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Krebs durch Pestizide?


Pestizide sind Nervengifte, wodurch sie Pflanzenschädlinge töten können. Verbindungen wie DDT und Hexachlorcyclohexan (HCH) können sich aufgrund ihrer hohen Stabilität und Fettlöslichkeit in der Nahrungskette und besonders im Fettgewebe anreichern. Bei chronischer Einwirkung durch lebenslange Fütterung hoher Dosierungen an Ratten und Mäuse entwickeln sich Lebertumoren. HCH und DDT schädigen das Erbmaterial nicht, sie sind keine Mutagene.

Zur Prüfung auf tumorpromovierende Eigenschaften wurden Ratten mit einer einmaligen Dosis eines Kanzerogens und danach mit ansteigende Konzentrationen HCH gefüttert . Nach 20 Wochen fanden wir in den Lebern Tumorvorstufen, die bezüglich Zahl und Größe mit der Dosis der drei HCHs zunahmen.

HCH im Futter führt zu dosisabhängigem Wachstum von Tumorvorstufen (Foci) in der Leber; es wirkt als Tumorpromoter.
g -HCH = Insektizid Lindan; a -HCH und b -HCH = Kontaminanten; PB = Barbiturat/Schlafmittel, hier eingesetzt als interner Standard für tumorpromovierende Wirkung. Beachte: In Lebern, die nur einmalig mit einem Kanzerogen vorbehandelt waren und dann keine Substanz im Futter erhielten (Dosis 0, ganz links) waren nach 20 Wochen die Fociflächen nicht signifikant vergrößert. 

Aus den Ergebnissen und den zugehörigen Fettgewebskonzentrationen konnten wir die Wirkungsschwellen, bei denen keine tumorpromovierende Wirkung mehr feststellbar ist, ableiten. Zur Risikobewertung wurden diese HCH-Konzentrationen bei der Wirkungsschwelle in der Ratte mit jener im menschlichen Fettgewebe verglichen. Ein durch HCH-Exposition beschleunigtes Tumorwachstum wäre in der Normalbevölkerung erst bei 20 bis 100-fach höherer Belastung zu erwarten, vorausgesetzt Mensch und Ratte reagierten gleich empfindlich. Diesen Vergleich haben wir an primären Leberzellkulturen der beiden Spezies vorgenommen . Weder durch HCH noch durch die anderen Tumorpromoter konnte in den vom Menschen gewonnenen Leberzellpräparationen Stimulation einer Wachstumsreaktion induziert werden, wohl aber in Rattenleberzellen. Leberzellen des Menschen sind offensichtlich weit weniger empfindlich als Rattenleberzellen.

Somit ergaben diese Untersuchungen keine Hinweise darauf, dass Pestizide vom Typ der chlorierten Kohlenwasserstoffe beim Menschen eine tumorpromovierende Wirkung in der Leber besitzen.

Schröter C, Parzefall W, Schröter H, and Schulte-Hermann R (1987) Dose-Response Studies on the Effects of Alpha-, Beta-, and Gamma-Hexa Chlorocyclohexane on Putative Preneoplastic Foci, Monooxygenases and Growth in Rat Liver. Cancer Research. 47, 80-88

Parzefall W, Erber E, Sedivy R, and Schulte-Hermann R (1991) Testing for Induction of DNA Synthesis in Human Hepatocyte Primary Cultures by Rat Liver Tumor Promoters. Cancer Res. 51, 1143-1147

Wolfram Parzefall 

 

 
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