Autoimmunität bei rheumatischen Erkrankungen

Forschungsgruppe zur Untersuchung der Zellulären Immunität und Immuntoleranz bei Autoimmunerkrankungen

Marcus Köller, Clemens Scheinecker , Michael Bonelli (Dissertant), Sonia Hermann (Dissertantin)

 

Clemens Scheinecker

Unsere Forschungsgruppe arbeitet vorwiegend auf dem Gebiet der zellulären Immunologie und beschäftigt sich insbesondere mit Fragen regulatorischer Mechanismen zur Aufrechterhaltung der peripheren Toleranz bzw. deren Störungen, die zur Entstehung einer Autoimmunerkrankung führen können. So konnte im Rahmen dieser Arbeit bisher gezeigt werden, dass Patienten mit systemischen Lupus erythematodes einen sowohl quantitativen als auch qualitativen Defekt der unterschiedlichen Subsets an dendritischen Zellen (DC) im peripheren Blut aufweisen, der zumindest teilweise auf einer Differenzierungs-/Aktivierungsstörung zu beruhen scheint. Diese Zellen besitzen als Antigen-präsentierende Zellen einerseits die Fähigkeit zur Präsentation von Fremdantigenen, andererseits von Autoantigenen. Damit spielen sie eine zentrale Rolle sowohl in der Einleitung einer spezifischen Immunantwort, als auch in der Aufrechterhaltung der peripheren Toleranz gegenüber körpereigenen Strukturen. Derzeit laufende Arbeiten im Humansystem beschäftigen sich neben DC vor allem mit regulatorischen T Zellen und deren Bedeutung für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen, wie des SLE. Auch hier scheint der Defekt eines weiteren Kontrollmechanismus der peripheren Toleranz für die Pathogenese der Erkrankung eine Rolle zu spielen. Vorläufige Daten weisen erneut auf einen sowohl quantitativen als auch funktionellen Defekt von regulatorischen T Zellen hin und unterstreichen damit die Komplexizität im kombinierten Versagen von Regulationsmechanismen der peripheren Toleranz. Darüber hinaus sollen in vitro Experimente das Zusammenspiel von DC und regulatorischen T Zellen und deren gegenseitige Beeinflussung des jeweiligen Aktivierungsstatus weiter untersuchen. Gezielte Fragestellungen, die sowohl DC als auch regulatorische T Zellen betreffen, werden in weiterer Zukunft in einem Mausemodell der rheumatoiden Arthritis in vivo untersucht werden. Dieses bietet die Möglichkeit, die Interaktion dieser unterschiedlichen Zellen des Immunsystems direkt in vivo zu verfolgen. Ziel dieser Arbeiten ist es eine Vorstellung über den zeitlich-räumlichen Ablauf der Ingangsetzung einer Autoimmunantwort zu gewinnen, vom Zeitpunkt und Ort der ersten Präsentation von Autoantigenen, über die sequentielle Rekrutierung von autoreaktiven T Zellen, bis hin zur gezielten Gewebsdestruktion als Manifestation der Autoimmunerkrankung. Dieses konzeptuelle Modell soll schließlich als Basis dienen, um neue experimentelle, therapeutische Ansätze, wie etwa den Einsatz von immunmodulatorischen Zellen (z.B. in vitro expandierte regulatorische T Zellen oder tolerogene DC), einerseits hinsichtlich ihrer therapeutischen Effizienz zu testen, andererseits deren genauen Wirkungsmodus im Detail beschreiben zu können.

 

Marcus Köller

Die wissenschaftlichen Schwerpunkte während der Tätigkeit am Institut für Patholophysiologie (vormals Allgemeine und Experimentelle Pathologie) der Universität Wien umfassten das Gebiet der immunologischen Grundlagenforschung unter dem Aspekt der Immunbiologie und Immunregulation von Makrophagen bzw. antigenpräsentiereden Zellen (APC). Dabei entstanden Publikationen über die Differenzierung und Phänotypisierung von Makrophagen aus humanem Knochenmark unter dem Aspekt funktionell wichtiger Oberflächenrezeptoren. Nach dem Wechsel an die Klinische Abteilung für Rheumatologie wurden diese Aspekte bei rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen beleuchtet. Neben der phänotypischen Charakterisierung von Makrophagen bei entzündlichen Gelenkserkrankungen liegt der Schwerpunkt auch bei funktionellen Aspekten dieser Zellen bei Kollagenosen (z.B. systemischer Lupus erythematodes). Darüber hinaus erweiterte sich der Forschungsschwerpunkt auch um molekular(genetisch)e und funktionelle Aspekte von T-Lymphozyten, deren Interaktion mit Makrophagen/APC ja eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung des Entzündungsprozesses im Rahmen rheumatischer Erkrankungen spielt. 1998 erfolgte daher auch ein Forschungsaufenthalt am Institut für Immunologie der Universität Heidelberg. Aus all diesen Tätigkeiten resultierten mehrere Publikationen in internationalen Fachzeitschriften mit “peer review“ System. Die klinische Forschungstätigkeit liegt v.a. in der Durchführung klinischer Prüfungen (Phase II und Phase III) neuer Arzneimittel zur Behandlung entzündlicher Gelenkserkrankungen (insbesondere der Rheumatoiden Arthritis und der Psoriasis-Arthropathie). Darüber hinaus Veröffentlichung mehrerer Übersichtsbeiträge in verschiedenen Fachzeitschriften über rheumatoide Arthritis und Osteoporose. Zahlreiche Vorträge über verschiedene rheumatologische Themen, insbesondere Fortbildung für Ärzte für Allgemeinmedizin, Fachärzte für Innere Medizin und Ärzte in Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin.

 

Forschung