Die Zusammensetzung der Ernährung ist bei Entstehung und Wachstum von Krebs von großer Bedeutung. Forscher an der Abteilung für Toxikologie gehen der Frage nach, ob auch die Gesamtkalorienmenge der Nahrung wichtig sein kann.
Körperzellen sterben ab, die bei der üblicherweise uneingeschränkten Kalorienaufnahme am Leben blieben. Schließlich muss der Körper bei Energiemangel aushalten und „entsorgt“ nicht mehr benötigte Zellen. Welche Zellen werden als überschüssig erkannt? Ratten erhielten eine kalorienreduzierte Diät. Dadurch wurde das Gleichgewicht zwischen Zellerneuerung und Zelltod (Apoptose) in der Leber aufgrund der niedrigeren Energiezufuhr zum Zelluntergang hin verschoben. Zellen in Tumorvorstufen der Leber reagierten besonders stark mit Apoptose auf das geringere Nahrungsangebot. Während die Leber durch geringfügigen Zellverlust etwas verkleinert wurde, waren die prämalignen Zellklone hingegen stark geschrumpft oder gänzlich verschwunden. So konnten durch eine simple Reduktion der täglichen Kalorienaufnahme Zellen in Tumorvorstufen zu aktivem Zelltod angeregt werden. Offensichtlich entfernt der Organismus vor allem bereits veränderte, und für ihn potentiell bedrohliche Zellen in Zeiten des Energiemangels.
Reduzierte Nahrungsaufnahme – in physiologischem Ausmaß – verlängert die Lebenszeit bei unterschiedlichen Spezies durch den verzögerten oder gar verhinderten Ausbruch lebensbedrohender Erkrankungen, wie z.B. Krebs. Diese Beobachtung ist phylogenetisch unabhängig. Es ist anzunehmen, dass diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragbar sind.
Bettina Grasl-Kraupp