1. Definition
Epilepsien sind eine Gruppe von heterogenen
organischen Erkrankungen des Gehirns, deren gemeinsames Merkmal das wiederholte
Auftreten von epileptischen Anfällen ist. Epileptische Anfälle entstehen durch
eine plötzliche extreme Aktivitätssteigerung von Nervenzellen, entsprechend
einem Gewitter oder Kurzschluss im Gehirn.
2. Krankheitsentstehung - was sind die Ursachen
von Epilepsien?
Epilepsien können entstehen durch:
3. Demographische Daten
Die Epilepsien zählen mit einer Prävalenz von
0.8% zu den häufigsten Erkrankungen des Gehirns. In Österreich leiden ca. 65.000
Menschen an Epilepsie. Die kumulative Inzidenz der Epilepsie liegt bei 4%, d.h.
4% aller Menschen haben zumindest einmal in ihrem Leben an einer Epilepsie
gelitten oder sind noch von ihr betroffen.
Das höchste Risiko an einer Epilepsie zu erkranken liegt im Kleinkindalter sowie
insbesondere im höheren Lebensalter, wobei eine Epilepsie jedoch prinzipiell in
jedem Lebensalter neu auftreten kann. Epilepsien kommen bei allen Rassen,
Kulturen und sozialen Schichten gleich häufig vor.
Die wichtigsten Risikofaktoren für das Auftreten einer Epilepsie sind eine
mentale Retardation, infantile Zerebralparesen, komplizierte Fieberkrämpfe,
Schlaganfälle, Schädel-Hirn-Traumen, Infektionen des zentralen Nervensystems,
Morbus Alzheimer und Alkoholmissbrauch.
4. Krankheitssymptome - wie sehen epileptische
Anfälle aus?
Epileptische Anfälle können sehr verschieden
aussehen.
2/3 der Anfälle entstehen an einem umschriebenen Ort im Gehirn und werden
deshalb als fokale Anfälle bezeichnet. Die Anfallssymptome hängen von der
Funktion der betroffenen Gehirnregion ab. Es kann dabei zu
Bei 1/3 der Anfälle erfasst die epileptische Aktivität von Beginn an beide Hirnhälften gleichzeitig - generalisierte Anfälle. Hierbei können die folgenden Anfallsformen unterschieden werden:
5. Diagnoseverfahren - wie kann man Epilepsien feststellen?
Die genaue Beobachtung und Beschreibung der
Anfälle ist von entscheidender Bedeutung. Dadurch kann zumeist schon die Art der
Epilepsie festgestellt werden und eine Abgrenzung gegenüber Anfällen erfolgen,
die nicht auf eine Epilepsie zurückzuführen sind (z.B. sog. Synkopen oder
Ohnmachtsanfälle).
Im Elektroencephalogramm (EEG) kann die elektrische Aktivität und damit auch die
Anfallsbereitschaft des menschlichen Gehirns gemessen werden.
Mit der Magnetresonanztomographie (MRT), bei der Schnittbilder des menschlichen
Gehirns angefertigt werden und so auch kleinste strukturelle Veränderungen
erfasst werden können, kann in den meisten Fällen die Ursache der Epilepsie
(z.B. Narben, Tumore, Entwicklungsstörungen der Hirnrinde) festgestellt werden.
6. Behandlung der Epilepsien
Die Behandlung der Epilepsie erfolgt zunächst
immer mit Medikamenten (sog. Antiepileptika), die durch einen stabilisierenden
Einfluss an den Nervenzellmembranen oder im Neurotransmitter-Stoffwechsel sowohl
die Entstehung als auch die Ausbreitung von epileptischen Entladungen verhindern
sollen. Das Ziel der medikamentösen Epilepsiebehandlung besteht in der
Erreichung von Anfallsfreiheit bei fehlenden Nebenwirkungen. In den letzten
Jahren konnte durch die Entwicklung neuer Medikamente die Therapie entscheidend
verbessert werden, wobei sich diese Medikamente insbesondere durch ihre gute
Verträglichkeit auszeichnen. Ca. 70% der Patienten können mit Medikamenten
erfolgreich behandelt werden, sodass die Betroffenen ein aktives und weitgehend
unbeeinträchtigtes Leben führen können. In vielen Fällen können die Medikamente
nach mehrjähriger Anfallsfreiheit auch wieder abgesetzt werden.
Falls jedoch mit Medikamenten keine befriedigende Anfallskontrolle zu erzielen
ist, kann bei manchen Patienten durch eine Operation, bei der das Hirnareal, von
dem die Anfälle ausgehen, entfernt wird, eine Heilung erreicht werden -
Epilepsiechirurgie. Die operative Epilepsietherapie ist allerdings mit einem
beträchtlichen personellen, apparativen und organisatorischen Aufwand verbunden,
weshalb - ähnlich wie in der Transplantationschirurgie - ein eigenes, speziell
dafür ausgebildetes, interdisziplinäres Team erforderlich ist und diese
Therapieform nur in speziellen dafür eingerichteten Zentren durchgeführt werden
kann.
Falls weder mit Medikamenten noch mit einer Operation eine befriedigende
Anfallskontrolle gelingt oder eine Operation auf Grund der Art der Epilepsie
nicht möglich ist, kann bei manchen Patienten durch die sog.
Vagus-Nerv-Stimulation, bei der der Nervus vagus im Halsbereich durch einen
Impulsgeber, der ähnlich wie ein Herzschrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins
implantiert wird, stimuliert wird, eine Verbesserung der Anfallssituation
erzielt werden.
7. Alternative Behandlungsmethoden
Hier ist die sog. ketogene Diät, eine
spezielle Diät mit extrem hohem Fettanteil, zu erwähnen, wobei diese Diät nur
als Ergänzung zur medikamentösen Therapie anzusehen ist und durch einen mit
dieser Therapieform entsprechend erfahrenen Arzt überwacht werden muss. Für
andere alternative Behandlungsmethoden (Homöopathie, Verabreichung von
Spurenelementen (orthomolekulare Medizin), Kräutertherapie, Enzymtherapie,
Steine, Ketten und Amulette, Reinkarnation, Massage, Blockaden, Änderung des
Energieflusses, Metamorphoshentherapie, Akupunktur, Magnettherapie
(Heilpraktiker), spirituelle Heilung, Meditation) konnte - abgesehen von
Einzelfallberichten - kein überprüfbarer positiver Effekt nachgewiesen.
8. Anfallsprophylaxe
Hier ist die entsprechende Lebensführung mit
der Vermeidung anfallsauslösender Faktoren (Schlafentzug, exzessiver
Alkoholkonsum, etc.) zu erwähnen. Es sollte dabei eine individuelle Abstimmung
in Zusammenarbeit mit dem behandelndem Arzt gefunden werden. Vor allzu
restriktiven und zumeist sinnlosen Verboten ist abzuraten.
9. Wie verhält man sich bei einem Anfall?
Die Rettung verständigen falls
10. Literatur
Altrup U., Elger C.E. Epilepsie.
Informationen in Texten und Bildern für Betroffene, Angehörige und
Interessierte. Novartis Pharma Verlag, Nürnberg (2000)
Krämer G. Epilepsie: Antworten auf die häufigsten Fragen. Hilfreiche Information
für Betroffene und Angehörige. Thieme Verlag, Stuttgart (2000)
Krämer G. Epilepsie von A-Z. Thieme Verlag, Stuttgart (2000)
Ried S., Schüler G., Luef G. Epilepsie. Vom Anfall bis zur Zusammenarbeit.
Blackwell Verlag, Berlin (1996)