Zentrolaterale Mittelgesichtsfrakturen
Definition
Das Mittelgesicht umfaßt das Viscerocranium mit Ausnahme
des Unter-kiefers. Kennzeichnend für seinen Aufbau ist
ein Hohlraumsystem, das durch drei Knochentrajektorien gegen
die Schädelbasis abgestützt wird. Das am weitesten
medial gelegene Trajektorium verläuft über die laterale
Wand der Apetura piriformis nach kranial, das mittlere zieht
über den ersten Molaren über das Jochbein zur Sutura
fronto zygomatica, das laterale bzw. posteriore verläuft
an der Grenze von Maxilla und Os sphen-oidale bzw. pterygoid
vom zweiten und dritten Molaren nach kranial.
Die Le-Fort-III Fraktur wird als sogenannte zentrolaterale
Fraktur be-zeichnet. Bei ihr verläuft die Bruchlinie
durch die Jochbögen, die laterale Orbitawand und die
Rhinobasis. Es sind Kombinationen mit anderen Frakturverläufen
sowie Mehrstückfrakturen möglich. Man kann eine
kranio-faziale Absprengungen (basale, pyramidale oder hohe
Absprengung) von nicht klaßsifizierbaren Frakturen (Trümmerfrakturen,
Defektfrakturen) unterscheiden.
Therapieziele
Schmerzbeseitigung
Wiederherstellung der Okklusion
Wiederherstellung der Artikulation
Wiederherstellung der Kontinuität der Mittelgesichtspfeiler
Repositionierung und Fixation von dislozierten Knochenfragmenten
Wiederherstellung der Gesichtsform
Wiederherstellung der Kaufunktion
Wiederherstellung der Funktion der Nasennebenhöhlen
Wiederherstellung der Form und Funktion der Orbita
Beseitigung von Augenmotilitätßstörungen
Wiederherstellung der Form und Funktion des Ductus nasolacrimalis
Wiederherstellung der Funktion der Nase
Erhalt und Wiederherstellung der Funktion der motorischen
und sensiblen Nerven
Erhalt der Zähne und knöcherner Strukturen
Therapieindikationen
Klinischer und/oder röntgenologischer Nachweis einer
Fraktur
Epistaxis
Periorbitale Einblutung / Hämatom
Telekanthus
Liquorfistel / Liquoroe
Augenmotilitätßstörungen und/oder Funktionßstörungen
(z.B. Diplopie, Dystropie)
Septumhämatom und/oder Septumdeviation mit Luftpaßsagebehinderung
Anosmie
Sensorischer und/oder motorische Nervenfunktionßstörung
Fremdkörper
Verletzung von benachbarten Weichgewebestrukturen
Subkutanes Emphysem
Funktionßstörung des Ductus nasolacrimalis
Abfluß-/Drainagebehinderung der sinus frontalis
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Untersuchungen
Inspektion
Palpation
Sensibilitätsprüfung (N. infraorbitalis, N. supraorbitalis)
Röntgen in 2 Ebenen
Kontrolle der Augenfunktion
Augenärztliche Untersuchung
Computertomographie
Laborchemische Untersuchungen (z.B. Glukosetest des Nasensekretes
bei Verdacht auf Liquorrhoe)
Ggf. neurologische Untersuchung
Therapie
Konservative Therapie
Eine außschließlich konservative Therapie kann
nur in Fällen angewandt werden, bei
denen keine oder nur eine unwesentliche Dislokation an den
Gesichtspfeilern besteht.
Verlaufsbeobachtung bei diskreter Dislokation der Fraktur
Abschwellende Maßnahmen
Operative Therapie
Die chirurgische Frakturversorgung ist immer bei dislozierten
Frakturen und/oder entsprechenden Funktionßstörungen
anzustreben.
Mini- oder Mikroplattenosteosynthese
Craniofaziale Aufhängung
Intermaxilläre Fixation
Orbitabodenrekonstruktion
Dacrycystorhinotomie bei Verletzungen des Ductus nasolacrimalis
Reattachment und Reparatur des Lidbandes
Abb. 11 Schemazeichnung. Die häufigsten Regionen der
häufigsten Plattenosteosynthese im Gesichtsschädel.
Abb. 12 Schemazeichnung. Zugangswege für einen operativen
Eingriff im Gesicht (3, 4, 6 und 7 werden an unserer Klinik
nicht durchgeführt).
Ergänzende Maßnahmen
Ggf. Antibiotikatherapie
Schmerzmedikation
Drainage bei kontaminierten Wunden
Empfehlungen
Zentrolaterale Mittelgesichtsfrakturen bedürfen überwiegend
der stationären Therapie. Die ambulante Behandlung ist
nur in Ausnahmefällen indiziert. Bei fachübergreifenden
Verletzungen sind die entsprechenden Fachdisziplinen in die
Behandlungsplanung und Behandlung mit einzubeziehen.
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