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Dezember 2013 | Kristina Bertl

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Uni. Ass.in Dr.in Kristina Bertl, MSc

Kristina Bertl

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, Dezember 2013

Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Frau Univ.-Ass.in  Dr.in Kristina Bertl aus Anlass der 2013 im Top-Journal “Journal of Clinical Periodontology” (IF 3.688) erschienenen Publikation “Oral microbial colonization in laryngectomized patients as a possible cofactor of biofilm formation on their voice prostheses” [2]. Die Publikation entstand an der Abteilung für Orale Chirurgie (Fachbereichsleiter: Ao.Univ.-Prof. DDr. Ch. Ulm), Bernhard Gottlieb Universitätszahnklinik, Medizinische Universität Wien in Kooperation mit der Klinischen Abteilung für Phoniatrie-Logopädie der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, MedUniWien. Das Ziel dieser Untersuchung war festzustellen, ob das Vorhandensein von parodontalen Keimen im Biofilm auf Stimmprothesen eine Beziehung zu jenen in der Mundhöhle aufweist und mit dem parodontalen Status dieser Patienten assoziiert ist. Auf dem diesjährigen PhD-Symposium wurde diese Arbeit ausgezeichnet.

Die Reduktion der Biofilmformation auf der Stimmprothese verhindert Komplikationen wie häufigen Wechsel der Prothese und verlängert deren Lebensdauer

Laryngektomierte Patienten werden mehrheitlich zur sekundären Stimmrehabilitation mit tracheo-oesophageal inserierten Stimmprothesen aus Kunststoff versorgt [10]. Jedoch wird die Kunststoffoberfläche der Stimmprothesen nahezu bei allen Patienten regelmäßig durch Bakterien und Pilze besiedelt. Dieser Biofilm kann die Ventilklappenfunktion mechanisch behindern, wodurch aufgrund der Aspirationsgefahr häufige Wechsel der Stimmprothesen notwendig sind (zirka alle 3-4 Monate). Ein wesentliches Ziel in der Stimmprothesenforschung ist die Biofilmformation zu reduzieren um die Lebensdauer der Prothesen zu verlängern. Eine Aufschlüsselung der Zusammensetzung des Biofilms ist dementsprechend notwendig um auf dessen Entstehung Einfluss nehmen zu können. Bislang sind diverse Candida-Arten, Streptokokken und Staphylokokken als relevante Bestandteile dieses Biofilms beschrieben [3, 4, 8, 9].

Aufgrund der hohen Prävalenz an Parodontitis in dieser Patientengruppe (über 80%) wurden anaerobe Keime aus der Mundhöhle als ein weiterer wichtiger Bestandteil im Biofilm auf Stimmprothesen vermutet [11]. In einer Pilotstudie wurde auf fakultativ und obligat anaerobe Keime getestet, die im Rahmen einer Parodontitis im Biofilm auf den Zähnen vermehrt auftreten. Diese konnten erstmals als Bestandteile des Biofilms auf Stimmprothesen nachgewiesen werden [1]. Im speziellen Fusobacterium nucleatum wurde in rund 2/3 der Fälle detektiert. Dieses Bakterium ist im Rahmen der Biofilmbildung in der Mundhöhle als wichtiges "Brückenbakterium" bekannt, das frühe mit späten Kolonisierern verbindet. Im Anschluss wurde diese Idee unter vermehrter Einbeziehung zahnmedizinischer Aspekte weiterverfolgt. Es zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der dentalen, im speziellen der parodontalen, Situation der Patienten und der Anwesenheit der getesteten parodonto-pathogenen Bakterien im Biofilm auf den Stimmprothesen. Desweiteren zeigte die Besiedelung auf den Stimmprothesen eine Übereinstimmung mit der Besiedelung in der Mundhöhle. Bei allen bezahnten Patienten lag zusätzlich eine parodontale Erkrankung vor mit dem dementsprechend notwendigen Behandlungsbedarf. In weiterer Folge soll untersucht werden, ob diese Keime lediglich als Passagiere im Biofilm hängen bleiben oder, ob sie eine entscheidende Rolle in der Biofilmformation einnehmen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der sich im Rahmen dieser Untersuchungen gezeigt hat, ist die verbesserungswürdige dentale Situation dieser Patienten nach Abschluss der Krebstherapie. Chronische Entzündungsprozesse, wie eine parodontale Erkrankung, werden als möglicher Risikofaktor zur Tumorentstehung und Förderung eines möglichen Rezidivs erachtet [6, 7, 11]. Daher sollte die Zusammenarbeit mit dem zahnärztlichen Berufsstand verbessert werden, um die dentale Gesundheit der betroffenen Patienten langfristig aufrecht zu erhalten und chronische Entzündungsprozesse zu reduzieren beziehungsweise hintan zu halten.

Wissenschaftliches Umfeld
Frau Dr.in Bertl ist seit Oktober 2010 an der Universitätszahnklinik klinisch und wissenschaftlich tätig - zunächst im Fachbereich Parodontologie und Prophylaxe und seit Beginn 2012 im Fachbereich für Orale Chirurgie. In der Arbeitsgruppe von Assoc. Prof.in Univ.-Doz.in Dr.in X. Rausch-Fan (Fachbereich für Kieferorthopädie, Bernhard Gottlieb Universitätszahnklinik) beschäftigt sie sich mit Speichel als unterstützendes Medium zur Diagnostik parodontaler Erkrankungen und gemeinsam mit Ao.Univ.-Prof.DDr. Ch. Ulm (Fachbereich für Orale Chirurgie, Bernhard Gottlieb Universitätszahnklinik) arbeitet sie an anatomischen Fragestellungen im Bereich der Zahnheilkunde. Seit Beginn 2011 ist sie in die Arbeitsgruppe von Ao.Univ.-Prof.in Dr.in B. Schneider-Stickler (Klinische Abteilung für Phoniatrie-Logopädie, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten) eingebunden, die sich auf die Biofilmzusammensetzung auf Stimmprothesen spezialisiert hat [3, 4, 5, 9]. Dort absolviert sie unter Supervision von Frau Prof.in Schneider-Stickler ihr Doktoratsstudium an der Medizinischen Universität Wien. Sie befasst sich mit der hier beschriebenen fächerübergreifenden Thematik zur Rolle oraler anaerober Bakterien in der Biofilmformation auf Stimmprothesen bei laryngektomierten Patienten. Die Anwesenheit fakultativ und obligat anaerober Keime im Biofilm auf Stimmprothesen wurde in einer Pilotstudie erstmalig beschrieben [1]. Die nächsten Schritte auf diesem Forschungsgebiet wurden in Zusammenarbeit mit Ass.Prof.Dr. Hermie J.M. Harmsen (Abteilung für Medizinische Mikrobiologie, Universität Groningen, Niederlande) gesetzt. Im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes konnte sie neue Methoden zur Darstellung des Biofilms auf Stimmprothesen erlernen und interessante Ergebnisse erarbeiten. Nach Abschluss ihres Doktoratsstudiums ist bereits ein weiterer Auslandsaufenthalt an zwei Universitäten (Universität Malmö, Abteilung für Parodontologie / Prof. Dr. A. Stavropoulos, PhD, und Universitätsklinikum Düsseldorf, Poliklinik für zahnärztliche Chirurgie und Aufnahme / Prof. Dr. F. Schwarz) zu je sechs Monaten fixiert, um ihr wissenschaftliches und klinisches Spektrum zu erweitern.

Persönliches
Frau Dr.in Bertl ist in Graz geboren, Matura 2002 im Stiftsgymnasium Admont mit ausgezeichnetem Erfolg, 2002 - 2003 Fernstudium JUS, Linz, römisches Recht und Privatrecht, 2003 - 2010 Zahnmedizinstudium an der Bernhard Gottlieb Universitätszahnklinik, Wien, Abschluss mit summa cum laude, Diplomarbeit "Proliferation und Differenzierung von Endothelzellen unter dem Einfluss von Emdogain®, Thrombin und VEGF in Bezug auf Wundheilung und Angiogenese". 2010 - 2012 Universitätslehrgang für Parodontologie (MSc (Periodontology)) an der Medizinischen Universität Wien. 2010-dato Doktoratsstudium (PhD) an der Medizinischen Universität Wien (Thesis: "Anaerobic and micro-aerophilic pathogens in the biofilm of voice prostheses"). 2010 - 2012 Universitätsassistentin an der Klin. Abteilung für Parodontologie, 2012 - dato Universitätsassistentin an der Klin. Abteilung für Orale Chirurgie, Universitätszahnklinik, Wien

Ausgewählte Literatur

  1. Bertl K, Zatorska B, Leonhard M, Matejka M, Schneider-Stickler B. Anaerobic and microaerophilic pathogens in the biofilm formation on voice prostheses: A pilot study. Laryngoscope 2012, 122, 1035-1039.
  2. Bertl K, Zatorska B, Leonhard M, Rechenmacher-Strauss J, 
  3. Roesner I, Schneider-Stickler B. Oral microbial colonization in laryngectomized patients as a possible cofactor of biofilm formation on their voice prostheses. J Clin Periodontol 2013, 40, 833-840.
  4. Leonhard M, Moser D, Reumueller A, Mancusi G, Bigenzahn W, Schneider-Stickler B. Comparison of biofilm formation on new Phonax and Provox 2 voice prostheses - a pilot study. Head Neck 2010, 32, 886-895.
  5. Leonhard M, Reumuller A, Moser D, Bigenzahn W, 
  6. Schneider-Stickler B. Examination of biofilm related material deterioration on 20 PROVOX2 voice prostheses by scanning electron microscopy. Laryngorhinootologie 2009, 88, 392-397.
  7. Leonhard M, Tobudic S, Moser D, Zatorska B, Bigenzahn W, Schneider-Stickler B. Growth kinetics of candida biofilm on medical polymers: a long-term in vitro study. Laryngoscope 2013, 123, 732-737.
  8. Linden GJ, Herzberg MC. Periodontitis and systemic diseases: a record of discussions of working group 4 of the Joint EFP/AAP Workshop on Periodontitis and Systemic Diseases. J Clin Periodontol 2013, 40 Suppl 14, S20-S23.
  9. Linden GJ, Lyons A, Scannapieco FA. Periodontal systemic associations: review of the evidence. J Clin Periodontol 2013, 40 Suppl 14, S8-S19.
  10. Ramage G, Martinez JP, Lopez-Ribot JL. Candida biofilms on implanted biomaterials: a clinically significant problem. FEMS Yeast Res 2006, 6, 979-986.
  11. Reumueller A, Leonhard M, Mancusi G, Gaechter JN, Bigenzahn W, Schneider-Stickler B. Pharyngolaryngectomy with free jejunal autograft reconstruction and tracheoesophageal voice restoration: Indications for replacements, microbial colonization, and indwelling times of the Provox 2 voice prostheses. Head Neck 2011, 33, 1144-1153.
  12. Singer MI, Blom ED. An endoscopic technique for restoration of voice after laryngectomy. Ann Otol Rhinol Laryngol 1980, 89, 529-533.
  13. Tezal M, Sullivan MA, Hyland A, Marshall JR, Stoler D, Reid ME, Loree TR, Rigual NR, Merzianu M, Hauck L, Lillis C, Wactawski-Wende J, Scannapieco FA. Chronic periodontitis and the incidence of head and neck squamous cell carcinoma. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2009, 18, 2406-2412.

Kontakt
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