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Kollagenosen Arbeitsgruppe zur Erforschung der Pathomechanismen bei systemischem Lupus erythematodes und Systemischer Sklerodermie Martin Aringer, Eva Feierl , Georg Stummvoll, Thomas Karonitsch
Bei unseren Bemühungen, die
Pathomechanismen systemischer Autoimmunerkrankungen besser zu verstehen
und dadurch auch die Therapiemöglichkeiten zu verbessern, konzentrieren
wir uns auf zwei Krankheitsbilder, nämlich den Systemischen Lupus
erythematodes (SLE) und die Systemische Sklerose (SSc). Unsere Arbeit
beinhaltet klinische und immunologische Aspekte, die zum Teil bereits
eng verwoben sind. Bei PatientInnen mit SLE erheben wir seit Jahren
neben den Routineparametern prospektiv wesentliche Aktivitätsscores
(SIS, SLEDAI, ECLAM) und sind dabei, eine elektronische Datenbank
aufzubauen. Da wir bei den relativ seltenen Kollagenosen nicht
ausreichend auf kontrollierte Studien zurückgreifen können, versuchen
wir im Rahmen retrospektiver und historisch prospektiver Studien,
Wirksamkeit und Nebenwirkungen neuer Therapieansätze kritisch zu
hinterfragen. Unter anderem
Alle diese Arbeiten dienen primär einem besseren Verständnis der nach wie vor weitgehend unklaren Pathogenese dieser schweren Autoimmunerkrankungen, mit dem Ziel, die Betreuung und Therapie unserer PatientInnen zu verbessern. Schon daraus ergibt sich, dass wir klinisch wie wissenschaftlich eng mit anderen Kliniken und klinischen Abteilungen und Instituten zusammenarbeiten, aber auch international gerne und erfolgreich kooperieren.
Eva Feierl begann ihre wissenschaftliche Tätigkeit in der Kollagenose- Arbeitsgruppe bereits während des Medizinstudiums mit Schwerpunkt auf den Systemischen Lupus erythematodes (SLE). Der SLE ist eine Autoimmunerkrankung, bei der es zur Bildung zahlreicher Autoantikörper kommen kann. Durch die Ablagerung von Antikörpern und daraus entstehender Immunkomplexe kommt es zu ausgeprägten Entzündungsreaktionen und zu Zell- und Gewebszerstörung, die in unterschiedlichem Ausmaß alle Organe betreffen können. Am häufigsten manifest ist die Beteiligung von Haut, Blutzellen, Lunge, Niere und Gehirn. Eine mögliche Ursache für die Entstehung von Autoantikörpern dürfte in Problemen mit dem Abbau abgestorbener Zellen bestehen. Die aktivierten Lymphozyten im Rahmen des SLE haben auch eine erhöhte Tendenz zur Apoptose (programmierter Zelltod), zumindest in vitro. Dieses Thema ist der Hauptschwerpunkt von Eva Feierl. Sie beobachtet das Apoptoseverhalten von Blutzellen von Lupus-Patienten und untersucht auch Zusammenhänge mit Zytokinen, unter anderem mit dem Tumor Nekrose Faktor (TNF). So konnten wir zeigen, dass TNF im Blut von Lupus-Patienten erhöht und auch biologisch wirksam ist (Aringer M, Feierl E, Steiner G, Stummvoll GH, Hofler E, Steiner CW, Radda I, Smolen JS, Graninger WB. Increased bioactive TNF in human systemic lupus erythematosus: associations with cell death. Lupus. 2002;11(2):102-8.). Derzeit konzentriert sich ihr Interesse auf die Reaktion von Lymphozyten auf andere Zytokine, nämlich die Interleukine 2, 4, 7, 9, 15 und 21, die alle eine gemeinsame Rezeptorkette verwenden. Diese Zytokine führen in ihrer Signaltransduktion zu Phosphorylierung von Stat5, das wir durchflusszytometrisch nachweisen können. Gleichzeitig versucht Eva Feierl das LE-Zell-Phänomen genauer zu charakterisieren. Bei diesem SLE-spezifischen Test handelt es sich um Granulozyten, die kernhaltiges Material aufnehmen. Georg Schett konnte zeigen, dass Antikörper gegen das Histon H1 dem zu Grunde liegen. Eva Feierl untersucht derzeit das Bindungsverhalten dieses Antikörpers auf durch Apoptose oder Nekrose untergegangene Zellen, was einerseits die Natur des phagozytierten Materials klären und andererseits neue Rückschlüsse auf den Zelltod bei SLE zulassen wird.
Den Schwerpunkt der wissenschaftlichen Tätigkeit Georg Stummvolls bildeten und bilden die als Kollagenosen bezeichneten systemischen Erkrankungen, in erster Linie die Systemische Sklerose (auch SSc oder Sklerodermie) und der Systemische Lupus Erythematodes (SLE). Gegenstand von bereits publizierten sowie zurzeit bearbeiteten Projekten ist die Erforschung lymphozytärer Besonderheiten dieser chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen. Insbesondere wurden dabei die gestörte Apoptose von CD4+Lymphozyten bei der SSc (eine mögliche Erklärung der bei diesen Patienten typischerweise erhöhten CD4/CD8 Ratio im peripheren Blut) und die in vitro gesteigerte transendotheliale Migration von CD4+ Lymphozyten bei der SSc (die zu den typischen lymphozytären Hautinfiltraten beitragen könnte) untersucht und beschrieben. Georg Stummvoll arbeitete auch an Projekten mit, die sich mit der Bestimmung von pro-inflammatorischen Zytokinen und deren Zusammenhang mit klinischer Aktivität bei SLE Patienten befassten. Die Proliferation von SLE-Lymphozyten auf gereinigte Histon-Antigene, der Zusammenhang mit dem Auftreten von anti-Histon-Antikörpern im Serum (die ihrerseits wieder mit der klinischen Aktivität und anti-dsDNAAnitkörper-Spiegeln korrelieren), sowie die Generierung von Histon-H1-spezifischen T-Zell-Klonen und deren phänotypische Charakterisierung ist Inhalt eines in Abschluss befindlichen Projekts. Neben der Grundlagenforschung bildet aber auch die klinische Forschung einen Teil der wissenschaftlichen Tätigkeit: In Zusammenarbeit mit der klinischen Abteilung für Nephrologie beschäftigte sich Georg Stummvoll mit der Immunadsorption (IAS), einer selektiven, extrakorporalen Methode, potentiell pathogene Immunglobuline (darunter auch Auto-Antikörper) zu entfernen, ein Verfahren das im AKH als ultima ratio in Fällen von schwerem, therapierefraktärem und damit lebensbedrohlichem SLE angewandt wird. Durch die IAS konnten Serum-Spiegel von anti-dsDNA-Antikörpern, die Krankheitsaktivität und vor allem die Proteinurie gesenkt werden, ohne zu einer erhöhten Infektionsneigung zu prädisponieren. Ein weiterer Aspekt der klinisch-wissenschaftlichen Tätigkeit ist die Beobachtung rheumatischer Krankheitsbilder als Folge paraneoplastischer Vorgänge; das Wissen um diese Krankheitsbilder ermöglicht eine frühe, oft quoad vitam entscheidende Diagnose.
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