Unterkieferfrakturen
Definition
Frakturen des Unterkiefers werden je nach Lokalisation unterschiedlich
bezeichnet (siehe Schemazeichnung):
1 Alveolarfortsatzfraktur
2 seitliche Unterkieferfraktur (paramediane)
3 Kieferwinkelfraktur
4 Korpusfraktur
5 Ramusquerfraktur
6 Kollum- und Kapitulumfraktur
7 Fraktur des Prozessus muskularis
Therapieziele
Das Ziel der Therapie besteht darin, Form und Funktion des
Unterkiefers wiederherzustellen. Besonderer Wert wird auf
die Wiederherstellung der Okklusion und der Funktion von motorischen
und/oder sensiblen Nerven gelegt. Weiterhin sollen Infektionen
vermieden, Schmerzen beseitigt und die Erkrankungsdauer verkürzt
werden.
Therapieindikationen
Bei der Indikation zur Therapie muß zwischen geschlossenen
und offenen Frakturen (mit Zerreißung der Mundschleimhaut
und/oder Zähnen im Bruchspalt) unterschieden werden.
Offene Frakturen sollten zur Infektionsprophylaxe einer raschen
Therapie zugeführt werden.
Klinischer Hinweis auf eine Unterkieferfraktur
Röntgenologischer Nachweis einer Unterkieferfraktur
Okklusionsstörung
Dysfunktion
Sensorische und/oder motorische Nervenfunktionsstörung
(N. alveolaris inferior, N. mentalis, N. lingualis, N. facialis)
Mobile Frakturfragmente
Kontinuitätsdefekt
Fremdkörper
Verletzung von Weichgeweben oder weiterer Knochenstrukturen
Starke Blutung
Gehörgangsverletzung
Untersuchungen
Inspektion
Palpation
Vitalitätsprobe
Sensibilitätsprüfung
Funktionsprüfung N. facialis
Röntgen in 2 Ebenen
Computertomographie bei Mehrstückfrakturen
Abformung und Modellherstellung beider Kiefer zur Simulation
der Reposition mit Okklusionskontrolle und ggf. zur Anfertigung
individueller Schienen
Therapie
Eine Unterkieferfraktur kann konservativ oder operativ
versorgt werden. Die Wahl des Therapieverfahrens wird von
folgenden Faktoren beeinflußt:
Ein- oder Mehrstückfraktur
Stabilität der Fraktur
Notwendigkeit der Frühmobilisation (z.B. begleitende
Collumfrakturen)
Begleitende Verletzungen (z.B. Weichteilverletzungen) welche
operativ versorgt werden müssen.
Kontinuitätdefekte
Alter des Patienten
Compliance und Kooperation des Patienten
Konservative Therapie
Verlaufsbeobachtung
Diät entsprechend der Frakturstabilität (z. B. passierte
oder flüssige Kost)
Geschlossene Frakturrepositionierung
Ruhigstellung
Funktionstherapie
Abb. 5 Schemazeichnung. Bei einer nicht verschobenen Kollumfraktur
wird der Unterkiefer mit dem Oberkiefer zusammengehängt
(= intermaxilläre Fixation)
Operative Therapie
Bei einer offenen Reposition wird zumeist in Narkose die Fraktur
dargestellt und nach der Reposition mit Platten (= Osteosynthese)
stabilisiert. Dabei können resorbierbare oder Titaniumplatten
verwendet werden. Der Einsatz des Materials hängt von
der Art der Fraktur, der Compliance des Patienten und der
Mundhygiene ab.
Empfehlung
Meist muß die Behandlung stationär durchgeführt
werden. Eine ambulante Behandlung ist selten indiziert.
top
|