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Mai 2015 | Ljubomir Petricevic

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Assoc.-Prof. Dr. Ljubomir Petricevic

Ljubomir Petricevic

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, Mai 2015

Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Herrn Assoc.-Prof. Dr. Ljubomir Petricevic aus Anlass der im Top-Journal „Scientific Reports“ (IF 5.078) erschienenen Arbeit  „Characterisation of the vaginal Lactobacillus microbiota associated with preterm delivery.“ [1]. Diese Studie entstand an der Klinischen Abteilung für Geburtshilfe und feto-maternale Medizin der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur, Department für Lebensmittelwissenschaften und Technologie Wien.

In dieser Studie konnte erstmals gezeigt werden, dass auch die Laktobazillen, vor allem der Lactobacillus iners, für eine Frühgeburt verantwortlich sein können
In einer gesunden Vaginalflora dominieren die Laktobazillen über die anaerobe Mischflora, deren Hauptrolle die Protektion gegen vaginale Infektionen ist. [2,3] Die vaginale Besiedelung durch Laktobazillen erfolgt oft durch mehrere Typen gleichzeitig, [2] was die Schutzfunktion gegenüber Infektionen erhöhen kann. Der Darm dient als mögliches Reservoir für Laktobazillen, welche eine normale vaginale Flora aufbauen. Der Übertritt der Laktobazillen vom Darm in die Scheide erfolgt über das Perineum. [2,4] Durch einen Mangel oder das Fehlen der Laktobazillen kommt es meist zu einer Erhöhung des pH-Wertes, dadurch wird die Besiedelung der Scheide mit pathogenen Keimen erleichtert, was unter Umständen zu vaginalen Infektionen führen kann. Eine Behandlung mit vaginalen oder oralen Laktobazillen könnte die normale Vaginalflora wiederherstellen. [5,6,7] Da bei einer Frühgeburt die vaginale Infektion eine bedeutende Rolle spielen kann, [8] ist es wichtig, dass ein gesundes Gleichgewicht der Lactobacillus-Mikrobiota während der Schwangerschaft erhalten wird. [9]

Die Schutzmechanismen der Laktobazillen gegenüber den pathogenen Keimen inkludieren die Produktion von Milchsäure, Hydrogenperoxidase und Baktriocinen wie z.B. Acidolin, Lactacin B oder Lactocin 160. Allerdings besitzen nicht alle Laktobazillen diese protektiven Eigenschaften und können sogar für diverse Mechanismen, welche Frühgeburten verursachen können, verantwortlich sein, wie z.B. L. iners. [1] 

Diese Studie zeigte, dass eine erhöhte Diversität an vaginalen Laktobazillen im ersten Trimmester einen positiven Einfluss auf den Schwangerschaftsverlauf und die -dauer haben konnte. L. iners wurde als Einzelkeim in 85% der Frauen mit einer Frühgeburt gefunden. Wohingegen L. iners in Kombination mit anderen Laktobazillen keinen Einfluss auf die vaginale Microbiota und das Schwangerschaftsoutcome hatte. [1] 

L. iners ist der Lactobacillus mit dem kleinsten Genom aus der Familie der Lactobacillaceae, und obwohl dieser Keim ein sehr häufiger Bestandteil der Vaginalflora ist, sind seine Charakteristika noch nicht ausreichend erforscht. Er ist ein dominierender Bestandteil der Vaginalflora in der Transitionsphase zwischen normalem und abnormalem Zustand mit einer Prädisposition zur Entwicklung einer gestörten Mikroflora. Eine fehlende Schutzfunktion des L. iners gegenüber pathogenen Keimen in der vaginalen Mikrobiota könnte dafür verantwortlich sein, dass durch das Vorhandensein dieses Erregers manche Mechanismen, die mit Frühgeburten in Verbindung gebracht werden, beschleunigt werden. [1]

Wissenschaftliches Umfeld
Dr. Petricevic begann seine wissenschaftliche Mitarbeit als Mitglied des Infektionsteams schon während seines Medizinstudiums unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. H. Kiss an der Abteilung für Geburtshilfe und feto-maternale Medizin der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien. Einer seiner wissenschaftlichen Schwerpunkte ist der Themenbereich Infektionen und Frühgeburt. Einer der ersten Arbeiten über das Infektionsscreening in der Schwangerschaft zur Frühgeburtsvermeidung entstand unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. H. Kiss. Dieses Vorsorgeprogramm wurde bereits 2005 an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde eingeführt. Mehrere deutsche Bundesländer bieten diese Untersuchung ebenfalls ihren Patientinnen als Schwangerschaftsvorsorge an. Einen weiteren Schwerpunkt stellt die Forschung über den Probiotika-Einsatz in der Gynäkologie und Geburtshilfe dar. Untersuchungen über den therapeutischen Einsatz von vaginalen und oralen Milchsäure-Bakterien zur Wiederherstellung oder zum Erhalt der normalen vaginalen Mikroflora beinhalten den klinischen Teil seiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Die Kooperationsprojekte mit der Universität für Bodenkultur, Department für Lebensmittelwissenschaften und Technologie Wien, über die normale vaginale Microbiota stellen die Hauptgrundlageforschung dar.

Zur Person
Dr. Petricevic ist 1973 in Subotica, Serbien, geboren. 1992 Matura mit Auszeichnung. Medizinstudium in Belgrad und Wien. Studiumabschluss mit Dissertation: „Frühgeburt und Infektionen“ unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. H. Kiss, welche auch als Publikation in British Medical Journal 2004 veröffentlicht wurde. Anschließend Beginn der Facharztausbildung an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien. Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe 2011. Verleihung der Assistenzprofessur 2012. Er ist der Leiter des Infektionsteams und des Mikrobiologischen Labors für gynäkologische und geburtshilfliche Infektionen an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien. Er ist Zweiter Vizepräsident der ESIDOG Austria: European Society for Infectious Diseases in Obstetrics and Gynaecology, Austrian Commission. Es wurden ihm mehrfach Leistungs-, Förderungs- und Reisestipendien zuerkannt. 2014 wurde ihm der Wissenschaftspreis der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe verliehen. Publikationen und Review-Tätigkeit bei zahlreichen internationalen Zeitschriften. Seine persönlichen Interessen sind Sport und Musik.

Ausgewählte Literatur

  1. Petricevic L, Domig K, Nierscher FJ, Sandhofer MJ, Fidesser M, Krondorfer I, Husslein P, Kneifel W, Kiss H. Characterisation of the vaginal Lactobacillus microbiota associated with preterm delivery. Scientific Reports. 2014; 4 : 5136.
  2. Petricevic L, Domig K, Nierscher FJ, Krondorfer I, Janitschek C, Kneifel W, Kiss H. Characterisation of the Oral, Vaginal, and Rectal Lactobacillus Flora in Healthy Pregnant and Postmenopausal Women. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2012; 160: 93–99.
  3. Petricevic L, Kaufmann U, Domig K, Kraler M, Marschalek J, Kneifel W, Kiss H. Molecular detection of Lactobacillus species in the neovagina of male-to-female transsexual women. Scientific Reports. 2014; 4: 3746.
  4. Petricevic L, Kaufmann U, Domig K, Kraler M, Marschalek J, Kneifel W, Kiss H. Rectal Lactobacillus Species and Their Influence on the Vaginal Microflora: A Model of Male-to-Female Transsexual Women. Journal of Sexual Medicine 2014 Nov;11(11):2738-43 doi: 10.1111/jsm.12671.
  5. Petricevic L, Unger FM, Viernstein H, Kiss H. Randomized, double-blind, placebo-controlled study of oral lactobacilli to improve the vaginal flora of postmenopausal women. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2008;141(1):54-7.
  6. Petricevic L, Witt A. The role of Lactobacillus casei rhamnosus Lcr35 in restoring the normal vaginal flora after antibiotic treatment of bacterial vaginosis. British Journal Obstet Gynecol. 2008;115:1369-1374.
  7. Kaufmann U, Domig K, Kraler M, Marschalek J, Kneifel W, Kiss H, Petricevic L. Ability of an oral administered lactobacilli preparation to improve the quality of the neovaginal microflora in male to female transsexual patients. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2014; 172: 102-105.
  8. Kiss H, Petricevic L, Husslein P. Prospective randomised controlled trial of an infection screening programme to reduce the rate of preterm delivery. British Medical Journal 2004; 329: 371-4.
  9. Kiss H, Kögler B, Petricevic L, Sauerzapf I, Klayraung S, Domig K, Viernstein H, Kneifel W. Vaginal Lactobacillus microbiota of healthy women in the late first trimester of pregnancy. British Journal Obstet Gynecol; 2007; 114:1402-7.

Kontakt
Assoc.-Prof. Dr. Ljubomir Petricevic
Univ.-Klinik für Frauenheilkunde
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

T: +43 (0)1-40400-28190
E-Mail: ljubomir.petricevic@meduniwien.ac.at