Zentrale Mittelgesichtsfrakturen
Definition
Bei den Oberkieferfrakturen und zentralen Mittelgesichtsfrakturen
unterscheidet man die Le-Fort-I-Fraktur mit
Frakturverlauf oberhalb des Nasen- und Kieferhöhlenbodens
von der Le-Fort-II-Fraktur mit Frakturverlauf
durch die Kieferhöhle und den Orbitaboden mit und ohne
Einbeziehung der knöchernen Nase. Die Le-Fort-III-Fraktur
gilt als sogenannte zentrolaterale Fraktur. Bei ihr handelt
es sich um die Absprengung des gesamten Gesichtsschädels.
Es sind Kombinationen dieser Frakturverläufe sowie Mehrstückfrakturen
möglich.
Therapieziele
Wiederherstellung und Erhalt der Knochenstruktur
Wiederherstellung der Gesichtsform
Wiederherstellung der Kau-, Sprach- und Schluckfunktion
Wiederherstellung der Atmung
Wiederherstellung der Funktion der Nasennebenhöhlen
Wiederherstellung der Form und Funktion der Nase
Wiederherstellung der Form und Funktion der Orbita
Erhalt und Wiederherstellung der Funktion der motorischen
und sensiblen Nerven
Erhalt der Zähne
Schmerzbeseitigung
Verhinderung einer Infektion
Therapieindikationen
Klinischer und/oder röntgenologischer Nachweis einer
Fraktur des Oberkiefers
Okklusionsstörung
Artikulationsstörung
Funktionsstörung (Kau-, Sprach- und Schluckfunktion,
Atmung)
Störung der Kieferrelation (z.B. Pseudoprogenie)
Störung der Sensibilität
Kontinuitätsdefekt
Fremdkörper
Begleitende Weichteilverletzungen
Rhinoliquorrhoe
Periorbitale Echymosis
Emphysem
Subkonjungtivale Hämorrhagie
Augenfunktionsstörung, Motilitätsstörung (z.B.
Doppelbilder)
Störung des nasofrontalen Komplexes
Blutung
Untersuchungen
Inspektion
Palpation
Vitalitätsprobe
Sensibilitätsprüfung
Funktionsprüfung N. facialis
Röntgen in 2 Ebenen
Spezielle Röntgenaufnahmen
Computertomographie
Abformung und Modellherstellung beider Kiefer zur Kontrolle
der ursprünglichen Okklusion, ggf. zur Anfertigung individueller
Schienen
Augenärztliche- und/oder Hals-, Nasen- und Ohrenärztliche
Zusatzuntersuchungen
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Therapie
Konservative Therapie
Eine konservative Frakturversorung ist angezeigt bei unkomplizierten
nicht dislozierten Frakturen bei denen eine Frakturstabilisierung
ohne operativen Eingriff mit konservativen Techniken zu erreichen
ist. Außerdem kann dies bei Vorliegen einer medizinischen
und/oder anästhesiologischen Kontraindikation gegen eine
operative Frakturversorgung der Fall sein. Die konservative
Frakturversorung kann umfassen:
Verlaufsbeobachtung bei fehlender Dislokation und Mobilität
der Fraktur
Intermaxilläre Fixation
Abschwellende Maßnahmen
Diät (weiche Kost)
Operative Therapie
Die chirurgische Frakturversorgung ist immer bei dislozierten
Frakturen und Mobilität der Fragmente anzustreben. Sie
kann folgende Maßnahmen umfassen:
Reposition
Intermaxilläre Fixation
Osteosynthese
Aufhängung (Jochbogen, kraniofazial)
Ergänzende Maßnahmen
Ggf. Antibiotikatherapie
Schmerztherapie
Drainage bei kontaminierten Wunden
Empfehlung
Zentrale Mittelgesichtsfrakturen bedürfen überwiegend
der stationären Therapie. Die ambulante Behandlung ist
nur in Ausnahmefällen indiziert. Bei fachübergreifenden
Verletzungen sind die entsprechenden Fachdisziplinen in die
Behandlungsplanung und Behandlung mit einzubeziehen.
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