsum von Kohlsprossen signifikant erhöht wird. In einer aktuellen humanen Interventionsstudie mit Kohlsprossen entdeckten wir einen weiteren Schutzmechanismus: die Auslösung von DNA Schäden durch PhIP (das am häufigsten vorkommende HA in geratenem Fleisch konnte nach Verzehr der Gemüse in peripheren Blutzellen fast völlig unterbunden werden, und wir konnten zeigen daß an diesem Effekt eine Inhibition des Enzyms Sulfotransferase beteiligt das die Umwandlung von PhIP zu kanzerogenen Stoffwechselprodukten katalysiert. Die erwähnte Studie ist übrigens die erste Untersuchung die zeigt, daß Kohlgemüse beim Menschen vor DNA Schäden schützen.
Siegfried Knasmüller