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Ein Tag für Frühgeborene

Jährlich am 17. November
Sorry, this content is only available in German!

Eines von neun Babys kommt zu früh zur Welt. Am „Tag für Frühgeborene“ feiern wir, dass sich durch den medizinischen Fortschritt viele der sehr kleinen Frühgeborenen gesund und gut entwickeln können!

Rückblick: Der Tag für Frühgeborene 2021

ExpertInnen-Chat mit dem Team der Neonatologie

Angelika Berger und ihr Team haben Ihre Fragen rund um das Thema Frühgeburt und die besonderen Herausforderungen währen der Corona-Pandemie im Live-Chat beantwortet. Wir haben die häufigsten Fragen hier noch einmal für Sie zusammengefasst:

 

 

 

Wie werden Entwicklungsschübe bei Frühgeborenen berechnet?

Um die Frühgeburtlichkeit bei der Beurteilung von Entwicklungsschüben, sogenannten Meilensteinen der Entwicklung, zu berücksichtigen, werden Frühgeborene bis zum dritten Geburtstag entsprechend ihrem „korrigierten Alter“ untersucht und getestet. Das bedeutet, dass neben dem chronologischen Alter (ab Geburtsdatum des Kindes, nach diesem werden beispielsweise die Termine für die Impfungen berechnet) auch eine parallele Berechnung ab dem errechneten Geburtstermin (zu dem das Kind reif zur Welt gekommen wäre) vorgenommen wird. Ein Kind, das beispielsweise in SSW 30 geboren wurde, wird im Alter von 20 chronologischen Wochen als 10 Wochen „korrigiert“ eingestuft. Somit muss dieses Kind die Meilensteine erfüllen, die von einem 10 Wochen alten reifgeborenen Kind erwartet werden.

Wie sieht der aktuelle Klinikalltag in Zeiten von Corona für die betroffenen Familien und die MitarbeiterInnen der Klinik aus?

Der Alltag auf der Neonatologie sieht nicht sehr viel anders als vor der Pandemie. Aber natürlich spüren wir auch die Nervosität durch den zunehmenden Belag auf den Erwachsenenintensivstationen. Wir haben fast tägliche Meldungen von positiven Angehörigen oder Personal. Und natürlich wird das Personal sehr intensiv getestet und gescreent (2-3x wöchentlich PCR Test trotz Impfung), um die PatientInnen nicht zu gefährden. Wir impfen die Eltern jetzt auch auf den Stationen, um weiterhin den Eltern-Kind-Kontakt wie üblich aufrecht erhalten zu können.

Kann man vorbeugend etwas tun, um Frühgeburten zu verhindern?

Generell gilt es, Risikofaktoren für Frühgeburt zu vermeiden. Dazu gehört zum Beispiel in der Schwangerschaft nicht zu rauchen und regelmäßige Schwangerschaftsvorsorge zu betreiben. Dort werden zum Beispiel Infektionen erkannt und gegebenenfalls rechtzeitig therapiert und dadurch eine Frühgeburt verhindert. Sehr häufig entsteht die Frühgeburt aber ohne „Vorwarnung“, „aus heiterem Himmel“, in Form von vorzeitigen Wehen oder eines plötzlichen vorzeitigen Blasensprungs. Hier können unerkannte Infektionen oder möglicherweise auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. Ganz wichtig ist, dass die Schwangere jedenfalls niemals „Schuld“ an der Frühgeburt hat und dass viele Frühgeburten als „schicksalshaft“ angesehen werden müssen.

Was war das früheste Frühchen welt-/europa-/österreich-/Wien weit, welches noch lebt?

Generell versorgen wir in Österreich Kinder ab Schwangerschaftswoche 23. In seltenen Fällen werden auch Kinder aus SSW 22 in Absprache mit den Eltern aktiv betreut. In diesen frühen Wochen gibt es ein hohes Risiko für ein Versterben des Kindes oder ein Überleben mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen, oft verbunden mit einem langen Leidensweg und großen Belastungen, weshalb ein weiteres Vordringen in frühere Schwangerschaftswochen aus heutiger Sicht nicht sinnvoll und vor allem nicht im Interesse des Kindes und der Familie erscheint. Unlängst wurde von einem Kind in den USA berichtet, das in SSW 21 geboren wurde und überlebt hätte. Ziel der Neonatologie ist aber nicht das Aufstellen von neuen Rekorden (noch jünger, noch unreifer, noch leichter), sondern die laufende Verbesserung der Betreuung extrem unreifer Frühgeborener und ihrer Familien.

Was ist die Kangaroo Care?

Als Känguru-Methode (Kangaroo care) wird eine Methode bezeichnet, bei der ein Neugeborenes (meist ein Frühgeborenes) Haut an Haut auf den Oberkörper eines Erwachsenen gelegt wird. Studien haben gezeigt, dass das Kangarooing Vorteile mit sich bringt: Es fördert die Eltern–Kind-Bindung aufgrund des Hautkontakts und des damit verbundenen Ausstoßes des Hormons Oxytocin, auch „Kuschelhormon“ genannt. Der Herzschlag, der Geruch, die Atmung und die Stimme der Eltern beruhigen das Baby und unterstützen es bei der Entwicklung. Es hilft dem Baby die eigene Körpertemperatur zu halten, unterstützt bei der Gewichtszunahme und hilft bei der Regulierung der Atem- und Herzfrequenz. Auch wirkt sich das Kangarooing positiv auf die Stillbeziehung aus. Mütter und Väter sind die wichtigsten Bezugspersonen. Sollten diese aber nicht zur Verfügung stehen, können auch andere wichtige Bezugspersonen diese Aufgabe übernehmen. Generell sollten es nicht zu viele, wechselnde Bezugspersonen sein.

Wie ist die Situation auf der Station wegen Corona – wer darf Mutter und Kind besuchen?

Ganz generell darf schon seit Beginn der Coronapandemie nur noch eine Begleitperson (in der Regel der werdende Vater) zur Geburt in das Krankenhaus mitkommen und danach die Wöchnerin und das Neugeborene besuchen (ob verheiratet oder nicht spielt keine Rolle). Auf den neonatologischen Stationen haben wir immer dafür gesorgt, dass sowohl Vater wie auch Mutter immer zum Kind kommen können. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass beide gegen das Coronavirus geimpft sind. Auch für Schwangere ist diese Impfung explizit empfohlen, weil es besonders in der Spätschwangerschaft sehr schwere Verläufe bei Schwangeren gibt. Falls Sie sich in der Schwangerschaft nicht impfen lassen wollen, gibt es die Möglichkeit der Impfung nach der Geburt direkt auf der Wöchnerinnenstation.

Gibt es aufgrund des schwächeren Immunsystems eines Frühgeborenen ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen der Covid-Impfung bzw. eines Verlaufes bei einer COVID-19-Erkrankung?

Wir empfehlen derzeit uneingeschränkt die Corona-Schutzimpfung für Kinder ab 5 Jahren, wie auch von der EMA empfohlen. Aus heutiger Sicht sind Nebenwirkungen bei den kleinen Kindern seltener als bei über 12-Jährigen. Wir haben keine Daten und auch keine Gründe zur Annahme, dass die Impfung bei Frühgeborenen mit einem höheren Risiko verbunden ist. Generell gilt, dass das Risiko für Komplikationen bei einer Infektion deutlich höher ist als bei der Impfung. Bezüglich der COVID-19-Erkrankung ist bei einem „gesunden“ Frühgeborenen auf Basis der heutigen Datenlage mit keinem schwereren Verlauf zu rechnen als bei Reifgeborenen. Es besteht ein höheres Risiko für schwere Verläufe bei Frühgeborenen, die zusätzliche Probleme wie eine Schädigung der Lunge oder des Herzens, oder schwere Entwicklungsprobleme aufweisen. Diese Kinder sollten unbedingt gegen Corona geimpft werden.


Die Kinderklinik strahlt für ihre Frühgeborenen

Die Kinderklinik macht mit bei der Aktion „Purple for Preemies“: Für alle Frühgeborenen leuchten am 17. November weltweit Bauwerke und Denkmäler in Lila, der Farbe der Frühgeborenen. Dieses Licht soll sich am Tag der Frühgeborenen wie ein großes lila Band rund um den Globus ziehen. In Wien strahlt die Fassade der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde von MedUni Wien und AKH Wien ab Einbruch der Dunkelheit in Lila.

Vielen Dank für Ihr Foto!

Im Jahr 2021 stand die Social Media-Aktion zum Tag der Frühgeborenen im Zeichen der Farbe Lila. Vielen Dank für die wundervollen Bilder, die Sie uns dazu geschickt haben. Unten finden Sie eine Foto-Collage, die hier und auf den Social-Media-Kanälen der MedUni Wien veröffentlicht wurde.


Der Welt-Frühgeborenentag

Jedes neunte Kind weltweit wird zu früh geboren. In Österreich betrifft dies jährlich rund 8.000 Neugeborene, somit sind Frühgeborene die größte PatientInnengruppe unter Kindern.

Um Frühgeborenen und ihren Familien eine Stimme zu geben, hat die European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI) den Welt-Frühgeborenentag ins Leben gerufen. Dieser Tag wird seit 2011 jährlich am 17. November gefeiert und thematisiert die Besonderheiten, Risiken und Probleme für Frühgeborene und ihre Familien. Die EFCNI vereint als europäische Stiftung Eltern, Fachleute verschiedener Disziplinen, WissenschafterInnen, PolitikerInnen und weitere Akteure mit dem gemeinsamen Ziel, den Gesundheitszustand dieser PatientInnengruppe zu verbessern.

Am Welt-Frühgeborenentag finden in über 60 Ländern weltweit unterschiedliche Veranstaltungen statt. Frühchenvereine, Elterngruppen, Kliniken, Familien, Gesundheitszentren und Politik machen gezielt auf die Situation der zu früh geborenen Kinder und deren Angehörigen aufmerksam.

AKH Wien und Medizinische Universität Wien feiern den Welt-Frühgeborenentag jedes Jahr mit einem bunten Fest und vielen Info- und Mitmach-Stationen für die Kids und ihre Eltern. Zum Abschluss werden 200 Luftballons in den Nachthimmel geschickt – einen für jedes der 200 Kinder, die pro Jahr an MedUni Wien/AKH Wien zu früh zur Welt kommen. Seit dem Jahr 2020 wurde aufgrund der Corona-Pandemie ein alternatives Programm zusammengestellt.

Hier finden Sie einen Einblick in die Aktionen der vergangenen Jahre:


Indivuelle Betreuung am Comprehensive Center for Pediatrics (CCP)

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Dank den einzigartigen Behandlungsmethoden und innovativen Therapieansätzen der Neonatologie des Comprehensive Center for Pediatrics (CCP) von MedUni Wien und AKH Wien überleben selbst von den allerkleinsten RisikopatientInnen bis zu 70% und weniger als 20% zeigen im Verlauf eine schwerwiegende Entwicklungsbeeinträchtigung.

Die Behandlung und Therapie von extrem unreifen Frühgeborenen ist eine komplexe Zusammenarbeit von verschiedensten Expertinnen aus unterschiedlichen Berufsgruppen und Disziplinen, die laufend an neueste Forschungserkenntnisse angepasst wird.


Frühgeborene in Pandemiezeiten

Die Coronapandemie hatte ab März 2020 auch Einfluss auf die neonatologische Station von MedUni Wien und AKH Wien. Die Sorge war groß, dass die Frühgeborenen weniger Elternkontakte haben würden als zuvor.

Eine retrospektive Analyse der Vergleichszeiträume März-Mai 2020 und März-Mai 2019 zieht allerdings eine beruhigende Bilanz: Die Phase des Lockdowns hat nicht zu weniger Elternkontakt geführt, sondern im Gegenteil konnten die besonders intensiven Kontakte mit den Eltern im Rahmen der Kangaroo Care sogar vermehrt beziehungsweise verlängert werden. Die Daten zeigen zudem, dass ein ungestörter Elternkontakt mit weniger anderen Besuchen in Hinblick auf Lärm und Stress der Frühgeborenen sehr wichtig zu sein scheint.

Studie: The effect of restrictive visit policies due to pandemic SARS-CoV-2 on infant well-being: a retrospective-descriptive data analysis
Vito Giordano, Renate Fuiko, Andrea Witting, Lukas Unterasinger, Johanna Bajer, Philipp Deindl, Stephanie Höhl, Philipp Steinbaur, Angelika Berger, Katrin Klebermass-Schrehof.


Beste Chancen für Frühgeborene


Der Tag für Frühgeborene ist eine Aktion des Comprehensive Centers for Pediatrics vom MedUni Wien und AKH Wien in Kooperation mit European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI)

Mit freundlicher Unterstützung von: