Das Prinzip des Strahlenschutzes verlangt, dass jede Strahlenbelastung so gering wie möglich gehalten wird. Dementsprechend ist die Kenntnis der Strahlendosis, die für den Patienten bei einer nuklearmedizinischen Untersuchung resultiert, erforderlich. Diese kann mit den Strahlendosen, die aus anderen möglichen Prozeduren resultieren, verglichen werden. Weiters ist es wünschenswert, das Gesundheitsrisiko, das mit der Strahlenbelastung verbunden ist, zu kennen.

Patienten, die eine nuklearmedizinische Untersuchung erwarten, sind naturgemäß hinsichtlich der Anwendung von radioaktiven Substanzen innerhalb ihres Körpers verunsichert. Das gilt insbesondere für Frauen in der Schwangerschaft, bei möglicher Schwangerschaft und bei stillenden Müttern. Auch wenn der Arzt, nach Erwägung aller Möglichkeiten, die Untersuchung für notwendig erachtet, ist es unerlässlich, dem Patienten die Risiken einer solchen Untersuchung in einer für ihn verständlichen Form darzustellen.

Beispielhaft könnte hier ein solches Risiko im Vergleich zum Rauchen einiger Zigaretten oder mit dem Zurücklegen einer bestimmten Distanz mit dem Auto oder mit einem Flugzeug dargestellt werden. Die Strahlenbelastung wird als "effektive Dosis" gemessen und in Millisievert [mSv] angegeben. Für die überwiegende Zahl der diagnostischen Untersuchungen liegt die Dosis unter 5 mSv, sehr oft auch unter 1 mSv.

Die Angaben über die Strahlenbelastung einzelner Untersuchungen sollten nur als Richtwerte verstanden werden: Die individuelle Dosis hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie von der verabreichten Aktivität, der Anatomie des einzelnen Patienten und der jeweiligen Organfunktion.

Zum Vergleich:
Die natürliche Strahlenbelastung beträgt ca. 2-3 mSv pro Jahr. Das ist ein Durchschnittswert, der in Abhängigkeit des Aufenthaltsortes einer bestimmten Person Schwankungen unterworfen ist. Das Risiko, bei einer Dosis von 1 mSv eine letale Krebserkrankung bei einem Menschen auszulösen, liegt bei 50 zu 1 Million (0,005 %).
Hat dieser Mensch noch Reproduktionskapazität, gilt für alle nachfolgenden Generationen ein Viertel dieses Wertes. Um dieses Risiko in ein Verhältnis zu setzen, sei gesagt, daß das Risiko des Todes aufgrund einer Anaesthesie während einer Operation bei 40 zu 1 Million (0,004 %) liegt.
Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall tödlich zu verunglücken, liegt bei einer Jahreskilometerleistung von etwa 15.000 km bei 200 zu 1 Million (0,02 %) Autofahrern.
Das Rauchen von täglich nur einer Zigarette über einen Zeitraum von 10 Jahren tötet 2.500 von 1 Million Rauchern (0,25 %). Und schließlich ist bereits ab einem Alter von 55 Jahren das Risiko, an welcher Ursache auch immer zu sterben, 10.000 pro 1 Million Bevölkerung (1 %). Tabelle 1 gibt diese Risiken, bezogen auf eine Strahlenbelastung von 1 mSv, wieder.


Tabelle 1: Risiken im Vergleich zu einer Strahlendosis von 1 mSv

Dosis  gleiches Risiko 
1 mSv  200 km Motorradfahren 
1 mSv  3750 km Autofahren 
1 mSv  18000 km Fliegen 
1 mSv  75 Zigaretten Rauchen 
1 mSv  75 min Klettern 
1 mSv  1-2 Jahre in einer Fabrik arbeiten 
1 mSv  17 Stunden als 60-Jähriger zu leben 

In neuerer Zeit wird unter dem Blickwinkel des individuellen Verlustes an Lebenserwartung eine anschaulichere Risikoabschätzung mittels Risikokalkulation für Krankheiten, Unfälle, sozioökonomische Faktoren und andere mehr versucht. Diese Art der Risikoschätzgröße ist im Vergleich zu den vorher angeführten Angaben leichter nachvollziehbar.

Die einmalige Exposition mit 1 mSv würde in einem theoretischen Verlust an Lebenserwartung von 0.3 Tagen resultieren, eine solche von 10 mSv von 1.5 - 3 Tagen. Dies ist weit geringer als der Verlust an Lebenserwartung z. B. durch Krankheiten, aber auch durch selbstverschuldete Maßnahmen wie Alkoholismus, Rauchen oder Übergewicht. Ein halbes Kilogramm Übergewicht ist mit einem theoretischen Verlust an Lebenserwartung von einem Monat verbunden. Diese Bemerkungen machen deutlich, dass eine Strahlenbelastung, die im üblichen Bereich der meisten nuklearmedizinischen Untersuchungen liegt (1 - 5 mSv), mit einem theoretischen Risiko verbunden ist, dieses jedoch vernachlässigbar gering ist. Darüber hinaus ist bei Patientenuntersuchungen mit nuklearmedizinischen Methoden bisher über keine nachteiligen Folgen berichtet worden, auch unter Berücksichtigung von Untersuchungen an Kindern.

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