Logo: Griechischer Buchstabe Psi mit Äskulapnatter ... Institut für Medizinische Psychologie, Medizinische Universität Wien Adresse: Severingasse 9, A-1090 Wien, Österreich, Tel.: +43 1 4277 65601
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Allgemeine Information

Geschichte

Erwin Ringel  Zeichnung von Georg EislerDie Medizinische Psychologie ist in Österreich, aber auch international gesehen, ein relativ junges Fach mit kurzer Geschichte, obwohl bereits Alfred Adler (1880-1937), der Begründer der Individualpsychologie, um die Jahrhundertwende ein Fach Medizinische Psychologie für die Ausbildung aller Studierenden der Medizin gefordert hatte und es bedeutende Ärzte gab, wie z. B. den Internisten Hermann Nothnagel (1841-1905) oder den Psychiater Adolf Meyer (1866-1950), die in ihrem Fach auch psychosoziale Faktoren angemessen berücksichtigten. In der Zeit zwischen 1925 und 1938 bemühte sich der von Studierenden der Medizin gegründete und geleitete "Akademische Verein für Medizinische Psychologie" die Lehre mit psychologischen Themen zu bereichern. Prominentes Gründungsmitglied war Viktor E. Frankl (1905-1997), im wissenschaftlichen Beirat waren die bekannten Psychologen Karl Bühler (1879-1963) sowie seine Frau Charlotte (1893-1974) und die Analytiker Paul Schilder (1886-1940) sowie Josef Karl Friedjung (1871-1946). Der Verein wurde 1942 gelöscht, da "sämtliche zuletzt im Jahre 1938 hier amtsgemeldeten Vorstandsmitglieder in das Ausland abgereist sind und auch abgemeldet erscheinenů" In Wien wurde dieses Fach 1981 errichtet, Erwin Ringel (1921-1994) hatte bis 1991 die Funktion des Ordinarius inne.

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Hans Hirnsperger und Gernot Sonneck:
Psychologie und Medizin. Eine historische Skizze

In: Gerda Mehta (Hrsg.) Die Praxis der Psychologie. Ein Karriereplaner. Springer-Verlag, Wien New York. (2004) S. 297-310.

Anliegen der Medizinischen Psychologie

Das Anliegen der Medizinischen Psychologie ist die Einbeziehung der psychologischen und soziologischen Aspekte von Krankheit und Gesundheit in ärztliches Denken und Handeln. Das sind

  • einerseits jene Bedingungen, die Gesundheit möglichst wieder herstellen können
  • andererseits Bedingungen, die Gesundheit erhalten und fördern.

Medizinische Psychologie konzentriert sich dabei

  • auf die Interaktion im Bereich Patient-Arzt-Umfeld, insbesondere auf die Arzt-Patient-Beziehung;
  • Menschen in ihrer Ganzheit zu betrachten, d.h. sie über die Beziehung erkenntnisleitend einfühlend zu erfassen
  • und die wissenschaftlichen Grundlagen, Patienten besser zu verstehen.

Es geht also darum, neben den medizinisch-biologischen Fragestellungen auch solche der psychischen und sozialen Situation einzubeziehen.

Aufgaben der Medizinischen Psychologie

Die Aufgabe der Medizinischen Psychologie ist es, die Erkenntnisse verschiedener Wissenszweige in das derzeitige Wissen und Handeln der Medizin einzubringen. Aus diesem Ansatz entstand ein neues Paradigma, die bio-psycho-soziokulturelle Medizin, wobei biologische, psychologische und soziologische Faktoren zueinander so in Beziehung stehen, dass Veränderungen in dem einen Bereich notwendiger Weise auch zu Veränderungen in den anderen beiden Bereichen führen müssen.

Abbildung: Interdeependenz biologischer, psychologischer und soziokultureller Faktoren

Abb.: Interdependenz biologischer, psychologischer und soziokultureller Faktoren

Praxis der Medizinischen Psychologie

Um im Kontakt zu Patienten angemessen "medizinpsychologisch", ganzheitlich tätig zu sein, bedarf es:

  • der Sachinformation
  • der Einfühlung (Empathie)
  • des Wahrnehmens der eigenen Betroffenheit
  • der Berücksichtigung der Lebensgeschichte des Patienten
  • der Berücksichtigung der familiären und soziokulturellen Umstände
  • der Beziehung von Arzt und Patient
 
Medizinische Universität WienZentrum für Public Health
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