meduni

 

 

 




 

Spezialambulanz: Traumatologie
Univ. Prof. DDr. A. Baumann

 

Zentrolaterale Mittelgesichtsfrakturen


Definition
Das Mittelgesicht umfaßt das Viscerocranium mit Ausnahme des Unter-kiefers. Kennzeichnend für seinen Aufbau ist ein Hohlraumsystem, das durch drei Knochentrajektorien gegen die Schädelbasis abgestützt wird. Das am weitesten medial gelegene Trajektorium verläuft über die laterale Wand der Apetura piriformis nach kranial, das mittlere zieht über den ersten Molaren über das Jochbein zur Sutura fronto zygomatica, das laterale bzw. posteriore verläuft an der Grenze von Maxilla und Os sphen-oidale bzw. pterygoid vom zweiten und dritten Molaren nach kranial.
Die Le-Fort-III Fraktur wird als sogenannte zentrolaterale Fraktur be-zeichnet. Bei ihr verläuft die Bruchlinie durch die Jochbögen, die laterale Orbitawand und die Rhinobasis. Es sind Kombinationen mit anderen Frakturverläufen sowie Mehrstückfrakturen möglich. Man kann eine kranio-faziale Absprengungen (basale, pyramidale oder hohe Absprengung) von nicht klaßsifizierbaren Frakturen (Trümmerfrakturen, Defektfrakturen) unterscheiden.

Therapieziele
Schmerzbeseitigung
Wiederherstellung der Okklusion
Wiederherstellung der Artikulation
Wiederherstellung der Kontinuität der Mittelgesichtspfeiler
Repositionierung und Fixation von dislozierten Knochenfragmenten
Wiederherstellung der Gesichtsform
Wiederherstellung der Kaufunktion
Wiederherstellung der Funktion der Nasennebenhöhlen
Wiederherstellung der Form und Funktion der Orbita
Beseitigung von Augenmotilitätßstörungen
Wiederherstellung der Form und Funktion des Ductus nasolacrimalis
Wiederherstellung der Funktion der Nase
Erhalt und Wiederherstellung der Funktion der motorischen und sensiblen Nerven
Erhalt der Zähne und knöcherner Strukturen

Therapieindikationen
Klinischer und/oder röntgenologischer Nachweis einer Fraktur
Epistaxis
Periorbitale Einblutung / Hämatom
Telekanthus
Liquorfistel / Liquoroe
Augenmotilitätßstörungen und/oder Funktionßstörungen (z.B. Diplopie, Dystropie)
Septumhämatom und/oder Septumdeviation mit Luftpaßsagebehinderung
Anosmie
Sensorischer und/oder motorische Nervenfunktionßstörung
Fremdkörper
Verletzung von benachbarten Weichgewebestrukturen
Subkutanes Emphysem
Funktionßstörung des Ductus nasolacrimalis
Abfluß-/Drainagebehinderung der sinus frontalis

top


Untersuchungen
Inspektion
Palpation
Sensibilitätsprüfung (N. infraorbitalis, N. supraorbitalis)
Röntgen in 2 Ebenen
Kontrolle der Augenfunktion
Augenärztliche Untersuchung
Computertomographie
Laborchemische Untersuchungen (z.B. Glukosetest des Nasensekretes bei Verdacht auf Liquorrhoe)
Ggf. neurologische Untersuchung


Therapie
Konservative Therapie

Eine außschließlich konservative Therapie kann nur in Fällen angewandt werden, bei
denen keine oder nur eine unwesentliche Dislokation an den Gesichtspfeilern besteht.
Verlaufsbeobachtung bei diskreter Dislokation der Fraktur
Abschwellende Maßnahmen

Operative Therapie
Die chirurgische Frakturversorgung ist immer bei dislozierten Frakturen und/oder entsprechenden Funktionßstörungen anzustreben.
Mini- oder Mikroplattenosteosynthese
Craniofaziale Aufhängung
Intermaxilläre Fixation
Orbitabodenrekonstruktion
Dacrycystorhinotomie bei Verletzungen des Ductus nasolacrimalis
Reattachment und Reparatur des Lidbandes

Abb. 11 Schemazeichnung. Die häufigsten Regionen der häufigsten Plattenosteosynthese im Gesichtsschädel.
Abb. 12 Schemazeichnung. Zugangswege für einen operativen Eingriff im Gesicht (3, 4, 6 und 7 werden an unserer Klinik nicht durchgeführt).

Ergänzende Maßnahmen
Ggf. Antibiotikatherapie
Schmerzmedikation
Drainage bei kontaminierten Wunden

Empfehlungen
Zentrolaterale Mittelgesichtsfrakturen bedürfen überwiegend der stationären Therapie. Die ambulante Behandlung ist nur in Ausnahmefällen indiziert. Bei fachübergreifenden Verletzungen sind die entsprechenden Fachdisziplinen in die Behandlungsplanung und Behandlung mit einzubeziehen.

top