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2019 Oktober - Anete Romanauska

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Anete Romanauska, MSc

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, Oktober 2019

Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat an Frau Anete Romanauska, MSc aus Anlass der im Journal „Cell“ (IF 31.4) erschienenen Arbeit „The Inner Nuclear Membrane Is a Metabolically Active Territory that Generates Nuclear Lipid Droplets“ [1]. Die Studie entstand im Rahmen Ihres PhD-Studiums an den Max Perutz Labs, einer Joint Venture der Medizinische Universität Wien und Universität Wien, in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Alwin Köhler.

Die metabolische Anpassungsfähigkeit der inneren Zellkernmembran

Lipide sind wichtige Zellbestandteile. Obwohl Lipide für lange Zeit lediglich als strukturelle Elemente der Membranen betrachtet wurden, wuchs die Liste ihrer biologischen Rollen über die letzten Jahre. Heute versteht man sie als dynamische Moleküle, die essentiell für Zellsignalisierung, Zelltod, Membrantransport, Membranidentität und Verankerung von Membranproteinen sind. Daher können Veränderungen im Stoffwechsel, im Transport und in der Verteilung von Lipiden zu schwerwiegenden Fehlfunktionen führen. Solche durch genetische Mutation und/oder äußere Umstände (Umwelteinflüsse, Ernährung) hervorgerufenen Veränderungen können zu Erkrankungen im Menschen führen. Die außerordentliche Bedeutung von Lipidhomöostase zeigt sich in Krankheitsbildern wie Übergewicht oder Lipodystrophie.

Trotz ihres einzigartigen Aufbaus und ihrer Bedeutung in der Regulation der Genexpression ist die Kernhülle die am wenigsten erforschte Lipidmembran der Zelle. Die innere Kernmembran umschließt das Genom und bildet gemeinsam mit der äußeren Kernmembran die Kernhülle. Die äußere Kernmembran ist mit dem endoplasmatischen Reticulum (ER), dem Ort der Phospholipidsynthese, verbunden. Im Gegensatz zum ER und der äußeren Kernmembran fehlten bislang Hinweise für eine Stoffwechselaktivität der inneren Kernmembran. Darüber hinaus wurde bisher angenommen, dass die innere Kernmembran keinen eigenen Metabolismus aufweist, sondern passiv mit Lipiden versorgt wird.

In ihrer 2-Autoren Publikation beschreiben Romanauska und Köhler die innere Kernmembran als eigenständigen Zellbereich mit eigenem Stoffwechsel und eibner bemerkenswerten metabolischer Anpassungsfähigkeit. Sie konnten zeigen, dass Enzyme des Lipidstoffwechsels an der innere Zellmembran vorkommen, die das Speichern von Lipiden ermöglichen. Diese Enzyme  bilden Lipidtröpfchen, die dann im Zellkern akkumulieren. Diesem Vorgang liegt ein Lipidaustausch zugrunde an dem ein Protein namens Seipin bereiligt ist. Dieses Protein liegt bei schweren Form der angeborener Lipodystrophie in mutierter Form vor. Interessanterweise lassen sich Lipidtröfchen im Zellkern auch durch eine fettreiche Ernährung erzeugen. Daher eröffnet die Studie neue Persepktiven, um den Zusammenhang zwischen Fettstoffwechsel und der Regulation der Erbinformation zu verstehen.

Wissenschaftliches Umfeld

Anete Romanauska's wissenschaftliche Karriere begann im zweiten Jahre ihres Bachelorstudiums am Biomedical Research and Study Centre der Universität Lettlands. Dort arbeitete sie an dem Projekt "Amplification and cloning of hepatitis B virus (HBV) full - lenght genomes isolated from a chronic patient containing HBV preS deletions". Ihre Bachelorarbeit befasste sich mit dem Thema "Characterization of human adipose-derived mesenchymal stem cells (MSC) in vitro senescence" [2]. Während ihres Studiums erhielt sie Stipendien der Universität Lettlands, sowie des Vītols Fonds. Ihr Masterstudium absolvierte Romanauska an der Universtität Wien und schrieb ihre Masterarbeit an den Max Perutz Labs mit dem Titel „Molecular mechanism for targeting a lipid-interacting basket nucleoporin to the inner nuclear membrane" [3] unter der Betreuung von Prof. Dr. Alwin Köhler. Auch in ihrem Doktoratsstudium arbeitet sie weiterhin gemeinsam mit Prof. Dr. Köhler um den Lipidstoffwechsel der Zellkernhülle zu erforschen. Anete Romanauska hat das DOC-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erhalten.

Zur Person

Anete Romanauska (*26. Dezember 1992 in Lettland) studierte von 2011 bis 2014 Biologie an der Universität Lettlands in Riga. Ihr anschließendes Masterstudium der Molekularbiologie absolvierte sie an der Universität Wien. Seit 2016 arbeitet sie als Doktoratsstudentin in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Alwin Köhler.

Ausgewählte Literatur

  1. Romanauska A, and Köhler A. (2018). The inner nuclear membrane is a metabolically active territory that generates nuclear lipid droplets. Cell. 26;174(3):700-715.
  2. Legzdina D*, Romanauska A*, Nikulshin S, Kozlovska T, Berzins U. (2016). Characterization of Senescence of Culture-expanded Human Adipose-derived Mesenchymal Stem Cells. Int J Stem Cells. 30;9(1):124-36. 
  3. Mészáros NCibulka JMendiburo MJRomanauska ASchneider MKöhler A. (2015). Nuclear pore basket proteins are tethered to the nuclear envelope and can regulate membrane curvature. Dev Cell. 4;33(3):285-98.

    *Contributed equally

Anete Romanauska, MSc

Medizinische Universität Wien
Zentrum für Medizinische Biochemie
Dr. Bohr-Gasse 9/3
1030 Wien

T: +43 (0)1 4277-61628
anete.romanauska@meduniwien.ac.at