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Spezialambulanz: Traumatologie
Univ. Prof. DDr. A. Baumann

Schemazeichnung eines Unterkiefers mit
den möglichen Frakturlinien (1 bis 7)

 


Schemazeichnung eines Unterkiefers nach erfolgter operativer Versorgung. Eine Osteosyntheseplatte ist
mit vier kortikalen Schrauben fixiert.

Unterkieferfrakturen

Definition
Frakturen des Unterkiefers werden je nach Lokalisation unterschiedlich bezeichnet (siehe Schemazeichnung):

1 Alveolarfortsatzfraktur
2 seitliche Unterkieferfraktur (paramediane)
3 Kieferwinkelfraktur
4 Korpusfraktur
5 Ramusquerfraktur
6 Kollum- und Kapitulumfraktur
7 Fraktur des Prozessus muskularis


Therapieziele
Das Ziel der Therapie besteht darin, Form und Funktion des Unterkiefers wiederherzustellen. Besonderer Wert wird auf die Wiederherstellung der Okklusion und der Funktion von motorischen und/oder sensiblen Nerven gelegt. Weiterhin sollen Infektionen vermieden, Schmerzen beseitigt und die Erkrankungsdauer verkürzt werden.

Therapieindikationen
Bei der Indikation zur Therapie muß zwischen geschlossenen und offenen Frakturen (mit Zerreißung der Mundschleimhaut und/oder Zähnen im Bruchspalt) unterschieden werden. Offene Frakturen sollten zur Infektionsprophylaxe einer raschen Therapie zugeführt werden.
Klinischer Hinweis auf eine Unterkieferfraktur
Röntgenologischer Nachweis einer Unterkieferfraktur
Okklusionsstörung
Dysfunktion
Sensorische und/oder motorische Nervenfunktionsstörung (N. alveolaris inferior, N. mentalis, N. lingualis, N. facialis)
Mobile Frakturfragmente
Kontinuitätsdefekt
Fremdkörper
Verletzung von Weichgeweben oder weiterer Knochenstrukturen
Starke Blutung
Gehörgangsverletzung

Untersuchungen
Inspektion
Palpation
Vitalitätsprobe
Sensibilitätsprüfung
Funktionsprüfung N. facialis
Röntgen in 2 Ebenen
Computertomographie bei Mehrstückfrakturen
Abformung und Modellherstellung beider Kiefer zur Simulation der Reposition mit Okklusionskontrolle und ggf. zur Anfertigung individueller Schienen


Therapie
Eine Unterkieferfraktur kann konservativ oder operativ versorgt werden. Die Wahl des Therapieverfahrens wird von folgenden Faktoren beeinflußt:
Ein- oder Mehrstückfraktur
Stabilität der Fraktur
Notwendigkeit der Frühmobilisation (z.B. begleitende Collumfrakturen)
Begleitende Verletzungen (z.B. Weichteilverletzungen) welche operativ versorgt werden müssen.
Kontinuitätdefekte
Alter des Patienten
Compliance und Kooperation des Patienten

Konservative Therapie
Verlaufsbeobachtung
Diät entsprechend der Frakturstabilität (z. B. passierte oder flüssige Kost)
Geschlossene Frakturrepositionierung
Ruhigstellung
Funktionstherapie

Abb. 5 Schemazeichnung. Bei einer nicht verschobenen Kollumfraktur wird der Unterkiefer mit dem Oberkiefer ‚zusammengehängt’ (= intermaxilläre Fixation)
Operative Therapie
Bei einer offenen Reposition wird zumeist in Narkose die Fraktur dargestellt und nach der Reposition mit Platten (= Osteosynthese) stabilisiert. Dabei können resorbierbare oder Titaniumplatten verwendet werden. Der Einsatz des Materials hängt von der Art der Fraktur, der Compliance des Patienten und der Mundhygiene ab.

Empfehlung
Meist muß die Behandlung stationär durchgeführt werden. Eine ambulante Behandlung ist selten indiziert.

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